Mittwoch, 29. November 2017

Mittwoch

Heute Morgen schlage ich alleine beim Kunden auf. Der Chef ist augenscheinlich noch nicht da, und die IT teilt mir mit, dass ich noch keine Zugangsdaten bekommen habe. Es scheint wichtiger, die „Zettelwirtschaft“ auf dem Schreibtisch zu erledigen. Gut denke ich, ihr habt anscheinend keine Ahnung, und ich habe ein dickes Fell. Wir treffen uns im Audit. Ich rufe den Chef an und der weilt noch zu Hause. Ja dann. Auf dem Weg zur Gruft krame ich Plan B raus. Reden scheint zwecklos. Also muss ich eine andere Strategie anwenden. Mache ich äußerst ungern, aber feiere mich jedes Mal, wenn es funktioniert. Manipulation in ein paar Sätze gepackt, ganz nebenbei zu Mittag.

„Wie war dein Wochenende?“
Azubine: „Schön, ich stinke immer noch nach Raccelette.“
„Ich riech nix.“
Azubine: „Sag mal hast du schon dein Gehalt überwiesen bekommen?“
„Keine Ahnung, ich habe nicht geschaut.“
Azubine: „ Am Samstag war noch nichts überwiesen.“

Strategie: „ Stell dir vor du gewinnst genug im Lotto. Und dann denkst du, soll ich jetzt weiter arbeiten gehen, obwohl ich nicht mehr müsste, einfach weil mir die Arbeit Spaß macht, oder freue ich mich so sehr auf die Kohle und schmeiße den Dreck einfach weg, weil diese Arbeit nicht mehr Spaß macht.“

Azubine:“ Wie meinst du das?“

„Naja, vor drei Jahren hätte ich trotz Lottogewinn weitergearbeitet. Jetzt sieht das ganz anders aus. Ich warte noch dieses Jahr ab, dann werde ich mich entscheiden. Diese Arbeitsverhältnisse sind nicht mehr zu entschuldigen.“

Azubine = Verwandtschaft mit Chef

Azubine: „ Ja, du hast Recht.“

Information an richtige Person gesandt.

Um 19.30 Uhr klingelt das Telefon. Chef.


Ein sehr nettes und konstruktives Gespräch geführt.
Geht doch. 

Und da ich den zweiten Chef  Gatten nun schon seit 20 Jahren irgendwie in die Wege leite, habe ich den Vorzug, morgen etwas länger schlafen zu können. 

Love it. 

Dienstag, 28. November 2017

Dienstag

Nach der Arbeit am Montag gehe ich zum nahegelegenen Krankenhaus. Ohne Schirm, dafür im Regen. Ich kann die Regenwürmer riechen, die verzweifelt, damit sie nicht absaufen, an die Oberfläche kriechen. Ich mag den Geruch nicht. Noch weniger mag ich sie auf dem Asphalt sehen. Dann bekomme ich eine Art Starre, und kann mich nicht mehr bewegen.

Die Omi freut sich, als sie mich sieht. Und wir genehmigen uns einen Kaffee in der Cafeteria. Später dann spreche ich noch mit dem Arzt. Altersdemenz ist jetzt nicht so verwunderlich. Und wenn ich darüber nachdenke, noch finde ich ihre Geschichten, die sie mir erzählt wirklich lustig. Abwarten.

Heute Außentermin. Ziemlich grenzwertig. Der Chef schickt mich zweimal durch Kälte und Regen. Arsch. Ich verlaufe mich einmal, aufgrund meiner Orientierungslosigkeit. Egal.

Und komme ziemlich müde um sieben nach Hause. Der Nachbar mit  dem französischen Akzent bekommt eine Abfuhr. Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und irgendwelche dubiosen Erklärungen zu irgendwelchen Gebrauchsanweisungen auch nicht mehr. Hallo? Ich bin ein Mensch.

Und morgen dann das gleiche Spielchen noch mal.


Manchmal, dann ist der Gedanke so stark, dass ich alles schmeißen möchte. Dann würde ich am liebsten den Firmenwagen vor die nächste Wand setzen, den Computer in sein frisch gestrichenes Wohnzimmerfenster schmeißen, mich ausziehen und den nackten Arsch zeigen mit Mittelfinger und laut f….d….schreien. Manchmal.

Samstag, 25. November 2017

Samstag

Volle Veränderung im Gange. Seit einer Woche bin ich ab 16.00 Uhr allein. Die Mädchen nehmen die weiße Lady mit und kommen meist erst nach Hause, wenn ich längst schlafe. Der Gatte meinte zu mir, ich solle mal einen guten Kinofilm raussuchen. ?????? Das erste und letzte Mal waren wir 1993 gemeinsam im Kino.

Ich bekomme heute Abend von einer lieben Person Besuch und habe heute die Wohnung endlich aufgeräumt. Eingekauft, geduscht und jetzt ist es tatsächlich ruhig. Diese Ruhe, die ich brauche. Und der räumliche Überblick.

Ich weiß, dass ich meine Familie liebe. Und das macht es auch nicht leichter.

„Gehirnwartungsexperte?“
„Ja, Zucker.“
„Was meinst du.“
„Lass mal dieses Jahr in aller Ruhe vorbei gehen. Dann sehen wir weiter.“

„Ok.“


Freitag, 24. November 2017

Freitag

Vampirarzt:" Was auch immer sie die letzten Wochen gemacht haben, machen sie damit weiter. Ihre Blutwerte sind alle im grünen Bereich, ich bin sehr zufrieden."

Ich staune nicht schlecht und überlege was ich gemacht habe.

Lieben.

Ich stelle mir heute einfach vor, dass Freitag ist, denn das macht Sinn. 

Donnerstag, 23. November 2017

Donnerstag

Seit der letzten Aussprache, suchte der Gatte zweimal das Gespräch. „Wir können ja mal zusammen Essen gehen. Brauchst du Geld? Geh doch nicht.“ Es wunderte mich, aber ich blieb bei meiner Meinung.
Die Große fragt zweimal nach, ob ich jetzt wirklich ausziehen will. Ja. „ Mama, wir ändern uns alle.“ „Ja, für drei Wochen. Ihr müsst euch für mich nicht ändern.“

Püppi fragt, was ich mitnehmen werde. Ich garantiere ihr, dass ich ihr den gesamten Hausstand lassen werde, bis auf Omas Schrank. Der muss natürlich mit. Sie findet ihn eh viel zu antiquiert.
Der Sohn kriegt von alle dem kaum was mit, und weilt mal wieder in Mailand.

Heute nach der Arbeit ins Krankenhaus gefahren und die alte Dame besucht. Letzte Nacht musste der Notarzt sie versorgen und sie nahmen sie gleich mit.
Ich wünsche mir, dass sie Weihnachten noch erleben darf. Auch wenn es nicht so gut aussieht.
„Kind, was hat der Arzt dir gesagt?“
„Omi, sie wollen noch einige Untersuchungen durchführen und dann kannst du wieder nach Hause.“
„Herz und Lunge sind doch in Ordnung, oder?“
Ich hasse Lügen, aber ich bekam von meiner Mutter die Order, ihr nicht die Wahrheit zu sagen. Der Arzt hatte mir ziemlich schwere Lektüre erzählt.
„Ja, Omi, mach’ dir keine Sorgen, die kriegen dich wieder hin. Morgen komme ich wieder.“

Und ich. Ich arbeite zu viel und habe zu viele Baustellen. Mein Blutdruck ist schon wieder am feiern, Kopfschmerzen, morgen dann den verschobenen Vampirarzt und da werde ich nicht ohne Spende rauskommen.

Manchmal denke ich echt, worauf warte ich eigentlich noch. Also weiter auf dem Weg in die ungewisse Zukunft.


Und manchmal, dann denke ich, so eine scheiße, dass wir diese Ehe so dermaßen gekillt haben. Leider zu spät. 

Dienstag, 21. November 2017

Dienstag

Bevor ich den Flug buche, entscheide ich mich dafür, den Vampirarzt anzurufen.
„Ich wollte nach Frankreich fliegen. Im Dezember. Was meinen sie.“
„Entschuldigung, Frau Würfelzucker, sie waren am Freitag nicht bei der Therapie, sind in diesem Jahr schon geflogen, waren in den Bergen. Ich halte das für keine gute Idee. Ihre Blutwerte, sie wissen ja.“

„Hm. Ok.“

Ich schreibe Monsieur Francaise an und stelle mich diesem für mich extrem beschissenen Problem.

Und er schreibt zurück. In diesem Falle muss ich dann zu dir kommen.

Wir buchen den Flug, Airbnb, für ihn, und das Problem ist gelöst.

Silvester ist also doch noch gerettet.


Ich freue mich.

Und morgen meinen geliebten Außentermin. Ich bin wieder etwas kreativer geworden. Und ich glaube das wird gut.



Dienstag

Ich stell mir einfach vor, heute ist schon Freitag. Bringt zwar nichts, aber es muss ja nicht alles Sinn machen.

Sonntag, 19. November 2017

Sonntag

Seit ich mich damit auseinandersetzen muss, wie es im nächsten Jahr weitergeht, staune ich nicht schlecht, wie viele Baustellen ich mir in den letzten Jahren geschaffen habe. Ich bin ja so dermaßen gefangen in einem Leben, das gar kein richtiges Leben ist, das mir schwindelig wird. Das wiederum zwingt mich dazu, meine Gedanken endlich mal auf mich umzuprogrammieren. Dazu gehört eine Portion Mut. Lieber würde ich mir eine Portion holländische Pommes spezial bestellen.
Morgen werde ich einen Flug nach Frankreich buchen. Wir werden verpasstes Silvester 1991 nachholen. Ich habe angefangen zu schreiben. Eine Geschichte kann nur wirklich gut werden, wenn man sie auch lebt.

Ich muss weiter in meinen vier Wänden ausmisten. Ich möchte das neue Leben ohne Altlasten und Müll von Vorvorgestern beginnen. Ich brauche Übersicht. Struktur und Ordnung. Ich dachte die ganzen Jahre, dass ich chaotisch bin. In all meinen Zwängen und Gefühlen. Aber das bin ich gar nicht. Ich brauche Struktur, damit ich den Überblick nicht verliere. Ich glaubte das, weil die Familie so ist. Und irgendwann schwamm ich in diesen Sog von Lügen und Funktionieren, dass ich glaubte, es läge an mir, dass es so ist wie es ist.

Was auch immer die Vergangenheit gespiegelt hat, es ist egal. Ich darf nur nicht von diesem Weg abkommen, weil ich das nicht möchte.


Morgen buche ich den Flug. Punkt.

Und ich habe noch eine Menge Arbeit vor mir. Sowohl als auch.  

Freitag, 17. November 2017

Freitag

Ich stehe pünktlich auf. Heute ist Vampirarzttermin. Halb neun. Gegen acht ändere ich meine Meinung. Heute ist kein guter Tag, mein Gehirnwartungsexperte flüstert mir zu, ich sollte absagen. Das mache ich dann auch. Ich schiebe meine zu 20% vorhandene Erkältung vor.

Laut Arbeitsvertrag muss ich vier Stunden etwas schaffen. Ich fahre den Computer hoch, checke die Mails, koche mir einen Kaffee, fahre ins Büro. Die Heizung ist immer noch nicht angesprungen. Ich nehme die Post aus dem Postkasten, schmeiße sie auf den Schreibtisch und denke: Arschlecken.

Auf dem Weg nach Hause bin ich wütend. Ich trete das Gaspedal und höre laut Musik.

Zu Hause angekommen, lege ich mich hin und schlafe tief ein. Die Massage sage ich ab, weil meine Wunden noch zu sehen sind. Keine Termine, einfach nicht präsent sein. Schlafen.

Anna wartet auf mich. Heute ist Saunatag. Ich lehne ab. Es passt einfach nicht. Sie ruft an, weil sie sich Sorgen macht. Ich bestätige ihr, dass ich einfach nur allein sein will.

Sie versteht das.

Wir brauchen manchmal etwas Zeit, Zeit um emotionalen positiven Stress gepaart mit negativem Stress zu bewältigen. Ich habe mir geschworen auf meinen Körper zu hören.


Und jetzt. Schlafen, damit die Sehnsucht mich nicht auffrisst.


Mittwoch, 15. November 2017

Mittwoch

Merke:
Wenn der Nachwuchs auf die Idee kommt, nach 20.00 Uhr zum Chinesen zu fahren und Peking Ente mit scharfer Soße und Reis nach Hause befördert, und du mit Heißhunger und zugegeben in lustiger Runde isst, ES BEKOMMT DIR NICHT MEHR.


Mir ist echt übel.

Und dann war da noch:

Heute zwei Stunden eher Feierabend gemacht, weil die Gruft mir körperlich einfach nicht gut tut.
Als Arbeitgeber sollte man sich wirklich darum kümmern. Und nicht in seinem warmen zu Hause sitzen und alles andere geht einem am Allerwertesten vorbei. Ich vermute ja so ein klitzekleines bisschen verletzte Eitelkeit. Aber nur so am Rande.

Danach zwei Stunden tief und fest geschlafen. (Altersgemäß)

Sehnsucht macht sich breit.
Der Franzose hat sich ein Limit gesetzt. (Februar)

Läuft.


Sonntag, 12. November 2017

Sonntag

Der Mensch verbringt mehr Zeit seines Lebens, sich um andere Gedanken zu machen, als um sich selbst. Wann verstehen sie es denn, sich mehr auf sich einzulassen und sich selbst zu inspizieren, weil es viel hochwertiger ist? Erst wenn ich mich selbst verstehe, kann ich auf andere zugehen und ihr Handeln und ihre Gedankenweise verstehen.

Wir benötigen kurze Zeit, um die Sprache unserer Haustiere zu verstehen, und sobald sich diese Einstellung und Hingabe manifestiert hat, handeln wir. Das Tier bekommt sein Fressen und wir wissen, wann es raus möchte, wann es ihm schlecht geht, wann es spielen will. Wir können in kürzester Zeit die Wünsche des Tieres akzeptieren und handeln danach, ohne dieses auch nur in entferntester Weise in Frage zu stellen. Beim Menschen wird das schon komplizierter. 

„Zucker, du bist zu komplex, deine Gedankenweise ist hoch kompliziert und viele können das nicht nachvollziehen und scheitern. Seit ich dich kenne, fange ich wieder an meinen Gedankenapparat anzukurbeln, ich beantworte mir selbst Fragen, die ich mir zuvor niemals gestellt habe, weil sie gar nicht erst aufkamen.“
„Mit dieser Aussage fühle ich mich wieder allein auf diesem verdammten Planeten. Das kann doch nicht sein, dass ich nur so denke.“
„Nein, nein, fühl dich nicht allein, das war ein Lob. Du polarisierst und viele können damit nicht umgehen.“

Ich bin durcheinander und aufgewühlt. Wenn meine Eltern mich nicht kennen und verstehen, wer in Gottes Namen kann das dann?

Heute Morgen konfrontiere ich den Mann also mit meinem Auszug. 
„Warum willst du gehen?“ (Absolut ohne Emotion)
„Ich bin unglücklich, mir fehlt die Zusammengehörigkeit, wir definieren uns jetzt seit 19 Jahren nur über die Kinder und die Arbeit. Mir fehlt etwas. Ich möchte frei sein und noch einmal einem Menschen begegnen, der mich so liebt wie ich bin und mir den nötigen Respekt entgegenbringt. Wir leben hier schon seit Jahren wie in einem Hotel. Wie Gäste, die sich zufällig über den Weg laufen.“
„Ich halte das für keine gute Idee, aber wenn du gehen willst dann geh. Doch dann hast du die gesamte Familie zerstört.“ (Trinkt seinen Kaffee aus und geht)


Ich glaube er hat mich nicht verstanden. 

Sonntag

Es ist 00:00 Uhr. Ich streiche mir die Tränen aus dem Gesicht und desinfiziere die Wunden an meinem rechten Oberarm. Rückfall. Obwohl ich ein so schönes Gespräch mit ihm hatte. Aber sobald díe Familie ins Spiel kommt, schmerzt es so sehr in meinem Körper, dass ích mich spüren muss. Nächsten Freitag ist Termin beim Vampirarzt, und später dann werde ich in der Massage bei Olga liegen. Ích wähle bewusst den rechten Arm, denn dort sind die Venen längst verkrüppelt. So wie mein Leben verkrüppelt nur noch dahin vegetiert. Rückfall. Dröhnt durch den Kopf. Wieso kriege ich das verdammt noch mal nicht in den Griff.

Der Schmerz beruhigt. Seltsam. Aber so ist es. Der Druck ist fort.


Jetzt kann ich schlafen gehen. Gedankenlos. Und auch wenn es noch so krank erscheint, der Körper ruht in sich und ist entspannt.

Mein Gehirnwartungsexperte schläft. Das ist ok. Er wird mir Morgen den Kopf waschen.


Samstag, 11. November 2017

Samstag



Man hält mich für bodenständig. Ich glaube aber, dass ich das gar nicht bin. Alle sieben bis acht Jahre habe ich im Leben etwas verändert, weil mich irgendetwas antrieb, mal wieder auszusteigen. Ich versteckte mich die ganzen Jahre hinter meinem Anderssein und fühlte mich doch nicht angekommen. Und jetzt bin ich wieder an so einem Punkt angekommen. Es läuft was schief in meinem Hauptjob. Ich spüre solche Dinge bereits, bevor sie wirklich Bestand haben. Er benimmt sich so merkwürdig. Oder zumindest anders. Ich gebe mir noch bis Ende des Jahres, dann werde ich eine Entscheidung diesbezüglich treffen.

Es hat mich doch heftiger erwischt, als ich annahm. Hustend, Schnupfend und schon angst einflößend antriebslos hocke ich die Tage ab und versuche einfach mal nicht zu denken. Es gelingt mir nicht.

Freitag, 10. November 2017

Freitag



Ich spüre immer noch diese Nachwehen, und ich bin ehrlich, ich genieße es. Im Wachwerden schon dieses Gefühl der unbändigen Lust, die sich in der alltäglichen Zeit mit all ihren schönen Momenten der unterschiedlichsten Zeitfenster gestaut hat. Angekommen in dem Bewusstsein, dass man allein in einem großen Bett liegt und niemand stört.

Und so gebe ich mich spontan der Sehnsucht hin, die mein Körper malt und begrüße den Tag mit einer moralisch unbedenklichen Note, die sich fern von jeder Normalität bewegt.
Im Zeitfenster der Lust ist alles möglich. Die Gedanken sind frei und wollen gedacht werden.

Und in all diesem schönen, neuen Reich der Sinne schwinden die Schmerzen und läuten den Rückzug ein, mein Körper bedankt sich auf seine Weise.

Freiheit.

Mittwoch, 8. November 2017

Mittwoch



Die letzten Wochen haben ihren Tribut eingefordert. Irgendwie am Limit, nockt mich mein Körper gerade aus. So ist das im Leben. Der Krankenschein gibt mir zumindest gelb leuchtend die Indikation, heute, und die nächsten Tage einfach im Bett zu bleiben und alles andere um mich herum kann mich mal ganz gerne haben. Oder auch nicht. Mir egal.

Jetzt ein warmes Bier mit einem Eßlöffel Zucker. Dann gehts morgen wieder. 

Dienstag, 7. November 2017

Dienstag

Auf den Tag genau vor dreizehn Jahren:


Der Regen prasselt auf meine Windschutzscheibe. Alles ist grau in grau, eine Farbe, über die ich noch gestern Abend nachgedacht habe. Ein grauer Anziehungspunkt in meinem Bild. Dort würde es richtig gut aussehen, weil es ja sonst aus vielen bunten Farben besteht. Ich bringe die beiden Blausternmädchen zu ihren Freunden zum spielen, und mein Bruder übt mit Sohn Blaustern. Ich betätige den Blinker und schaue auf die Uhr. Dreieinhalb Stunden. Ich könnte für dreieinhalb Stunden mein alltägliches Leben verlassen, über den Bilderrahmen hinweg fahren und dann immer geradeaus. Vor mir der Kreisverkehr. Ich fahre ihn zwei mal ganz rum, weil es mir so verdammt schwer fällt mich zu entscheiden. Keine Ahnung welche Konsequenzen es mit sich ziehen würde, aber so ein Gefühl, daß selbst der Tee oder Kaffee, das kleine Präsent oder die Zigarette ein untrügliches Unterfangen würde, und mit Sicherheit zu einem erotischen Abenteuer verlaufen würde. Ich stelle die Musik lauter und taste nach dem Handy. Nein, lieber nicht, der Blick in den Spiegel bestätigt das Nein. Obwohl, so bliebe es wenigstens beim Tee, Kaffee oder einer Zigarette. Und doch, wer weiß das schon. Es ist nicht mal die Angst davor, vielmehr der Respekt. Er würde es nicht zulassen. Ich kann es verstehen, obgleich mein kindliches Langzeitgedächtnis naiv aus der Wäsche guckt. Was ist schon gegen ein nettes Gespräch bei einem Kaffee einzuwenden? Ich entscheide mich für die dritte Ausfahrt von links und fahre genau in seine Richtung.
Herzklopfen. Einmal, nur ein einziges mal, mit all seinen Konsequenzen, den Alltag einfach vergessen, und den Augenblick egal auf welche Weise genießen. Kann das denn verwerflich sein? Ich müßte an der nächsten Kreuzung rechts. Noch fünf Minuten bis zur Auffahrt und dann immer geradeaus. Die Ampel wird grün, ich lege den ersten Gang ein und fahre geradeaus. Nach vier Minuten bin ich in meiner Straße, die Musik hallt durch mein kleines Auto, ich beobachte die Regentropfen wie sie an der Scheibe entlang rollen. Und wieder einmal habe ich der Sehnsucht das Schwert gezeigt, dem Willen die Ausführung entsagt, und so steige ich aus dem Wagen, halte mein Gesicht in den Regen und könnte laut schreien. Nun ist wieder eine Stunde vergangen, aus den dreieinhalb sind nur noch zwei übriggeblieben, die gerade mal die Fahrt abdecken würden. Ich habe den Kampf gegen die Zeit mal wieder gewonnen, oder einfach nur die Sehnsucht eingeschüchtert und alle Gefühle ganz entgegen meines „Möchtens“ in Dosen eingeschweißt mit Konservierungsstoffen!
Ich werde lange etwas davon haben...wenn ich sie irgendwann einmal nach und nach öffnen kann........ 



Echt wie die Zeit vergeht.




Montag, 6. November 2017

Montag



Auf dem Weg zur Arbeit fällt mir ein, dass ich jetzt ziemlich großzügiges Material habe, um mit dem Schreiben zu beginnen. Der Tag rieselt durch die Zeit wie durch eine Sanduhr. Ich verfahre mich zweimal zum Steuerberater, die Kundschaft ist heute sehr freundlich. Am Morgen sprechen wir arabisch im Hof und ich schließe das Lokal auf.

„Gehirnwartungsexperte, bist du wieder da?“
„Klar Zucker.“
„Woran schraubst du gerade?“
„An deinem Durchhaltevermögen. Fang endlich an, dir eine Mindmap zu bauen, und dann schreibe.“
„Ok.“
„Und du hast doch nicht allen ernstes darüber nachgedacht, aus einer Liebesgeschichte ein Drama zu machen.“
„Wieso fragst du?“

„Vergiss es einfach, du wirst nicht mit Betoneimern an deinen Füßen in der Ruhr versenkt. Morgen bearbeite ich dein Angstzentrum. “

„OK.“


Sonntag, 5. November 2017

Sonntag



Wenn man aus seinem selbst aufgebauten Lebenskonstrukt plötzlich rausgeschleudert wird, fühlt sich das im ersten Moment so an, als wenn die Achterbahnfahrt eine lecke Stelle hat. Man wird gnadenlos rausgeschleudert und denkt nur daran, dass der Tüv absolut versagt hat. Hat er gar nicht. Im Gegenteil. Der imaginäre Tüv sorgt dafür, während man sich noch im freien Fall befindet, dass der Aufprall verdammt hart ist, aber trotzdem das Gedankenkarussell ankurbelt. Also begab ich mich heute zum nächsten Schauplatz. Das Gedankenkarussell. Der Aufprall gestern war hart. Es gefiel mir überhaupt nicht, nicht Frau über meine Gefühle zu sein. Beruhigt hatte mich schließlich sein getragenes Shirt, das er mir gelassen hatte. Und so schlief ich damit ein. Mit seinem Geruch. Im Gegenzug bekam er mein Shirt und meinen Glücksbringer, für weite Reisen im Auto. Und auch er nutzte es und kam schließlich heute Mittag an.

Und heute begab ich mich auf das Gedankenkarussell. Ich wählte einen weißen Schimmel und sortierte mich, während ich zigmal im Kreis an lachenden und staunenden Kindern vorbeifuhr. Und mir kam plötzlich ein einziger Gedanke. Ich werde hier Grenzen setzen. Noch härter als ich das in der Vergangenheit getan habe. Ich muss meine finanzielle, leider zurzeit sehr wackelige Lage in den Griff kriegen. Finanzielle Sorgen fressen Seelen auf.

Aber vor allem möchte ich mein jetzt geöffnetes Herz nicht wieder verschließen. Auch mit der Gefahr, dass ich sehr angreifbar sein werde.

Diese zwei Wochen haben mir sehr viel Energie gegeben. Und es gibt ein Ziel. Das sollte für’s Erste reichen.

„Um ganz wir selbst zu sein, müssen wir unser wahres Selbst zulassen. So einfach ist das. Es liegt nur an uns, wenn es schwer erscheint.“ By John Strelecky

Samstag, 4. November 2017

Samstag



Dieser Samstag hatte einfach zu viel Stunden. Irgendwie unfair, aber so ist das halt. In Gedanken fahre ich mit. Die Strecke ist mir ausnahmsweise so bekannt, wie meine kleine 60 m² Wohnung. Als ich über mein Zeitmanagement der letzten zwei Wochen nachdenke, wird mir bewusst, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder ich habe das verdammt gut hinbekommen, oder aber, es ist gar nicht bemerkt worden, weil ich weiter funktioniert habe. Niemand hatte mich vermisst. Erstaunlich. Ich weiß nicht, was ich trauriger finde, aber ich nehme es so hin. Ich fing an, Dinge auszusortieren, die ich nicht mit in mein neues Zuhause nehmen werde.

Es gibt noch viel zu tun.

Freitag, 3. November 2017

Freitag



Wir können manchmal einfach nicht wissen, was uns das Leben schenkt. Sowohl Positives als auch Dinge, die so schmerzhaft sind, dass man meint, das Herz würde jeden Moment in Stücke zerreißen. Da helfen dann auch keine imaginären Gehirnwartungsexperten oder zusammen gezimmerte Gedankenschubladen mehr. Weil es keinen Bestand mehr hat, wenn man sich dazu entschlossen hat, Mauern einzuweichen und Mut aufzubringen. Und so  bin ich heute froh darüber, dass ich alleine in meinen vier Wänden sitze, und ganz persönlich für mich, meine Gefühle nicht verstecken muss. Ich hasse Abschiede. Aber in was ich noch viel schlechter bin, Gefühle zu zeigen, vor Anderen. Bis heute. Und so wird der Abschied ziemlich heftig. Und ich fahre dem Vollmond entgegen, und meine Tränen laufen ungefragt über die B1 in Richtung Heimat, und ich beobachte die fahrenden Autos vom Zubringer, und fühle plötzlich diesen Zeitraffer im Leben.

Ich habe noch etwas vor. Und dazu gehören all diese neuen Empfindungen, die ich heute, nach 26 Jahren, das zweite Mal spüren durfte.

Erst wenn der Mensch aufhört. sich weiter zu entwickeln, sollte ein Grab geschaufelt werden.