Sonntag, 29. Oktober 2017

Sonntag

Und dann krempelt sich ganz plötzlich das Leben auf links. Und man glaubt es kaum, weil links in der Regel ausschaut wie links. So mit Nähten und Schildern. Und man überlegt, ob man die Schilder wie gewöhnlich rausschneidet, damit sie nicht im Nacken kratzen. Ich tue es nicht. Einfach so. Und dann sitzt man des Abends auf dem Sofa und denkt, die Schilder rauszuschneiden fühlt sich nicht richtig an. Und plötzlich ergibt das auch einen Sinn, weil man Schilder nicht einfach entfernt, und Gefühle Oberhand haben. 

Ich schreibe Anna an, und sie wird morgen zum Frühstück kommen. Ich muss Buchstaben ausspucken, den Kopf entlasten, Gefühle einen Freiraum geben, weil ich sie nicht in meinem Bunker erdrücken möchte.

Monsieur Francaise wird den Aufenthalt verlängern. Das muss ich erstmal in meinem Rezept für Gefühlschaos kompensieren. Ich denke an Marmelade, schön luftdicht in eine Glas verschlossen. Haltbar für ewig fast.

Und dann frage ich hektisch an den Gehirnwartungsexperten. Und der lacht und schweigt und meint: "Zucker. Entspann dich. Du brauchst mich gerade echt nicht."

Meinen besten Freund? Denke ich, und merke, dass er gerade Recht hat.

"Gehirnwartungsexperte! "
"Zucker"
"Was machen wir jetzt?"
"Du wirst es schon hinbekommen."
"Ok. Mir geht der Arsch auf Grundeis."
"Macht nichts."

Er lässt mich gerade bewusst hängen. 





Sonntag

"Der Vorteil von Klugheit besteht darin, dass man sich bei Bedarf dumm stellen kann, was umgekehrt schon problematischer wird."

Freitag, 27. Oktober 2017

Freitag



Es sind deine grauen Schläfen, die mich irre machen.
Die Falten, an deinen Augen.
Dein Akzent, wenn wir erst heiß sind, und dann lachen müssen.
Deine grünen Augen sind Zwillingspaare zu meinen.
Deine Hände, die schneller sind als meine Synapsen. Und selbst damit könntest du mich geografisch aussetzen.
Ich genieße jede Sekunde mit dir und, heute habe ich es bis zum Letzten ausgekostet.
Seit einer Woche verfahre ich mich in dem Ort, in dem du wohnst, obwohl ich mich auskennen müsste.
Und du kennst dich längst aus, weil du echt clever bist.
Ich genieße die Gespräche, deine Haut, deine Augen, deine Berührungen, deinen Geruch.

 Ich möchte mehr. 


Freitag

"Der Mensch opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt."
Dalai Lama

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Donnerstag



Ich wollte ja auf meine beste Freundin Anna (Psychologin) hören. Aber dann übermannten sich unsere Gefühle und jetzt bemerke ich, dass ich in einer Einbahnstraße stecke und nicht wenden kann will. „Nähert euch langsam an.“

Monsieur francaise hatte heute ein Vorstellungsgespräch. Das ist verrückt.

Das Annähern hat uns in unserem Alter dermaßen erschöpft, dass wir heute einen freien Tag eingelegt haben. Und bei Gott, war ich froh darüber. Er auch.

Für mich: Keine Knochenschmerzen, gutes Gefühl und ich glaube meine Endorphine feiern Party.

Morgen muss ich arbeiten. Danach werde ich einkaufen und wir werden gemeinsam kochen.

Fazit: Vier Tage Körperkunde. Hatte ich noch nie zuvor. Mit ihm jederzeit wieder.

Ab morgen dann Kochen. Man muss ja irgendwie auch noch andere Fähigkeiten zeigen.

Wussten sie dass es einen § in Massachusetts gibt, der besagt, dass es verboten ist, ins Bett zu gehen, bevor man ein Vollbad genommen hat?

Mir müssten jetzt Handschellen angelegt werden. Egal.


Ja, manchmal ist das eben so.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Mittwoch

Totales Chaos in meinen vier Wänden. Die Renovierierung ist in vollem Gange.

Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass es mich absolut ruhig lässt.
Mein einziger Gedanke: Ich benötige dringend eine Haushälterin.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Dienstag



Ironie des Lebens. Ich hasse Unordnung. Nein, ich hasse fremd gesteuerte Unordnung. Ich bin gut in Zeitmanagement. Richtig gut. Der Außendienst heute war Poesie pur.
Püppi renoviert ihr Zimmer. Ich verweile nach einem wirklich guten Außendienst auf meinem Sofa mit einem Glas Wein und schönen Gedanken. In Sekundenschnelle wird mein Wohnzimmer zugestellt. Der Nachbar mit dem französischen Akzent steht plötzlich neben mir und teilt mir mit, dass hier gerade eine  Baustelle entsteht, auf Grund meiner Püppi.

Ich verweile gerade in ganz anderen Sphären. Bemerke, dass das Wohnzimmer zugestellt wird, nehme ihn in seinen schwarzen Klamotten kurz wahr und umarme ihn.

Ironie des Lebens halt.

Und morgen dann wieder Außentermin. Ganz ehrlich. Diese Außentermine gefallen mir. Sie sind so angenehm feucht und sexy.

Ich werde nächste Woche sterben, wenn er wieder diese scheiß 1200 km von mir fortrennt.

Fazit: Bin gerade stolz auf mein Zeitmanagement. 


Freitag, 20. Oktober 2017

Freitag

Um mich ein wenig abzulenken, habe ich mir etwas bei der lieben Miss Whimsy ausgeliehen:



  1. Mit der Zunge die Nase berühren
Keine Chance.

2. Eine Augenbraue hochziehen
No.

3. Multi Tasking (mit der Fußspitze im Uhrzeigersinn kreisen, gleichzeitig mit der Hand eine "6" in die Luft malen)

Geschafft.

4. Luft anhalten, mindestens 2 Minuten
Jetzt ist mir schwindelig. 01:08:09

5. Eigenen Ellbogen mit der Zunge berühren
Geht auch nicht.

6. Mit offenen Augen niesen
Das habe ich heute beim Autofahren geschafft.

7. Ganze Faust in den Mund stecken können
Versuche ich erst gar nicht. Muss meinen Mundwinkel schonen.

8. Ohren wackeln
Kann ich nicht.

9. Der gelähmte Ringfinger (die Hand liegt flach auf dem Tisch, der Mittelfinger wird nach unten auf den Tisch geklappt. Alle anderen Finger liegen weiter flach auf der Tischplatte. Nun allein den Ringfinger heben und senken)
Wer denkt sich so einen Blödsinn aus. Das geht nicht.

10. Die Konsonanten "B, P und W" sprechen, ohne dabei die Lippen zu bewegen
Ok. Ich bin nicht  behindert. 



Was war sonst noch:

Der Chef hat mir nächste Woche zwei Tage frei gegeben mit einem Grinsen  im Gesicht. 

Die Azubine meint, wir sollten uns zu Astronauten ausbilden lassen und schwerelos durch das Universum cruisen. Weil ihr das Wort "schwerelos" so gefällt. 

Ich habe heute den ganzen Tag versäumt mein Auto abzuschließen.

Seit heute bin ich offizieller Langzeitpatient beim Vampirarzt, denn ich benötige keine Überweisung mehr.

Aber sonst alles im grünen Bereich.
 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Donnerstag



Wenn man Familie hat, hat man auch eine Rechtschutzversicherung. Für alle. Bis heute war ich davon ausgegangen, dass die Versicherung auf den Namen des Oberhauptes läuft. Ihr Männer mit Familie nickt jetzt und sagt, dass Würfelzucker da richtig liegt.

Heute bekam ich einen Brief von Rechtschutzversicherung xy, die mir mit ihren Standardworten mitteilte, dass meine Versicherung gekündigt worden ist, seitens der Versicherung. Ich staunte nicht schlecht, denn ich kannte diese Versicherung nicht mal mit Namen. Ich rief den Paten an. „Du sag mal, bin ich bei xy versichert?“
„Ja.“ „Die haben mir gekündigt, weil so viele Kosten entstanden sind, nur kann ich mich nicht daran erinnern, Rechtschutz in Anspruch genommen zu haben.“

„Ja, ne, das ist eine Familienversicherung.“ „Wie jetzt auf meinen Namen?“ „Ja.“

Ja, ne ist klar. Da laufen diese ganzen Rechtsanwaltskosten, Punkte und was weiß ich, über meinen Namen, mir wird gekündigt, und in ein paar Monaten verschwinden die alle samt in den Süden und ich habe keine Chance mehr eine vernünftige Rechtschutzversicherung abzuschließen, weil mein Name Programm ist.

Da bleibt mir dann nur noch das Zeugenschutzprogramm, mit neuer Identität. Wäre noch eine Option, die in diesem Leben noch fehlt. Dann suche ich mir einen schönen erotischen französischen Namen aus. Nein, nein, nicht der ihnen gerade in den Sinn kommt.

Und morgen dann wieder Vampirarzt.

"Gehinwartungsexperte?"
"Ja Zucker."
"Wie sieht es aus."
"Trinke noch einen Schnaps. Dann tut es nicht so weh."
"Ok."

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Mittwoch



Mein Hirnwartungsexperte brachte mich vor einiger Zeit auf eine gute Idee.
„Zucker, wie wäre es, wenn du dir eine Kur verschreiben lässt.“
„Ja worauf denn?“
„Na auf deine Krankheit ohne Namen. Das geht jetzt schon seit fast vier Jahren so.“

Da mein wunderschön entzündeter Mundwinkel immer noch nicht abgeheilt ist, ich sehe nächste Woche sämtliche Felle wegschwimmen fuhr ich heute Morgen statt zur Arbeit, mal schnell, zu meinem Arzt des Vertrauens.

Ich bekam ein Medikament verschrieben, der Arzt kassierte, fast schon gegen meinen Willen, meine abgelaufenen Antibiotikaohrentropfen ein, im Gegenzug bekam ich dafür ein neues Rezept, und ich startete mein eigentliches Anliegen. Die Kur.

„Nein, das geht nicht. Deine Krankheit ohne Namen reicht nicht aus.“
„Womit kann man die kombinieren?“
„Auf jeden Fall mit psychischer Belastung.“
„Gut.“

ABER:
„Dann musst du vermutlich vorher in psychologische Behandlung. Es muss alles dokumentiert werden.“

„Ok, lassen wir das.“

Ich stehe auf, verlasse die Praxis, steige ins Auto, fahre ins Büro, arbeite intensiv, bis mich die Erschöpfung eingeholt hat und ich im Schreibtischstuhl eine Stunde tief und fest einschlafe.

Wussten sie schon, dass es einen § in Maryland gibt, der besagt, dass es dort als ungesetzlich gilt, Austern zu misshandeln oder einen Löwen mit ins Kino zu nehmen.

Und irgendwie fühle ich mich nicht gut. 

Dienstag, 17. Oktober 2017

Dienstag

Unpünktlich aber mit Muße. Das Stöckchen von Muschelmädchen. Was eigentlich keins ist.



Tollpatschig sein?

Ich hatte mal ein Blind Date. Wir trafen uns auf halber Strecke, irgendwo zwischen Dortmund und Hanau. Er sah verdammt gut aus.
Jedenfalls war ich so mega aufgeregt, dass er meinte, wir könnten ja erst einmal was essen gehen. In dem Restaurant standen kleine Schalen gefüllt mit Erdnüssen in Schalen auf dem Tisch. Während wir auf das Essen warteten, hörte ich ihm zu, was er so alles zu erzählen hatte, und weil mein Hunger so groß war, nestelte ich nach einer Nuss, tat voll interessiert, knackte sie mit den Fingern und schob mir statt der Nuss die Schale in den Mund. Das war nicht gut. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Augen zu und essen, oder die Schale wieder raus friemeln. Viel schlimmer war aber die Tatsache, dass mir das überhaupt passiert ist.

Fremde Menschen zum Lachen bringen?

Nein. Das kann ich nicht. Nur Menschen die ich kenne.


Kreativ sein?

Bin ich. Mein ganzes Leben war bis jetzt kreativ. Ansonsten gäbe es mich längst nicht mehr.

Verschlafen sein?

Total. Ich bin ein Murmeltier. Wann immer es geht, zwacke ich mir die Stunden für Schlaf ab. Und vor dem ersten Kaffee, geht mal gar nichts. Auch nicht ansprechen bitte.

Pünktlich sein?

Nein. Leider bin ich entweder zu früh, oder aber zu spät. Dazwischen gibt’s bei mir nichts.

Edit: Da ich tatsächlich öfters verwirrt bin, habe ich den letzten Punkt vergessen.


Verwirrt sein?

Tatsächlich viel zu oft.

Dienstag

Würfelzucker feat. Friseur.

Ich hätte es besser wissen müssen. Wer soviel schnattern kann, kann sich unmöglich auf Haare schneiden konzentrieren.

Nur noch fünf Tage. So schnell wachsen die doch nicht mehr nach. 

Sonntag, 15. Oktober 2017

Sonntag



„Wenn man weiß, wer man ist, verwechselt man Befriedigung nicht mehr mit Zufriedenheit.“

Ich habe noch harte Arbeit vor mir.

„Weißt du wie du auf mich gewirkt hast, damals im fünften Schuljahr.“
„Wie denn?“ Antworte ich so wie immer.
„Du hast immer traurig geschaut, als wenn du deine tiefsten Gefühle und alles mit dir selbst vereinbart hättest, obwohl du im Klassenverband im Mittelpunkt standest.“
„Hm. Kann schon sein.“

Würde man mir keine Fragen stellen, schweige ich. Ich rede nicht über mich. Ich antworte, ja. Aber ich rede nicht ungefragt. Warum auch. Für mich gibt es keinen Grund, den Menschen irgendetwas von mir aufzuzwingen, was sie vielleicht gar nicht hören möchten.

Die Feier heute bei Anna fiel mir schwer. Ich fuhr um 20.00 Uhr nach Hause. Ich verbiete mir, ihren neuen Freund einzuschätzen. Für mich persönlich ist er einfach nur zu laut. Und in seiner Lautstärke höre ich Verzweifelung. Und in seinen Augen sieht man es. In Momenten, in denen er nicht laut ist, und einfach nur so da sitzt und schaut.

Egal. Ich verlasse als erste die Party und genieße die Ruhe im Auto. Fahre mit zwei Gläsern Wein intus und zeigendem Stinkefinger an unserer Dorfpolizei vorbei und bin in fünf Minuten zu Hause.

Es stinkt nach Kohl. Püppi hat gekocht. Ich entsorge die Reste und schalte meinen Verstand aus. Heute wird nicht mehr gedacht, schreibe ich meinem Gehirnwartungsexperten auf. Und ich frage mich bei der Gelegenheit, wo ist der eigentlich?

„Hey!“
„Ja, Zucker?“
„Wie lange hast du noch Urlaub?“
„Ab Morgen bin ich wieder für dich da. Es sei denn….du….“
„Alles ok. Morgen reicht völlig aus.“

Samstag, 14. Oktober 2017

Samstag



„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“

Sie schrieb mich vor fünf Wochen an. So, wie es der Franzose getan hat. Wir telefonierten und heute habe ich sie besucht. Sie ist mit mir in die Grundschule gegangen, danach noch zwei Jahre auf das Gymnasium. Wir hatten kaum Kontakt. Vor 36 Jahren verloren wir uns aus den Augen. Meine Eltern zogen um und legten nichtsahnend den Grundstein für meine Zukunft.

Es war ein echt schöner Tag. Und ich wunder mich darüber, dass, obwohl wir gar nicht so viel miteinander zu tun hatten, hätte ich sie sofort wiedererkannt. Ihr Lachen, ihre Mimik, ihre Frohnatur, sogar wie sie da in ihrem Wohnzimmer saß, wie im Sportunterricht auf der blauen Matte.

Wir verbringen den Nachmittag bis abends 22.00 Uhr, essen noch eine Kleinigkeit, und ich bemerke, sie hat dieselben Dinge im Kühlschrank wie ich. Danach fahre ich nach Hause.

Diese Begegnung hat etwas in mir ausgelöst. Ich kann es nicht beschreiben. Ich fühle mich wohl, wenn ich an sie denke und muss schmunzeln. Und wenn ich daran denke, dass ich fast diesen Nachmittag absagen wollte, dann bin ich gerade froh, dass ich das nicht getan habe.

Freitag, 13. Oktober 2017

Freitag



Leben kann gnadenlos unfair sein. Einfach so. Ich habe zwei Wochen gebraucht um meinen Körper zu fühlen. In der Natur. Eine Woche braucht es, um alles kaputt zu machen. Ich habe noch neun Tage, die ich durchhalten muss. Ich spüre jeden Knochen, jedes Gelenk. Sogar den Kopf. Kleinhirn und Großhirn fühlen sich wie Matsche an. Ich kann kaum laufen. Das ist nicht fair. Nicht fair. Olga schaut sich die Gelenke an. „Was macht dein Blut?“ „Ich bin wieder ein alle vier Wochen Patient.“ „Nicht gut.“ „Nein.“

Mir ist es wichtig, dass die Familie es nicht so mitbekommt. Der Abend mit Anna war entspannt. Sie massiert und ihre Berührungen sind schön. Wir lachen uns das Leben über Bahngleise und scherzen über vergangenen Körperkontakt.

Und ich denke darüber nach, dass mich die Rente gar nicht erreichen wird, weil mir heute morgen in der früh das Handgelenk aus dem Bett fällt und ich stehe auf und hole mein Schwert und zerhacke in Gedanken die Schmerztabletten, weil ich die nicht will. Es ist ähnlich wie die Rocky horror picture show.

Das ganze Leben ist ein einziges Theater im Universum. Mit kleinen Buchstaben und großen Schmerzen. Echt. Leben leck mich.



Donnerstag, 12. Oktober 2017

Donnerstag



Die kleine Azubine legte mir vorgestern eine Schokolade auf den Schreibtisch mit der Notiz: „Für deinen ersten Tag nach dem Urlaub, schmeckt besonders gut zu Kaffee“. Gestern Morgen kochte ich mir also einen Kaffee und widmete mich der Toblerone.

Morgen ist die Woche schon wieder um. Ich muss gestehen, dass ich den Servicejob mit mehr Energie und Freude gelebt habe.

Heute dann kurz zum Nachbarn mit dem französischen Akzent und ein bisschen geplaudert. Etwas mulmig, weil ich im Urlaub eine Nachricht bekam, eines Nachts um 3:00 Uhr. „Wann kommst du nach Hause, ich habe Sehnsucht nach dir.“

Und sonst so:
Die Kids machen. Uni, Schule, Haushalt.
Ich bin ein bisschen beeindruckt.

Anna hat heute Geburtstag und es ist das erste mal, dass sie keine Zeit hat, weil ihr Neuer mit ihr spontan unterwegs ist. Das freut mich für sie.

Der Gatte scheint auch entspannt.

Noch elf Tage. Ich werde von Tag zu Tag aufgeregter. Spannend.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Dienstag



Es heißt ja so schön: Wenn man reist, wieder zu Hause ist, dann ist man körperlich anwesend, aber die Seele geht zu Fuß und braucht etwas länger.
Und weil das wahr ist, habe ich mir heute mal so richtig die Karten gelegt.

Ich denke an einen entspannten Bürotag. Ich habe keine Lust auf einen BH, jetzt gerade, weil der Rücken noch so schön entspannt ist.
Auf der Fahrt ins Büro stelle ich fest, dass ich den Kundenstick vergessen habe. Der weilt auf meinem Schreibtisch im Home office. Egal.

Ich fahre den Computer hoch, checke die Mails, und dann fangen alle roten Lampen an zu blinken, kurz nachdem ich den Terminkalender studiere.

9.30 Uhr Termin beim Kunden, funkt es mir entgegen. Ich bekomme Schnappatmung.

Bereite in Windeseile etwas vor und weiß genau in dem Moment, dass ich die Arbeitsjacke, egal wie warm es in den Büroräumen sein wird, anbehalten werde.

Der Betriebsrundgang ist ein einziger Spießrutenlauf. Ich werde heute Nacht von Schwefelsäure und Flusssäure träumen und schweißgebadet aufwachen, weil ich spüren werde, wie sich die Säuren auf meine Haut legen und sich ganz langsam einbrennen werden, weil ich keinen BH angezogen habe.

Bad work memories.

Montag, 9. Oktober 2017

Montag

Noch nicht wirklich angekommen.


Merke: Wenn man Abends um 22:00 Uhr ankommt, und am nächsten Tag wieder arbeiten muss, ist das nicht gut.

Samstag, 7. Oktober 2017

Samstag

Hatte für einen Moment darüber nachgedacht, weiter nach Reggio Calabria zu fahren, tief hienein in die Sohle. Aber mangels Geld geht das leider nicht. Jetzt zumindest nicht. Also geht es morgen früh um 8:00 Uhr nach Hause in den grauen Pott. Ok.

Sollte ich gut ankommen, hören sie von mir. Bald.

Ich würde gerne meinen Anschlussflug verpassen, aber ich bin leider mit dem Auto.
Dieses Vedeo trifft es immer noch. Ich finde es sollte nominiert werden für das Jahr 2017.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Donnerstag



Noch zwei Tage. Ich möchte die Zeit hier in den Bergen am liebsten still stehen lassen. Ich mag nicht nach Hause. Heute habe ich noch mal den Anstieg mit den wilden Pferden und den glasklaren Seen gemacht. Es ging leichter als vor vier Tagen.

Als ich an der Alm ankomme, sieht mich der Gastwirt. Ich lächele ihn an und meine:“ Hey, wir haben uns gestern Abend in meinem Domizil gesehen.“ Er lacht laut, „ wenn du gegessen hast, kommst du h’nein und wir trinken einen Schnaps zusamm’.“

Der Schnaps ist so saugut. Und ich kenne den Weg. Gut so. Er gibt mir einen Kuss und ich verspreche ihm im nächsten Jahr wieder zu kommen.

Auf dem Weg runter bin ich froh, dass der Bus vorfährt. Da kann halt nicht viel passieren.

Ich schaue mir nach einer heißen Dusche auf einem Schweizer Sender zum fünften Mal „A beautiful mind „ an und genieße diese unglaublich menschengemochte Totenstille.

Meinen Mundwinkel bearbeite ich schon den ganzen Abend mit Kastanienhonig. Es wird.

Ich habe Lust. Schon wieder. Gestern Nacht telefonierte ich mit dem Franzosen. Es war so lustig. Ich glaube das hätte ich heute auch noch mal gern. Aber er schläft schon.

Und ich überlege, was es ist. Und dann fangen mich meine Gedanken ein und ich weiß was es ist. Das was mir am meisten Angst macht.

Am meisten Angst macht mir diese Schnelllebigkeit, in der man keine Zeit hat seine Gedanken zu sortieren, weil die Zeitschleife einfach so in sich verhakt ist, dass man dann plötzlich da sitzt und keine Antworten findet, weil alle anderen um einen herum die Antworten parat haben aus irgendwelchen Zeitschriften oder Internet, und man versucht seine Gedanken zu sortieren, aber das geht nicht, weil die Erde sich zu schnell dreht und alles in dieser Endlosschleife einfach im Nirgendwo verpufft.  

Und eigentlich möchte man doch einfach nur daliegen, genießen und schweigen.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mittwoch



Heute wieder gewandert und langsam bemerke ich, dass ich mehr Kondition habe.
Der Mond scheint unschuldig durch eine kleine Wolkenbank durch.
Die Wolken zeigen ein kleines Sperma in Richtung Ei. (Ich hoffe, dass es nicht meine Töchter betrifft)
Seit gestern habe ich eine kleine Entzündung im linken Mundwinkel. Könnte davon kommen, dass mich das kleine Kalb abgeschleckt hat. Das muss in zwei Wochen weg sein, ich habe doch noch was vor. Ich möchte doch den Franzosen küssen, ohne wenn und aber.
Die Blutwerte kann ich nicht kontrollieren, aber egal. Das macht der Arzt meines Vertrauens in drei Wochen.
Allgemeinzustand ist sehr gut.
Ab Samstag soll es hier schneien. Wenn ich Sonntag nicht fort komme, zwecks Sommerreifen, fahre ich eben später. Shit happens. Klimaerwärmung.

Ziemlich entspannt.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Dienstag



Kein guter Tag. Ich wache heute Morgen mit Gelenkschmerzen in den Fingern auf. An den Beinen oder Füßen wäre das schlüssiger. Aber die Hände? Gestern verbrachte ich den Tag in Meran, kaufte mir einfach was mir gefiel und war gesamt drei Stunden mit dem Bus unterwegs.

Ich stehe auf, koche mir einen Kaffee, sitze am Tisch, und erfahre vom Tod des Herrn Tom Petty. Für mich ein genialer Songwriter und Sänger, der mich ziemlich intensiv durch die Achtziger begleitet hat.
Just in dem Moment versagt mein rechter Daumen, baumelt ungefragt durch den Tassenhenkel und mein Kaffee landet frech auf dem Küchenboden.

Ich beschließe für den Rest des Tages im Bett zu bleiben und lese meinen 618 Seitenroman zu Ende. Anfangs hatte ich mich besonders mit der Hauptdarstellerin identifiziert, ohne die dieser Roman niemals zustande gekommen wäre. Bis sie ungefähr im vorletzten Drittel starb.

Heute las ich dann mit Verwunderung folgende Zeilen:

„ Er verließ die Brenner-Autobahn bei Meran und nahm die Superstrada zum Timmelsjoch, über aberwitzige Serpentinen auf zweieinhalbtausend Meter hinauf. Eine Mondlandschaft, felsig und einsam, Abgründe und leere Mussolini-Bunker.“

Den Roman hat mir die Große zu meinem Geburtstag geschenkt. Ich wusste nicht, worum es geht. Manchmal glaube ich daran, dass das ganze Leben bereits für jeden einzelnen vorgeschrieben ist und manchmal bemerken wir es und manchmal eben nicht.

Gute Reise.


Sonntag, 1. Oktober 2017

Sonntag



Als ich heute Morgen erwachte, war alles in einen undurchsichtigen Nebel verhüllt. Ich schaute aus dem Fenster, dann drehte ich mich wieder um und schlief wieder ein. Die Träume der Nacht waren eine aneinandergereihte Folge meiner Wanderungen im Hochgebirge. Ich träumte, wie ich mich mit vielen Menschen an einem hochragenden Baumstamm festhielt, und plötzlich nach vorne wippte, wieder zurück und ich betete stumm, dass sie sich nicht bewegen sollten. Mir war schwindelig.

Der Nebel hatte sich vorgenommen, den ganzen Tag stillschweigend zu bleiben, und ich, war in der Wohnung mit mir und ihm allein. Ich schloss das Handy und ließ jedem Gedanken, der mir durch den SINN ging, freien Lauf. Ich spürte Gefühle, die ich in meinem Alltag niemals zulasse, weil sie keinen Platz haben dürfen, weil sie mich ablenken, weil sie nicht sein sollen, keine Ahnung was, einfach weil.

Ich verspürte Sehnsucht. Sehnsucht nach meinen Kindern. Das erste mal, dass sie mir fehlten. Ich stolperte über Gedanken meines Mannes, warum das so ist, wie es ist, während ich den Nebel stillschweigend vor meinem Balkon in Ruhe ließ. Ich dachte an meine Arbeit, die mir ja eigentlich gefällt, absonderlich, manchmal, aber doch im Grunde nicht schlecht ist. Ich dachte an meine Brüder, die genauso gefangen sind, in ihrem Sein.

Als ich auf dem Balkon in der milchigen Suppe eine Zigarette rauchte, sah ich die Wirtin, wie sie hektisch in den Kuhstall lief. Es geht los, rief sie und ich zog meine Wanderschuhe und Jeans und ein altes Sweatshirt über und eilte in den Stall. Eine Kuh war kurz davor zu kalben und wie versteinert, total fasziniert schaute ich dem Wunder zu.

Der kleine Hund sprang zwischen unseren Beinen herum und jagte die zutrauliche Katze nach draußen. Der laute Gesang der Kühe hallt immer noch in meinen Ohren. 

Ich stöbere noch durch den Gemüsegarten. Und habe noch eine Flasche Rotwein.

Mir fällt ein Satz ein:

„Heimat ist, woran das Herz hängt.“ Plinius