Sonntag, 26. Mai 2019

Sonntag

Ich glaube, ich habe den Höhepunkt der Behandlung heute erreicht. Ich schlafe bis halb eins, frühstücke ausgiebig, kann kaum laufen, aber wenigstens, die mir geliebte Kaffeetasse halten. Nach einer ausgiebigen Dusche räume ich auf und spüle nach gefühlten Jahren. Danach geht’s ab zum Wählen. Ich laufe schleiche durch den bedeckten Tag und mir fällt auf, dass ich ohne komische Gedanken oder Angst durch die Gegend laufe.

Da ich den Eingang mir unbekannter Schule nicht finde, frage ich einen Menschen danach. Er erklärt mir den Weg und fragt, ob er mich begleiten solle. Ich verneine, bedanke mich und laufe weiter. Jagdmodus off. Heute ist schließlich Sonntag. Ich überlege ob ich demnächst sonntags in die Kirche gehen sollte. Aber erst mal nächstes Wochenende ab in den ehemaligen Osten. Das wird sehr chillig. Als ich dem Gatten davon erzähle, fragt der mit einem komischen Grinsen:“ Fährst du mit deinem Freund?“
„Natürlich.“

Dann fange ich an zu lachen. Frag die Große. Sie wird dich aufklären.

Er kommt zu mir und nimmt mich in den Arm. „Ciao, und danke, dass du mir geholfen hast.“
Es fühlt sich so befremdlich an. Alles. Ich entziehe mich ihm und fahre.

Ab heute wird nicht mehr in den Arm genommen. Ab heute passiert gar nichts mehr. 
In mir steckt soviel Wut, und die hat Olga irgendwie angefickt wachgekitzelt. Ich kann mich nicht daran erinnern, so wütend gewesen zu sein. Das passt eigentlich nicht zu mir, aber sie ist da. 

"Nur weil jemand hart im Nehmen ist, heißt das nicht, dass es nicht weh tut"