Freitag, 30. März 2018

Freitag


Normalerweise halte ich niemals länger als nötig aus, wenn ich mich nicht in meinen vier Wänden aufhalte. Mal ganz abgesehen davon, dass ich so gut wie niemals ausgehe. Gestern habe ich eine Ausnahme gemacht. Ich wunderte mich, dass die Zeit so schnell verging, und dabei nicht zäh und langweilig wie Kaugummi den Abend versaute.

Als ich zu Hause war, sammelte ich mich ein bisschen und ließ den Abend Revue passieren.
Das lauteste war die Hintergrundkulisse, was dazu führte, dass ich nicht richtig hören konnte.
Und so war es recht entspannt, dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren konnte, und dabei nicht mit tausend Worten beschmissen wurde.

Derweil genieße ich die Ruhe und die Sonne.

Tiefenentspannt.

Mittwoch, 28. März 2018

Mittwoch


Gestern schrieb mich der Exnachbar mit dem französischen Akzent an. „Zucker,  wenn du in der Gegend bist, könntest du kurz bei mir vorbei kommen, ich benötige deinen Rat.“

Irgendwie bin ich derzeit so beschäftigt, dass ich fast nur noch zum schlafen nach Hause fahre. Kundenmarathon, Besuche und diverse Ablenkungsmanöver, damit ich nicht durchdrehe. Die leicht aufkeimende Angst habe ich meinem Gehirnwartungsexperten gegeben. Ich glaube er hat sie gut versteckt.

Heute dann, nach der Arbeit, mir die Geschichte angehört, die der Exnachbar auf dem Herzen hatte. Und es ist eine Scheiß Geschichte. Eine Geschichte, von denen man nicht wirklich etwas hören will. Dinge, die es nicht gibt, die es nicht geben darf. Und dann wundere ich mich immer, dass ich trotzdem einen oder auch noch einen Rat parat habe, und denke, hey, es gruselt mich.

Ich muss mich also weiter ablenken, mit schönen Dingen des Lebens. Und das werde ich tun.

Heute nach der Arbeit kurz beim Chef vorbei gefahren und einen Kaffee bekommen. Wir nennen das ja aktives Mitarbeitergespräch, und müssen danach immer vor Lachen pinkeln gehen. Und während ich so halb ungerade auf dem Sofa liege, den Kopf, mit leichten Kopfschmerzen, wegen dieser beschissenen Anlage, in einen Berg von Sofakissen grabe, denke ich laut:“ Weißt du was, eigentlich habe ich im Leben alles erreicht. Also wenn ich jetzt morgen einen Herzinfarkt bekäme, dann wäre das auch ok.“
„Zucker, wie kommst du denn jetzt da drauf?“
„Ich dachte gerade darüber nach, wie lange ich noch arbeiten muss, bis zur Rente, und das ist noch so lange, dass ich glaube, ich werde vorher von den ganzen Gefahrstoffen zerfressen und elendig krepieren, dann lieber einen Infarkt. So ganz plötzlich. Und weg."  

„Klingt typisch nach dir, und solange kein Infarkt kommt, einfach Leben.“
„Ja.“

Er nimmt mich in den Arm und gibt mir für die letzten eineinhalb Stunden frei.

Ich wohne jetzt seit einem Monat allein und muss mit Entsetzen feststellen:
Ich muss lernen, wieder für mich allein zu kochen. Schwierig, sehr schwierig.

Sonntag, 25. März 2018

Sonntag


Nach der großen Familienfeier rufe ich die Große an. Während des Gespräches fängt sie an zu weinen. Ich spüre wie weh es ihr tut, dass ich ausgezogen bin und versuche ihr noch einmal den Grund zu erklären. Es ist so verrückt alles. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren so viel Einblick über den Tellerrand des einfachen Bürgers bekommen, dass ich eigentlich den ganzen Tag, nein was sage ich, Wochen kotzen könnte. Die Welt ist ein schöner Ort mit schlechten Kreaturen. Und wir mitten drin.

Ich habe längst mitbekommen, dass ich „observiert“ werde. Und meine Gedanken wissen längst bescheid. Ich kann es nur nicht beweisen. Zumindest jetzt noch nicht.

Ein spontaner Gedanke war, dass ich einen ganzen Steinbruch ins Rollen gebracht habe. Menschen sind unberechenbar, wenn sie sich betrogen fühlen. Betrogen in ihrem Sein, betrogen für Außenstehende. Sobald man sich in seiner Ehre verletzt fühlt, kann man ziemlich gefährlich werden, denn das zerrt am Selbstbewusstsein.

Wenn jetzt so ein Steinbruch anfängt, in die Tiefe zu stürzen, dann gibt es kein Zurück mehr.
Und so werde ich diesen beschissenen Weg gehen, vor dem ich immer Angst hatte, aber ich gehe ihn.

„Die Art, wie du mein Gatte, mich ansahst, als du dich verabschiedet hast, jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Aber du weißt nicht, dass ich Eiswürfel liebe.“

Samstag, 24. März 2018

Samstag


Der Kripobeamte holt mich am Empfang ab und bittet mich ins Büro. Nach zehn Minuten, während er die Anzeige aufnimmt, sind wir beim Du. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Sein Assistent macht Fotos von dem Schaden, während ich einen Kaffee bekomme. Irgendwie eine seltsame Situation. Mit den Worten, das wir uns vermutlich wiedersehen, weil er glaubt, dass die Sache weitergehen wird, verabschiedet er sich und ich fahre ins Büro.

Heute dem Chef alles mitgeteilt. Nächste Woche stelle ich meine alte Möhre vor das Haus. Und dann mal weitersehen.

Trotz allem, ich gewöhne mich an das Stadtleben. Gestern habe ich eine alte Schulfreundin besucht, sie benötigte Hilfe für eine Powerpointpräsentation. Ein schöner Abend und ich ging trotz Dunkelheit ohne Schnappatmung zu meinem Auto, das ich nicht direkt am Hochhaus parken konnte.

Heute Nacht wird die Uhr auf Sommerzeit umgestellt. Gefällt mir jetzt nicht so, aber egal.

Und wussten sie, dass es einen § gibt, der besagt, dass es in der Stadt New York untersagt ist, jemanden nur zum Spaß einen Ball gegen den Kopf zu werfen.

Donnerstag, 22. März 2018

Donnerstag


Es wäre nicht wirklich real gewesen, wenn da nicht irgendetwas gewaltig dazwischen schlägt.

In der neuen Wohngegend wird gerade systematisch mein Auto tättowiert. Ich fahre morgen früh zur Polizei und starte da mal eine Anzeige.
Mein Datenvolumen ist hinüber, d.h. ich schaffe es nicht mehr in meine Mails. Nun gut, dann eben Morgen im Büro. Irgendwie ist die Ersatzkarte nicht mit meinem Anbieter kompatibel.
Meine Knochen mögen irgendwie das nasskalte Wetter nicht und die Arbeit heute war nicht gerade knochenschonend.
Aufgrund der Tatsache, dass anscheinend nur mein Auto für kriminelle Straßenkünstler interessant ist, stellt sich mir natürlich die Frage: Was lässt sich die Person als nächstes einfallen?
Das ist nicht gut für meinen Verfolgungswahn. Bestätigte mir heute auch mein Gehirnwartungsexperte.

Ich bin jetzt sehr gespannt, ob ich diesen Beitrag jetzt frei schalten kann.

In diesem Sinne. Freue mich schon, wenn es wieder Berg auf geht.

Edit: Man sollte sich niemals mit Menschen anlegen, die man nicht kennt. Nur so am Rande.

Mittwoch, 21. März 2018

Mittwoch

"Es gibt zwei Wörter, die dir im Leben viele Türen öffnen werden: ziehen und drücken."


Allein im Büro, die Sonne scheint und der Kaffee ist fertig. 

Dienstag, 20. März 2018

Dienstag


Püppi hat Mottowoche und hat sich von mir achtziger Jahre Klamotten aus dem Schrank gekramt. Sehr schön. Das Bild von ihr erinnert mich an mich, damals, als ich noch jung war.

Datenvolumen habe ich gerade wie Schwarzgeld gewaschen. Läuft.

Das Streiken der öffentlichen Verkehrsmittel brachten mir heute gefühlte fünf Stunden ein, bis ich endlich nach eineinhalb Stunden zu Hause war.

Und sonst so:

Monsieur Francaise hat heute Geburtstag. Ich rufe ihn an und wir telen etwas.

Die Schmerzen sind weg. Gut. Sie sind quasi mit dem Schnee geschmolzen.

Spruch des Tages: Einfach mal machen, es könnte sein, dass es gut wird.


https://www.youtube.com/watch?v=NCZuYS-9qaw

Montag, 19. März 2018

Montag


Mein Trinkgeld landete heute mit voller Wucht auf den Fliesen. Zwei leere Teller und ein volles Tablett mit Gläsern und Flaschen. Als ich heute Morgen erwachte, wusste ich bereits, dass der Tag nicht gut wird. Ich träumte von Formeln und Inhalationsgrenzwerten. Und aus den Zahlen formten sich Buchstaben, und ich las die ganze Nacht im Traum. Am Samstag hatte ich die Autos getauscht und fuhr mit meinem Schaltwagen nach Hause. Kein Gefühl fürs Bremsen. Unglaublich. Die rechte Körperseite hat sich verschlechtert, sowohl im Handgelenk als auch im Fußgelenk. Links hat jetzt auch nachgelassen.

Der Gatte saß am Tresen und schaute sich das in aller Ruhe an. „Und, sagte er, was wirst du tun, wenn es schlimmer wird?“
„Weiterleben.“
„Ok, wie du meinst.“

Ich vergaß eine Bestellung zum Mitnehmen. Als ich den Kunden sah, fiel es mir sofort ein.
„Er ist die Kräuterbutter mit Brot und Pizza 29. Entschuldigung, ich habe sie vergessen, möchten sie einen Espresso aufs Haus?“
„Nein danke, alles ok.“

Auf dem Weg nach Hause lenken mich die vielen Autos ab. Ich merke mir fünf Nummernschilder und speicher die ab.Ich kann es kaum erwarten, in meinen vier Wänden zu sein. Der Gatte ruft mich an:“ Und, bist du gut zu Hause angekommen?“
„Ja, danke, bis Donnerstag.“

Ich rette mich gerade mit einer Wärmflasche. Es wird kalt heute Nacht. -7 Grad. Und nein, ich werde kein CT  und kein Knochenszintigramm mehr machen lassen. Ich lasse die Zeit für mich arbeiten.



https://www.youtube.com/watch?v=kkFKubA6BtA


Sonntag, 18. März 2018

Sonntag


„Zucker, ich bin stolz auf dich“, meinte mein Gehirnwartungsexperte heute morgen zu mir. Ich schaute mit einem großen Fragezeichen durch das Dachfenster in die Sonnenstrahlen. „Warum?“
„Du hast gestern das erste Mal in deinem Leben NICHT direkt am Notausgang gestanden. Ich dachte erst, als du dir jeden Notausgang angesehen hast, ob die auch wirklich die Schlösser geöffnet hatten, du würdest wieder am Ende irgendwo am Ausgang stehen und auf das Ende des Konzertes warten.“

Es war echt ein schöner Abend. Und eine richtig coole Lokation. Um 13.00 ruft mich mein Gatte an. „Schon wach?“
„Ja, aber liege noch im Bett.“
„Und wie war es?“
Ich wunder mich darüber, dass er danach fragt. Auch das ist das erste Mal.
„Es war richtig gut.“
„Na dann bis morgen, kommst du zu Hause vorbei?“
„Ja klar.“

Heute ist Anna Tag. Wir werden einen Film zusammen schauen.

Und dann ein Blitzgedanke. Das Leben macht plötzlich wieder Spaß.

Satz des Tages: „ Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.“
( Heinrich Heine)

Freitag, 16. März 2018

Freitag


Noch einmal schlafen. Morgen ist es endlich soweit. Und das Beste ist, wir werden hingefahren vom Physiker und abgeholt vom Lieblingsschwiegersohn.

BB wir kommen und werden mit euch feiern.

Und das beste bei den Typen ist, je mehr der Schlagzeuger getrunken hat, desto länger geht das Konzert. Gefällt mir. 



Donnerstag, 15. März 2018

Donnerstag


Gestern Abend bekomme ich eine Nachricht:
Hey Zucker, was treibst du?
Habe gerade gegessen, geduscht und jetzt Couch. Und du?
War gerade beim Sport. Jetzt noch duschen, es ist echt kalt geworden.

Gefühlte dreißig ist der einzige Mann, der in meinem 1,40 Bett übernachten durfte. Damals, als ich schon mal allein wohnte. Wir könnten auch als siamesische Zwillinge durchgehen. Wir reden kaum, verstehen uns ohne Worte.

Und? Frage ich.
Sollen wir zusammen einschlafen, oder ist es dir zu spät?
Ok. Können wir. Einfach nur zusammen einschlafen.
Ich bin in 20 Minuten bei dir.
Gut.


Ich öffne ihm die Türe, und wenn ich ihn nicht kennen würde, hätte ich etwas Angst. Er trägt legere Klamotten, und hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Er geht leise die Treppe rauf, gibt mir flüchtig einen Kuss auf die Wange, schnappt sich meine Wolldecke und setzt sich auf die Couch.

Ich lege meinen Kopf auf seinen Körper, er streichelt über meine Stirn und wir genießen einfach nur die Ruhe. Das ist es, was ihn so ausmacht. Er labert nicht die ganze Zeit irgend so ein dummes Zeug. Ich genieße ihn die ganze Nacht. Einfach nur weil er neben mir liegt und atmet. Ich mag seinen Körper, seine Tattoos und seinen Schwanz, aber ich genieße es, wenn wir wirklich nur nackt nebeneinander liegen und schlafen.

Wir führen nun schon diese Art von Beziehung seit elf Jahren. Sehr wertvoll.
Heute Morgen um sechs öffne ich ihm die Haustür, und er verschwindet in sein Leben.

Und ich lege mich wieder hin, schlafe noch mal ein und gehe arbeiten.

Tiefenentspannt.



Herr Dr. Schwein und Clarco! Nicht auf das Dreieck tippen;-)

Mittwoch, 14. März 2018

Mittwoch


Ich überlege ob ich eine Gebrauchsanweisung fürs Leben schreibe. Vermutlich würde ich scheitern, denn der „NormaltickendeMensch“ würde diese sicher als Klopapier benutzen. Ließe ich sie allerdings auf weichen Papierrollen drucken, hätte ich vielleicht eine Chance.

Ich schaffe es, seit zwei Tagen, die Wohnung morgens zu verlassen, OHNE meinen Bettbezug ordentlich zu falten. Und das fühlt sich gar nicht so schlecht an, auch wenn es ungewohnt ist. Alle Gegenstände jedoch haben immer noch denselben Platz, wie am Einzugstag. Ich bin immer noch sehr leise. Es ist so eine Art Schleichen. Mein Gehirnwartungsexperte erinnerte mich heute Morgen daran, dass ich niemanden wecken kann, ich könne ruhig mal etwas normaler durch die Wohnung laufen. Danach legte er sich wieder hin, und ich fuhr zur Arbeit.
Ich fahre nun seit knapp drei Wochen jeden Tag eine andere Strecke. Einfach nur deshalb, weil ich Interesse daran habe, wie die Umgebung ist, und welche Strecke jetzt die Einfachste ist. Aber einfach gibt es irgendwie nicht.

Heute Vormittag dann einen Kaffeebesuch bei meinem besten Freund gemacht.
„Und, wirst du wieder heiraten?“
„Kann schon sein.“
„Der Gedanke gruselt mich, echt.“
„Zucker, dass dich das gruselt wundert mich jetzt überhaupt nicht. Und kommst du zu Recht in deiner neuen Wohnung?“
„Ja.“
„Lass mich raten, alles steht sortiert und ordentlich an seinem Platz.“ Er fängt an zu lachen, nimmt mich ganz leicht in den Arm und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Ich genieße seine sanften Berührungen unter meinem Shirt und schließe die Augen. Bei ihm komme ich immer sehr besonders schön. Und ich mag den Gedanken nicht, dass er wieder heiratet, wahrscheinlich, weil ich sie nicht sonderlich mag.

Keine Vorwarnung, das muss man gut finden.



Montag, 12. März 2018

Montag


Mit Olga Kontakt aufgenommen und zwei Speere geworfen. Das soll fürs erste reichen. Ich hoffe sie halten mich morgen nicht an. So what.

Und wussten sie, dass man in Kalifornien gegen das Gesetz verstößt, wenn man auf den dortigen Friedhöfen Gemüse anpflanzt.



https://www.youtube.com/watch?v=5zQo5Gy77ZU


Montag


Mein Leben bekommt eine völlig andere Perspektive, seit ich nicht mehr auf dem Land lebe. Ich wusste gar nicht, dass Straßenbahnen auch einen Lichthupe haben. Heute signalisierte mir der Schaffner, dass ich fahren kann, ohne einen Crash herbei zu führen.

Ich habe beschlossen, die Wäsche vorläufig bei den Kindern zu waschen. Überhaupt, wir sehen uns viel häufiger und intensiver, seit ich nicht mehr dort wohne.

Gestern bekam ich von meinem Sohn eine WhatsApp: Mama, wir wissen, dass du Probleme hast unter die Leute zu gehen, und ich wollte dir sagen, dass wir es schön fanden, dass du heute dabei warst und es war ein schöner Geburtstagsabend.

Heute ein entspanntes Arbeiten, die Gäste haben mir unheimlich viel erzählt und anvertraut. Und das Highlight war, es war das erste Mal seit zwanzig Jahren, dass der Gatte mich in den Arm nahm und berührte.

Vielleicht habe ich den heutigen Tag so bewusst wahrgenommen, weil ich gestern Abend eine sehr unschöne Information erhielt. Olga, meine liebe Knochenbrecherin ist heute wegen eines Brusttumors operiert worden. Ich wünschte, ich könnte ihr meine Waffen gegen den Krebs geben, aber ich bin ja selbst nicht sicher, ob ich in diesem Scheiß Spiel am Ende als Sieger rausgehen werde.

Sonntag, 11. März 2018

Sonntag


Es ist immer wieder das gleiche. Ich bekomme kurzweilige Gedankenimpulse, schmettere sie mit Hilfe meines Gehirnwartungsexperten wieder ab, bis ich schließlich eines besseren belehrt werde. Solange ich meine Gedanken nicht in den Griff bekomme, wird sich nichts ändern.

Die ersten Nächte im neuen Domizil brachten mich immer wieder auf den Gedanken, hoffentlich zerkratzen die hier nicht den Firmenwagen. Es laufen ja bekanntlich genug Chaoten herum, und so parkte ich den Wagen immer schön nah am Haus. Bis vorgestern. Ich bekam keinen Parkplatz mehr und stellte ihn dreißig Meter in einer Parkbucht ab. Und dachte gar nicht mehr an die Gedankenimpulse von vor zwei Wochen.

Gestern Morgen sah ich dann meine Gedanken auf dem Kofferraumlack tanzen. Tatsächlich haben sie mir den Lack zerkratzt, Spackos. Ich fuhr zum Spieleabend und ließ den Wagen in meinem alten zu Hause stehen.

In das Haus neben mir sind nun Chinesen eingezogen. Angeblich eine Sekte, die regelmäßig buddhistische Gebete von sich Preis geben. Und mein nächster Gedankengang, obwohl ich schon längst mit dem Knüppel draufgehauen habe ist: Zucker, wenn du dich nicht endlich ummeldest, dann kriegst du einen dran, während die illegale Sekte neben dir gar nicht beachtet wird.

Herzlichen Glückwunsch. Die Familie ist um eine werdende Polizistin gewachsen. Da sollte man meinen, ich bin ziemlich safe.

Satz des Tages: Auch der schönste Schneemann ist im Frühling nur noch eine Pfütze.

Samstag, 10. März 2018

Samstag

Ausgeliehenes Stöckchen:



  • Hilft Sex deiner Meinung nach gegen Kopfschmerzen?
Keine Ahnung.

  • Welcher deiner Freunde hat dich am meisten geprägt?
Mein Ehemann.

  • Wie war deine Fahrprüfung?
Ziemlich schlecht. Der Fahrprüfer meinte, er habe alle Hühneraugen zugedrückt.

  • Was tust du leidenschaftlich gerne?
Schlafen, essen und schreiben.

  • Hast du einen Lieblingsplatz an den du mich bringen würdest?
Es kommt drauf an, wer du bist. Ansonsten ist es der Friedhof auf dem meine Omi liegt.

  • Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?
Nein.
  • Wie ist das Verhältnis zu deinen Eltern?
Gut.

  • Kannst du dir vorstellen eines Tages Kinder zu kriegen?
Ich wollte immer Kinder und habe drei.

  • Hast du schon mal einen Heiratsantrag bekommen?
Nein.

  • Welche Erfahrung hat dein Leben am stärksten verändert?
Familiengründung.

  • Hast du Haustiere oder hattest mal welche? Welches Haustier hättest du am liebsten?
Ich hatte drei Katzen, und jetzt habe ich einen Hund. Ok. Er lebt nicht mehr bei mir. Ich bin eher ein Katzentyp.

  • Welche Eissorte ist deine liebste?
Wassereis. Flutschfingersorten.

  • Was ist dein Sternzeichen?
Widder

  • Was ist für dich wichtiger? Eine tolle Beziehung oder viel Geld?
Beides ist mir eher unwichtig.

  • Bist du schon mal nachts in ein Schwimmbad eingebrochen?
Natürlich. Mit siebzehn ins Freibad, nachts und viel Spaß gehabt.

Ich glaube weder an das eine, noch an das andere. Lieber wäre mir ein sechser im Lotto.

  • Wer ist dein Lieblingsautor?
Paolo Coelho.

  • Würdest du das Gesetz brechen um ein Familienmitglied zu
retten?
Klar.

  • Welche guten Angewohnheiten hast du?
Ehrlichkeit.

  • Was törnt dich am meisten an?
    Eine geile Telefonstimme, Tattoos und heiße Kirschen mit Schlagsahne.

Freitag, 9. März 2018

Freitag


Die Woche ist verdammt schnell vergangen. Trotz viel Arbeit und Terminen, fühle ich mich jedoch nicht mehr so erschöpft wie sonst, sowohl als auch.

Was war sonst so:

Der Hauptjob fängt schon wieder an zu wackeln. Könnte Ende des Jahres nicht gut für mich ausgehen.
Ich habe es geschafft, alle selbstgemalten Bilder endlich an die Wände zu hängen. Und sogar fast gerade, weil ich es hasse, mit einer Wasserwaage zu hantieren.
Vor ein paar Tagen noch mit einem Arzt über die Grippewelle gesprochen, seit heute ziemlich angeschlagen. Ich habe noch ein bisschen selbstgebackene Medizin. Und schließlich ist ja Wochenende. Wenn die gegen Schmerzen helfen, dann sicher auch gegen Viren.
Gestern das erste Mal Tulpen gekauft und in die einzige Vase gestellt, die ich besitze.
Immer noch nicht umgemeldet. Noch habe ich mich zeitlich nicht strafbar gemacht, auch wenn ich irgendwie dazu neige.
Das Internetproblem seit heute richtig gelöst. Wer arbeitet, darf sich auch die SIM Karte ausborgen mit noch besseren Vertragsbedingungen.

Wussten sie, dass es einen § in Oklahoma gibt, der  besagt, dass oraler Sex nicht nur verboten ist, sondern wird bei Zuwiderhandlung mit 2500 US-Dollar und mindestens einem Jahr Gefängnis bestraft.

I think, I have to go to bed, soon.  

Dienstag, 6. März 2018

Dienstag

Keine Chance.


Nach der Sitzung rauchen wir noch gemeinsam eine Zigarette.
„Ich habe noch einen Termin, magst du dann später noch vorbeikommen?“
„Ok.“ Antworte ich, und fahre zurück ins Büro.
Ich schreibe die Analyse fertig und konzentriere mich völlig auf die Arbeit.

Mit Kaffee und gutem Gespräch sitzen wir in seinem Wohnzimmer. Ich bin innerlich sehr froh darüber, dass unsere intensive Freundschaft nach allem, was wir durchgemacht haben, immer noch da ist. Auch wenn ich zeitweise ein anderes Gefühl hatte.

„Und, Zucker, was macht der Franzose?“
Ich weiß nicht so Recht, wie und was ich antworten soll. Ich fange dreimal einen Satz an, bis er schließlich anfängt zu lachen.
„Ja, der macht irgendwie“, antworte ich schließlich und lehne mich ins Sofa.
„Zucker, du musst offen mit ihm sprechen. Der gibt alles auf, um mit dir zu sein, er wird deine Einstellung nicht verstehen. Ich habe zehn Jahre gebraucht, um dich so zu nehmen, wie du bist.“
„Er möchte Ehrlichkeit, ich bin ehrlich. Also wo ist das Problem.“
„Ja, du bist so gnadenlos ehrlich, dass man es dir nicht glaubt. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt. Du bist quasi so emotionslos wie ein Haufen Steine. Weiß er von deiner SPS?“
„Glaube schon. Ich habe es mal erwähnt.“

„Warum glaubst du, kommt er nach Deutschland?“
„Er liebt das Land, das hat er mir gesagt.“
„Ja, ne ist klar. Süße der kommt wegen dir.“
„Ja auch, aber ich verlasse doch nicht meine Familie, um mit einem anderen ein Leben aufzubauen. Ich möchte doch einfach nur meine Ruhe.“
„Du musst mit ihm reden. Versuche ihm das zu erklären, damit er entsprechend handeln kann.“
„Ok, mache ich.“

„Brauchst du eine Umarmung?“
„Nein.“

Die Zeit vergeht wie im Fluge, um 19.00 Uhr fahre ich nach Hause und freue mich in zwanzig Minuten auf das Alleinsein.

Montag, 5. März 2018

Montag


Wenn man Sonntags erwacht und feststellen muss, dass man die überteuerte lebensnotwendige Gleitsichtbrille nicht finden kann, wenn man dann arbeiten muss, zwischendurch mit dem Gastgeber telefoniert, der jedoch mitteilt, dass besagtes Hilfsmittel leider nicht auffindbar ist, wenn man sich also mit der alten Lesebrille durch den Montagsarbeitstag schlägt, später dann noch mal beim Gastgeber, der extrem schönen Party, vorbeischaut, und schließlich das gute Stück im Vorgarten wieder findet, dann wird es peinlich.

Seltsam, immer wenn es mir gerade gut geht, geht es Anna nicht gut. Ich sollte sie anrufen.
Die Familie ist so tiefenentspannt, wie ich, seit ich ausgezogen bin. Fast schon unheimlich.

Die neue Wohnung hat endlich mein Parfum angenommen. Sehr gut.

Gemütszustand: Gelassen
Farbe: Orange
Zahl: 4
Straßenverkehrsschild: Vorfahrt
Geometrie: Kreis
Spruch:
„Schaukelstühle sind hervorragend dazu geeignet, zwischen den Verhandlungspartnern zu vermitteln. Durch ihre rhythmische Stuhlbewegung wird ein Nicken geradezu herausgefordert“ ( Everett Whyte)

Freitag, 2. März 2018

Freitag


Es war so sonnenklar. Gerade jetzt, an dem mein Kontostand mir keinen Lachsmiley mehr schickt, schickt mir das Auto unübersehbar die Kontrollleuchte für den Motorblock.
Ich rufe den Mechaniker meines Vertrauens an und fahre am Montag, so Gott will, den Wagen in die Werkstatt.

Ich freue mich das erste Mal auf die Arbeit, nächste Woche, und genieße die Ruhe.
Und ich habe seit zwei Wochen nicht mehr diesen bescheuerten Sentimentalkloß im Hals und zum heulen ist mir nicht zu Mute.

Und so genieße ich die Wellen, die mir seicht und manchmal voll auf Brandung zu schießen und schaue einfach mal.

Der Weg fühlt sich irgendwie gut an.

Mutter: Und, wie läuft es?
Prinzessin: Kochst du heute für uns?
Gefühlte dreißig: Was machst du am Wochenende?
Anna: Kommst du vorbei? Ich habe einen Durchhänger.

Ich:
Läuft.
Ok.
Bin eingeladen.
Auto fährt nicht.

Wussten sie, dass es einen § gibt, der besagt, dass es in Kentucky (Lexington) illegal ist, Eiscremehörnchen in der Hosentasche zu transportieren.
(Herr Mim, bitte keine Parallelen dazu, wenn doch, werde ich herzhaft lachen)

Donnerstag, 1. März 2018

Donnerstag


Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, hat irgendwie etwas Mystisches.
Heute Morgen um 6.00 Uhr, schleichend und flüsternd durch das Treppenhaus, die Türe aufgeschlossen und mich danach wieder schlafen gelegt.

Nun sind alle Räume eingeweiht.

Anna gab mir den Ratschlag, wenn sich die Angst wieder einschleicht, tief durch atmen und sich den wirklichen, nackten Grund vorstellen, warum man den Sprung vom zehn Meter Brett ins arschkalte Wasser gewagt hat.

Ich war froh, dass die Nacht gefühlte Dreißig jemand da war, einfach nur da war.

Durchhalten.

Es ist wie Phase 10 spielen. Entweder du hast die richtigen Karten auf der Hand, oder du musst die Runde nochmal spielen.