Mittwoch, 28. Februar 2018

Mittwoch


Ich habe das Gefühl, als wenn sich gerade in dieser Woche die Zeit entschleunigt. Die Tage sind zwar mit einigen Dingen gefüllt, die ich noch erledigen muss, aber sie rasen gerade nicht mehr so schnell. Und ich habe mehr Energie. Keine Schmerzen.

Und ganz wichtig, ein kleines leicht autistisches Heim, in dem ich mich zu recht finde.

Heute Mittag besuchte ich meine Töchter. Wir wollten gemeinsam kochen.
Was fällt mir auf:

Der Hausflur ist sauber und sämtliche Schuhe von Püppi weg.
Püppi hat das Wohnzimmer nun fertig renoviert und eingerichtet.
Auch Prinzessin hat es sich gemütlich gemacht.
Püppi hat für heute Abend ihre Lerngruppe eingeladen. Das erste mal.

Da ich ja grundsätzlich Veränderungen vornehme, die nicht nur meiner Zufriedenheit dienen, sondern auch meiner Familie gelten, auch wenn die das gar nicht bewusst merken, würde ich mal sagen. Projekt läuft gerade im grünen Bereich.

Und derweil genieße ich endlich seit 26 Jahren mein Eremitendasein.

Läuft.

Dienstag, 27. Februar 2018

Dienstag


Aktion Umzug ist nun abgeschlossen. Dank vieler Hilfe, bin ich so gut wie fertig, und sogar im Netz. Wer hätte das gedacht.

Ich bin sehr gespannt, wie mir die Ruhe, und hier ist es verdammt ruhig, gefallen wird.
Abwarten.

Gestern ein leichter Anfall von Existenzangst, aber da mir der Exnachbar mit dem französischen Akzent den Fernseher installiert hat, konnte ich mich etwas ablenken.

So langsam kommt das Bewusstsein mal so richtig aus der Gehirnhöhle gekrochen.

Und wussten sie, dass es einen § in Tennessee gibt, der besagt, dass es illegal ist, einen Fisch mit einem Lasso einzufangen.

Samstag, 24. Februar 2018

Samstag


Also wenn eins mal ganz sicher ist, dann, dass Püppi, die Jüngste von den dreien einen mindestens so chaotischen Weg gehen wird, wie ich.

Der Zustand der Wohnung ist gerade so katastrophal, dass es mir nun noch leichter fällt, wenn ich morgen die Türe hinter mir schließe.

Sie hat meinen Auszug dazu genutzt, das Wohnzimmer zu renovieren. Und weil sie arbeitet, im Abi steckt und ihre Tiere versorgen muss, wird sich das nicht in zwei Tagen erledigt haben.  Ich werde heute also auf einem Küchenstuhl etwas Fern sehen, mitten im Renovierungsmüll, früh schlafen gehen und danach dann meinetwegen die Sintflut.

Aber das schönste an der Sache ist, es tangiert mich nicht.

Und die Omi ist jetzt 90 Jahre alt und ab Morgen bin ich nur noch 5 Minuten von ihr entfernt.

Freitag, 23. Februar 2018

Freitag

Ein Umzug in meinem Alter macht verdammt müde.

Heute endlich mal wieder beim Transportieren der Möbel gegen das Gesetz verstoßen. Egal. Wir setzten Sonnenbrillen auf, verkleben ein Auto und fahren einfach. Zwischen 16.00 Uhr und 16.20 Uhr hätte ich freiwillig niemals gestanden, dass ich einen Schein für Ladungsicherung habe.

Nach dem Möbel schleppen, mit dem Nachbarn mit dem französischen Akzent gegessen, und spontan einen Filmeabend eingeläutet. Mit selbstverständlich inclusive Rückenkraulen. Total jugendfrei.

Morgen werden 90 Jahre Leben gefeiert. Und ab Sonntag besitze ich endlich eine Badewanne.




Donnerstag, 22. Februar 2018

Donnerstag


Ich müsste schon längst gepackt haben. Doch wie immer kommt mir wieder meine Psyche dazwischen.
„Zucker! Reiß dich einmal zusammen. Niemand erwartet Multitasking, aber so gar nix, geht nicht.“
„Ich weiß. Könntest du etwas an meinem Gehirn schrauben?“
„Welche Kategorie?“
„Beziehungsängste jeglicher Art.“
„Kann ich, aber tue ich nicht. Du musst es ihm sagen, dass du erst mal deine Ruhe und dein Eremitendasein in vollen Zügen leben möchtest.“
„Aber.“
„Kein Aber, Zucker, du MUSST.“
„Woran schraubst du denn überhaupt?“
„Ich helfe deinen Blutwerten auf die Sprünge, sie scheinen gerade auf einem guten Weg zu sein.“
„Das merke ich.“

„Gehirnwartungsexperte.“
„Ja, meine Liebe.“
„Wir haben nächste Woche Urlaub!“
„Ich weiß das, und wir werden die Wohnung schön herrichten, wenn du ausnahmsweise Mal auf mich hörst.“
„Ok.“

Fazit:

Ich bin ein Psycho.




Herr Dr. Schwein: Attenzione per favore

Mittwoch, 21. Februar 2018

Mittwoch

Manche Leute werden hauptsächlich deshalb für gebildet gehalten, weil ihnen das wenige, was sie wissen, im richtigen Augenblick einfällt.

Da habe ich ja nochmal Glück gehabt.

Dienstag, 20. Februar 2018

Dienstag


Auf dem Weg nach Transsilvanien checke ich noch mein Kleingeld für den Parkplatz. Das sollte reichen. Als ich den Sterbesaal betrete, werde ich betreten. Alles voll. Es gibt keinen Fernsehsitz mehr, ich setze mich auf einen Stuhl und denke, abwarten. Krebspatienten stehen auf und laufen schwankend zur Toilette. Dann hört man sie laut kotzen. Ich fühle mich unwohl.

Ich war noch nie montags da. Bemerke, dass die Besatzung sich verändert hat. Stress liegt in der Luft. Neben mir ein Australier, mit gleicher Diagnose. Wir kommen ins Gespräch. Richtig schönes Gespräch. Die sächsisch sprechende Ärztin legt ihm die Nadel, danach kommt sie zu mir, nachdem sie fragt:“ Gehören sie zusammen?“ „Ne.“

Ich reiche ihr den linken Arm mit den Worten, das muss als erstes klappen, rechts habt ihr mir die Venen schon versaut, ansonsten fahre ich zur Arbeit. Mein Nachbar fängt an zu lachen. „Setzen sie mich bloß nicht unter Druck.“

„Sie machen das schon.“ Und zack, hat sie eine Pipeline gelegt und wir batteln, bei wem die Infusion als erstes durchgelaufen ist. Ich gewinne, und ich gewinne noch mal, weil die Blutwerte gut sind. Break.

Echt netter Kerl, schöne Art, diese fucking Zeit zu überbrücken.

Heute Außendienst. 160 km gefahren, Ausbildung, zurück, gut.

Und sonst so?

Lachen.
Zwei Orgasmen
Medizin in der Apotheke besorgt.
Mit der weißen Lady frische Luft eingeatmet.

Bemerkt, dass die Sonne erst um 18:00 Uhr untergeht.

Sonntag, 18. Februar 2018

Sonntag


„Also so geht das nicht, Frau Würfelzucker, sie befinden sich in einer Therapie und diese sollte nicht unterbrochen oder verschoben werden. Sie müssen spätestens Montag kommen.“

„Ok. Dann bis Montag.“

Ich habe am Wochenende einiges geschafft. Die Küche ist so gut wie fertig.
Sonntag geht es los, mit anschließend lecker Kartoffelsalat und Würstchen, Brötchen und Kuchen.

Und sonst so;

Ich hatte, seit der Umzug Fakt ist, keinen Rückfall.
Gestern mit meinen Brüdern und Anhang gepokert. Die ganze Nacht haben wir gelacht, gespielt und schließlich habe ich gewonnen, obwohl ich eine verdammt schlechte Pokerspielerin bin. Aber wenn ich eins kann, dann blöffen.

Die Woche wird arbeitstechnisch hart, aber nächste Woche habe ich dann verdienten Urlaub und Ruhe. Aufgefallen ist mir die Klingel. Ein sanftes Dingdong aus den Siebzigern. Was will ich mehr, das ist die Miete wert.

Läuft.

Freitag, 16. Februar 2018

Freitag


Schon ein paar Dinge rüber geschafft, und heute mit dem Nachbarn mit dem französischen Akzent ein wenig durch Möbelhäuser geschlendert und Matratzen für ihn ausprobiert. Er stand heute um 14.00 Uhr vor meiner Tür, und meinte, es ginge ihm nicht gut. Der Magen. Das wäre wohl psychischer Natur, ob ich ihn denn etwas ablenken könnte. Und so fuhren wir in die Nachbarorte, schauten uns Möbel an, tranken zusammen Kaffee, kochten etwas zu essen und fuhren in mein neues Zuhause.

„Zucker, du wirst dich dran gewöhnen. Ganz sicher.“
„Ich weiß, es ist ja nicht die Wohnung, es ist die Umgebung.“
„Süße, du machst jetzt einen Schritt nach unten, aber das muss ja nicht für immer sein.“
„Ok.“
„Die Wohnung ist wirklich schön. Und hey im Sommer sieht es schon wieder ganz anders aus. Denk doch nur an deinen Kirschbaum. Jetzt ist der kahl, aber wenn der dann blüht, dann ist es schön. So wird das auch dort sein. Und wenn du es gar nicht aushälst, dann kommst du einfach nach Hause und pennst bei Püppi.“

„Was macht die Magengegend?“
„Es geht mir wieder besser, danke, dass du da warst.“
„Dazu sind gute Freunde da.“
„Ja.“

Nachdem ich wohl mindestens an die tausend Bücher von A nach B gebracht habe, stelle ich mir die Frage, warum ich eigentlich nicht schlauer bin, als ich bin, denn ich habe die alle gelesen. Und doch fühle ich mich so möp.

Ich werde heute Nacht bestimmt Alpträume davon kriegen. Ich habe mehr Bücher als Klamotten, obwohl ich eine Frau bin.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Donnerstag


Edit: Generationskonflikt.

Mutter hatte ja irgendwie die ganze Zeit gewettert. „Ändere was, zieh aus.“

Und jetzt. Seit sie von der neuen Wohnung weiß, hält sie sich bedeckt. Mir ist das ja eigentlich egal, aber mir fällt auf, dass sie allen ihre Hilfe anbietet, irgendwelche Gardinen näht oder sonstiges. Bei mir nicht. Muss sie auch nicht, ich werde eine Dachwohnung beziehen, und habe somit schräge Fenster.

Einzige Frage heute:“ Und Kind, wann ziehst du wieder zurück?“
Für das „Kind“ und überhaupt schwappt dunkel rote Farbe durch mein Gehirn und ich antworte nicht. Schweige. Und denke, verdammt, warum.

Wir sind ja so verschieden. So wie auch meine Töchter so verschieden sind. Ich hasse ihren Ordnungsfimmel. 

Ich kann mich noch gut erinnern. Ich war sechs Jahre alt, und durfte nicht in die Wohnung zum Klo, weil sie das Klo gerade gesäubert hatte. Ich pinkelte in einen Busch und verstand die Welt nicht mehr.

Ich spielte in einem Sandkasten und schnitt meinen Finger an einem Glas. Ich hielt die Blutung zu, als ich durch das Treppenhaus lief, damit ich keinen Ärger bekomme, dass ich etwas verschmutzt hätte.

Es gibt so viel, was ich nicht vergessen habe. Aber das ist vergangen. Und so kämpfe ich weiter.

Und ich weiß, die Drachentöterin, da ganz oben, nickt mir zu...und weil wir so gleich ticken. Funktioniert das.



Donnerstag


Nach diesem ganzen Kundenmarathon, gönne ich mir jetzt ein langes Wochenende. Gestern zu später Stunde meldete sich der Chef bei mir, um mir mitzuteilen, dass alles gut gelaufen ist. Wieder einmal hat sich die Arbeit gelohnt.

Heute werde ich mein neues Zuhause besuchen und mit einem Zollstock ein wenig vermessen. Größte Herausforderung stellt der Internetanschluss dar. Mal schauen, wie ich das hinbekomme.

Das Wetter drückt mir aufs Gemüt. Gestern so schön sonnig, und heute graue Suppe.

Den Vampirarzt für morgen werde ich absagen, ich brauche meinen Schlaf an freien Tagen und nicht irgendwelche komischen Blutwerte.

Also läuft mit der Selbstbestimmung.

Sonntag, 11. Februar 2018

Sonntag


Ich gebe mir nun also ein Jahr. Am Ende werde ich Bilanz ziehen, ob sich die Art, wie ich versuche, gegen meine Ängste anzukommen, wirklich bewärt hat, oder eben nicht. Und in diesem Teil des Lebens wird es nur ein ganz oder ein gar nicht geben.

Und dann gibt es diese Tage, an denen ich mich vor Angst kaum retten kann. Und dann ist wieder alles völlig im grünen Bereich, und es geht mir gut.

Morgen früh werde ich meinen Fauxpas beim Kunden überschminken und mit den Gedanken, dass ich in zwei Wochen, zwecks Auszugs, eine Woche Urlaub habe, schleudert mich das gerade nicht aus der Bahn.

Wenn Angst unsichtbar machen würde, hätte ich keine Probleme mehr.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Donnerstag


Ich mochte immer die Filme, in denen die Hauptrollen anfangs so gar nicht mit ihrem Leben klarkommen, obwohl die doch sehr wohl interessante Charakteren haben. Und wie soll es auch anders im Drehbuch stehen, finden sie dann ihre große Liebe an den unmöglichsten Orten. In meinem Drehbuch steht etwas anderes. Als ich es mir heute durchlas, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich mit fast fünfzig wesentlich bescheidener neu anfange, als ich das damals mit zwanzig getan habe. Ich werde also das erste mal einen Waschsalon in einem großen Vorort einer Großstadt, mit meinen Klamotten ansteuern müssen, und mit fremden Menschen um mich herum meine Wäsche waschen und trocknen. 

„Zucker!“
„Ja, was ist los, wie war dein Urlaub in der Karibik?“
„Der Waschsalon steht ganz oben auf der Liste (Dinge, die mir Angst machen). Karibik war geil.“
„Ich dachte es wäre die S-Bahn.“
„Die hast du längst überwunden.“
„Und wenn ich mir doch eine Waschmaschine kaufe?“
„Nicht bevor du im Waschsalon warst.“
„Was steht an zweiter Stelle?“
„Obacht, an zweiter Stelle steht: Alleine schlafen im Dunkeln. Das wirst du eh nicht schaffen, ich habe mir längst eine Augenbinde für die Nacht angeschafft.“
„Also weißt du, Gehirnwartungsexperte, du hast echt eine große Klappe bekommen, in der Karibik.“
„Hm, und wenn schon. Ich muss dich schließlich ertragen, wenn wir erst einmal alleine wohnen.“

Hätte die Wohnung keine Einbauküche, würde ich nur mit einem Bett, einem Lieblingsschrank und meinen Büchern einziehen und vielleicht verhungern.

Da die Wohnung eine Einbauküche hat, ändert sich kaum etwas. Außer, das ich kochen kann.

Dienstag, 6. Februar 2018

Dienstag

Ab März bin ich nun nicht mehr Vermieterin, sondern Mieterin. Und endlich allein in vier Wänden mit Schrägen und echtem Parkett. Ich zögerte keine Sekunde, als wir gemeinsam den Mietvertrag schrieben. Keine Kaution, weil sie mich symphatisch findet. Gut.

Die Strecke, die ich abfahre, lässt mein Herz höher schlagen, je näher ich komme. Ich hätte niemals gedacht, dass ich noch mal in meinen Geburtsort zurückziehen werde.

An einer großen Kreuzung bekomme ich Schnappatmung, weil dort auch die S-Bahn fährt. Ich Landei. Egal. Ich beobachte diese vielen Menschen, die hier über die Ampel strömen. Für einen Moment bin ich völlig überfordert.
Ich überlege, demnächst doch eine andere Strecke zu fahren, oder diese immer wieder, damit ich mich daran gewöhne.


Wir werden sehen.

Ach wussten sie, dass es einen § in Kalifornien gibt, der besagt, dass es in Cupertino illegal ist, gut hörbar rückwärts im Hexadezimalsystem zu zählen.

Ich liebe das Hexadezimalsystem. 



Montag, 5. Februar 2018

Sonntag, 4. Februar 2018

Sonntag

Kommunikation aus den Wolken gegriffen:

Anna (während wir gestern vor dem Saunagang in ihrer Küche sitzen und ich ihre Lasagne verspeise): „Also  ich habe meiner Psychologin gesagt, am besten wäre es, wenn wir Frauen ab Mitte Vierzig alle lesbisch werden, weil wir Frauen doch die besseren Männer sind.“

Mir fällt die Gabel aus der Hand, und, um nicht zu antworten, nestel ich hektisch unterm Küchentisch hin und her und hoffe, dass sie mir in der Sauna nicht näher kommt.

Ich habe nur einmal an diesem Abend das Gefühl, dass sie mich zu lange anstarrt.

Heute mit dem Nachbarn mit dem französischem Akzent gekocht, gegessen und dann einen Film gesehen.
Nachbar so:“ Also wenn du mal mehr Zeit hast, Zucker, dann kann ich dir gerne mal meine Musiksammlung zeigen.“
Ich so:“ Sag mal, hast du auch eine Briefmarkensammlung?“ Während ich mich lachend auf seinem roten achtziger Jahre Sofa wegschieße, schaut er mich ganz verdutzt an und meint:“ Ehm, also jetzt bringst du mich ganz durcheinander, wie soll ich diese Frage analysieren?“

Ich muss noch mehr lachen. Ich schiebe das auf die Spätfolgen meines nächtlichen Trips.

Die Tochter zeigt mir drei verschiedene Sexstellungen ( ich wusste gar nicht, dass so etwas auch in der Grundschule schon besprochen wird) und schaut mich fragend an.

„Kind, was soll ich jetzt dazu sagen? Ich kenne diese Stellungen nicht und habe nicht vor sie auszuprobieren. Das würde mir mindestens einen Bandscheibenvorfall bescheren.

Während der Freund ganz verschämt in seine Lernunterlagen schaut, frage ich nebenbei, ob sie denn diese Stellungen schon getestet hätten. Immerhin sind die beiden zusammengerechnet unter fünfzig Jahre.


Ich kassiere ein unverständliches „Boah ne ey. MAMA!“

Und sonst so? 

Sonntag

4.00 Uhr. Mitten in der Nacht. Ich erwache aus einem völlig bescheuerten Traum und Hunger treibt mich in die Küche. Die kleine Sparlampe braucht etwas, bis ich genug Licht habe, aber doch so wenig, dass ich nicht richtig wach werde. Ich schneide mir Ringsalami und Käse, öffne ein Glas Oliven und setze mich in die Stille und esse. Ich stelle mir vor, ich frühstücke.


Guten Morgen Sonntag.  

Sonntag

Manchmal braucht es nicht viel zum Leben. Gedanken werden nicht gedacht. Ein Saunaabend mit Anna, zwei Durchgänge. Um zehn fahre ich nach Hause und bin entspannt. Weil wir uns gegenseitig abholen. Das Leben hat einen Plan, wir müssen nur mitschwimmen.

Die selbstgebackenen Plätzchen nehmen Schmerzen, die gerade nicht vorhanden sind. Ein Farbspiel ohnegleichen. Man denkt an tanzende Menschen, oder einfach nur bunte Farben.

Der Franzose ist der beste Franzose den es gibt. Und dann wartet da eine Wohnung, ein neuer Tag, eine Herausforderung, glatte Haut von der Sauna, und ein tiefer voller Traum erfüllter Schlaf. Und morgen dann ein starker Kaffee, und die Gewissheit, dass der Kampf gegen diese bescheuerte Krankheit bestand hat. Punkt.

Ich werde sie besiegen. So oder so.

Befriedigt und ein bissel von den Keksen in eine schöne Dimension katapultiert, besuche ich jetzt die Schatten der Nacht. So what.

Es stellt sich nicht die Frage, was wir am nächsten Tag erleben, sondern wie wir es erleben.


Limonade, die nicht mehr abschreckt, weil sie so lecker schmeckt.


Donnerstag, 1. Februar 2018

Donnerstag

Projekt eigene Wohnung rückt näher. Nächste Woche treffe ich mich mit der Vermieterin. Gestern Abend mit dem Nachbarn mit dem französischen Akzent gekocht und danach einen Film gesehen. Und immer wieder dieselben Fragen, ob ich denn nun wirklich und tatsächlich ganz sicher bin, den Wohnort zu wechseln. Ja, das bin ich.

Monsieur Francaise hat die erste Absage kassiert. Das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht in Deutschland. (Obwohl das ja viele meinen, aus dem Ausland)

Und so begebe ich mich (auf Bitte meines Gatten) mit einem „FüchtlingdernunschonseitfünfJahrenhierFlüchtlingistaberkeinDeutschspricht“ zum Sozialamt. Dieses befindet sich in meiner alten Schule, in der ich einmal vor langer Zeit gelernt, gesessen, zugehört und schließlich ein über durchschnittliches mittelmäßiges Fachabitur absolviert habe.

Gedanken, die mir während der Wartezeit kommen, behalte ich jetzt lieber für mich.

Projekt „Kundewirrettendich“ läuft morgen aus. Ich werde die letzten schriftlichen Anforderungen im Schlafanzug in meiner Küche fertigen, mit Kaffee und Muffins.

Und schwupps, steht das Wochenende vor der Tür. So muss das sein.

Gemütszustand: völlig unter 80 Ruhepuls
Farbe: Orange
Musik: Angus& Julia Stone


Und sonst so: Ich habe den Vampirarzttermin vergessen. Noch nie passiert. Ein gutes Zeichen.