Montag, 18. März 2019

Montag


Da ich am Donnerstag Abend gefühlte hundert mal angerufen wurde, ich solle ins zweite zu Hause kommen, weil es dem Vater unserer Kinder so schlecht ginge, nahm ich mir Freitag einen Tag frei und fuhr hin. Ich brachte ihn zum Arzt, kaufte ein, kochte uns etwas zum Essen und schlief dort. Im Nachhinein ein schlechter Plan. Schon in der Nacht zu Samstag ging es mir schlecht. Ich erwachte schweiß nass gebadet und am Morgen kam dann das, was kommen musste. Appetitlosigkeit, Schüttelfrost, allgemeines Unwohlsein.

Gegen Mittag fuhr ich nach Hause, wollte nur noch schlafen. Ich fieberte den Samstag bis Sonntag, am Sonntag Nachmittag waren meine fiebersenkenden Mittel aufgebraucht. Und es war das erste mal seit meiner Kindheit, dass ich diese beschissenen Fieberträume hatte. Ich rief an, ob mir jemand Tabletten vorbeibringen könnte. Püppi war gerade aus der Dusche und hatte ein Date. Der Gatte weiß immer noch nicht, wo ich wohne. Nach kurzem Gedankengang, stelle ich fest, dass meine Familie anscheinend andere Prioritäten setzt, als ich.
Bevor es zu einem emotionalen Rückfall kommt, rufe ich den Nachbarn an. Der kommt schneller vorbei als ein Krankenwagen, ohne Angst vor Ansteckung. Bringt mir alles und verschwindet lautlos wieder. Ich fiebere weiter. Heute muss ich zum Arzt. Da ich nicht nur Neger Arbeiterin im Laden und für Familie bin, benötige ich einen Krankenschein. Ich frage wieder an, da mein Kreislauf irgendwie ziemlich schlecht ist, ob mich jemand von meinen Liebsten zum Arzt fahren kann. Mein Gatte meint, nehm dir ein Taxi, meine Tochter meint sie hätte absolut keine Zeit. Nun, der Nachbar fährt mich also hin.

Ich werde für die gesamte Woche krank geschrieben. Grippe. Kann ja jeden Mal erwischen.

Aber heute ist mir etwas klar geworden. Und das hat einen sehr bitteren Nachgeschmack.
Für Püppi bedeutet das in Zukunft, dass meine Adresse keine Geldquelle mehr ist.
Für meinen Gatten bedeutet das, dass in Zukunft die Kinder ihn ins Krankenhaus karren können, wenn es nötig ist.

Für meinen Nachbarn bedeutet das, dass ich zumindest bei ihm weiß, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann. Und er sich auf mich.

Für mich bedeutet es, was meine Familie angeht, ab heut nicht mehr viel.

So und jetzt werde ich wieder gesund, und werde weiter mein Ding machen. Ich habe noch einiges vor. 


Kommentare:

  1. Fühl dich gedrückt und gute Besserung.
    Die Konsequenzen bei mir wären noch härter.

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  2. In so einer Situation merkt man sehr sehr schnell, wem man wichtig ist.

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  3. Oh ha! Kann kaum glauben, dass Familie so sein kann. Gut, dass der Nachbar da war.
    Und jetzt solltest Du wirklich mal nur an deine Gesundheit denken und Dich erholen. Gute Besserung!

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