Freitag, 22. Februar 2019

Freitag


Heute wurde gleich zweimal bemerkt, dass ich zu emotional bin. Das passt eigentlich nicht zu meinem Charakter, denn meine Emotionen habe ich in der Regel ganz gut im Hinterstübchen eingesperrt. Ich musste einen Bericht schreiben. Natürlich sachlich, und für mich war der Bericht auch sachlich. Für meinen Chef nicht. „Also Zucker, wenn du das so schreibst, dann erzeugst du beim Kunden Missmut.“ „Ok.“

Eine halbe Stunde später musste ich ein Telefonat in eigener Sache mit einem Dienstleistungsunternehmen führen, die anscheinend nicht wirklich meine Kündigung verstanden haben. Ich wurde so wütend, weil die Sachbearbeiterin irgendwie überhaupt keine Ahnung hatte, dass ich mit meinem Anwalt drohte, wenn sie das nicht klären würde.

Das Azubinchen fing an, mit den Worten, ich solle mich nicht so aufregen, meine Schultern zu massieren, während der Chef lachend gegenüber saß und sagte:“ Nein, lass sie mal, so habe ich dich ja noch nie erlebt. Du kannst ja richtig böse ausrasten.“

Und auch mein Nachbar meinte heute zu mir:“ Egal was du tust, ohne Emotion kannst du das nicht. Aber das ist doch nicht schlimm. Genauso mag ich dich.“

Und so fahre ich mit der Frage ins Wochenende: Wann ist Emotion angebracht und wann eben nicht. Und ich habe noch keine Antwort gefunden. Genau deshalb, weil es mir eigentlich egal ist. Da wird einem erzählt, dass man sich emotional schützen muss, damit man nicht vor die Hunde geht, und dann wieder nicht.

Und während ich über Emotionsscheiß nachdenke, fällt mir ein emotionsloser Satz ein:

Guter Sex ist eines der wenigen Dinge, die dieses öde Leben ertragen lassen.

Und manchmal wünsche ich mir mehr, als nur Sex, und manchmal wünsche ich mir weniger und manchmal wünsche ich mir einfach Nichts. Ich werde es wohl nicht mehr in diesem Leben erleben, jemanden an meiner Seite zu finden, der mich einfach so nimmt, wie ich bin. Schade.Aber ok. Emotionslose Theorie halt.