Donnerstag, 11. Oktober 2018

Donnerstag


Ich glaube so langsam kommt meine Spontanität wieder, die ich in der Jugend ja mal hatte. Ich habe es tatsächlich geschafft in dieser Woche gleich zweimal spontan zu sein. Ohne Planung, einfach ganz kurzfristig. Das hat Spaß gemacht.

Nach der heutigen spontanen Aktion, fiel mir etwas aus meiner Vergangenheit ein. Wenn ich meiner Mutter erzählen würde, wie sehr ich gerade mein Leben genieße, und warum das so ist, wie würde sie jetzt in der Gegenwart darauf reagieren. In meiner Erinnerung konnte ich es ihr niemals Recht machen. Ich war ihr zu schlampig, zu unkonzentriert, sie verstand meine Gedanken nicht und wenn ich mal einen Jungen mit nach Hause brachte, hatte sie grundsätzlich etwas daran auszusetzen. Entweder waren die Haare blöd, oder der Kopf zu klein, oder zu dicke Finger oder zu dünn. In jedem Fall hatte sie irgendetwas zu meckern.

Bis zu dem Tag, als ich einen Banker kennen lernte. Ende der Achtziger. Er kam unangemeldet damals vorbei, ich wohnte noch zu Hause. Er kam nach der Arbeit und trug einen Anzug. Mutter öffnete ihm damals die Tür. Und ließ ihn mit glänzenden Augen rein.

Er gefiel ihr, das war nicht zu übersehen. Er trug einen Anzug! Jeden Tag fragte sie mich, wie es denn so weitergehen würde, ein Banker, so schick, das müsste doch zur Hochzeit führen.

Ich übernachtete grundsätzlich bei ihm, ich mochte niemanden in meinem eigenen Bett, er war ein guter Liebhaber, nahm mich im Flur, drückte mich an die Wand und vögelte mich mit einer tierischen Leidenschaft. Und trank. Er trank viel, er war groß und mehr als gut gebaut.

Eines Abends waren wir in unserer Stammkneipe. Er war betrunken, ich sollte fahren. Aber ich wollte nach Hause. Ich bat ihm an, ihn nach Hause zu fahren, um dann für mich zu sein. Das machte ihn so wütend, dass er einen Zigarettenautomaten aus der Wand riss, und mich damit erschlagen wollte.

Da ich ein Glückskind war und bin, kamen mir andere Männer zur Hilfe und hielten ihn fest.

Ich fuhr nach Hause und für mich war die Sache beendet. Wochen lang fragte meine Mutter, was denn jetzt wäre, bis ich ausflippte und ihr mitteilte, dass Schluss wäre. Sie hat es nie verstanden. Sie hatte immer nur einen Anzugträger in ihrer heilen Welt im Kopf. Ich traf ihn vor ein paar Tagen in der Bank. Der sieht echt kaputt aus. Alles richtig gemacht.

Ich habe mir die Frage selbst beantwortet und schweige und genieße. Weil das ist schon Besonders.

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