Freitag, 29. September 2017

Freitag



Heute 200 Höhenmeter durch eine Landschaft angestiegen, in der ich das Gefühl hatte im Hochgebirge Kanadas zu sein. Etwas mulmig wurde mir, als sich links von mir eine Schlucht befand, und ich weiter über einen gerade mal 70cm breiten Wanderweg musste. Ohne Absperrung, einfach nichts. Dafür traf ich in den Höhen Pferde und glasklare Seen. Dreieinhalb Stunden unterwegs, ich spüre meine Oberschenkelmuskulatur.

Jeden zweiten Tag melde ich mich bei meiner Familie.

Ansonsten genieße ich die Einsamkeit.

Donnerstag, 28. September 2017

Donnerstag

Wann habe ich das letzte mal einen ganzen Tag in der Sonne auf dem Balkon gesessen und einen tollen Roman gelesen?

Heute.

Sehr geil.

Mittwoch, 27. September 2017

Mittwoch



Sonne über den Bergen, darauf habe ich gewartet. Der Gastwirt bestätigt mir, dass es heute beständig bleibt. Ich koche mir einen Kaffee und fange an, meine Liste zu bearbeiten.

Das erste Schlagwort: Höhenangst-Desorientierung

Ich packe Wasser, Proviant, Geld und Mut ein und fahre zur nächsten Seilbahnstation. Ich bin froh, dass die Kabinen geschlossen sind. Es geht 1000m nach oben. Ich spüre mein Herz, schaue mich um, scheiße ist das hoch. Oben angekommen, werde ich für diese Hürde entschädigt. Was für eine Landschaft. Da ich eine absolute geographische Niete bin, ich verfahre mich sogar in meiner Heimatstadt, mache ich Fotos von den Holzwegbeschreibungen und suche mir eine für mich angemessene Route aus. 2620m. Die Welt da unten ist so klein. Und ich bin es auch.

Drei Stunden laufe ich durch Lerchenwälder und Bergwege. Manchmal sind die echt schmal und links neben mir geht es rasant steil ab. Ich laufe weiter. Genieße die Einsamkeit, und die Stille.

Auf der Innerschwemmalm gönne ich mir einen heißen Grog, weil ich leicht friere.

Danach geht es wieder runter. Einkaufen. Heiße Dusche. Ein Rotwein. Geschmortes Brot mit roten Zwiebeln, Knoblauch, Speck, Tomate aus dem Garten und überbackenem Bergkäse. 

Höhenangst und Desorientierung: Haken dran.

Dienstag, 26. September 2017

Dienstag



„Du kannst dir das Gemüse aus dem Garten holen, wenn du magst.“ Ich bedanke mich bei dem jungen Landwirt und stöbere durch das Gemüse gemeinsam mit seinem kleinen Hund. Der angepriesene Rhabarber entpuppt sich als Mangold. Gestern gab es dann ein Hüftsteak mit Kartoffel-Sellerie Stampf und heute Mangold mit Salzkartoffeln. Lecker. Heute vier Stunden gewandert. Danach eine heiße Dusche, weil ich jeden Muskel spüre. Die Zeitentschleunigung hat in jedem Fall schon funktioniert. Und das Wetter spielt auch mit. Gut so.

Montag, 25. September 2017

Montag



Von Füssen ging es dann gestern weiter durch Österreich und trotz Sommerreifen fuhr das Auto problemlos über das Timmelsjoch. 2509m über dem Meeresspiegel, und eine Landschaft, die einem anderen Planeten gleicht. In jedem Fall sehenswert. Und kalt. Ein Temperaturunterschied von 12°, was jetzt nicht so schlimm war, hatte eine dicke Jacke im Auto.

Durch Meran und schließlich um 14.00 Uhr den Hof gefunden. Mitten in den Bergen.
Gut geschlafen und nun wird die erste Route ausgesucht.

Am Freitag hatte ich mich noch für die Höhenmeter etwas frisieren lassen. Der Arzt meines Vertrauens fand die Idee, dass ich mich in Höhen aufhalten werde, jetzt nicht ganz so gut. Ich gab ihm 600ml Blut und versprach viel Wasser zu trinken, und meinte, wer einmal die Berge geatmet hat, der wird süchtig. Er grinste mit den Worten, passen sie auf sich auf.

Samstag, 23. September 2017

Samstag



Die Autobahn war frei. Gut durchgekommen, zwei Mal Rast gemacht. Erster Boxenstop in Füssen. Zwei Stunden gelaufen, nachdem ich mein Einzelzimmer bezogen habe. Gemütlich. Die Sonne schien, einen guten Kaffee mit Schuss getrunken und lecker gegessen.

Und Morgen früh geht es dann weiter nach Norditalien. Ich liebe dieses Gefühl von Freiheit.

Donnerstag, 21. September 2017

Donnerstag



Eine alte CD mit gesicherten Daten in meiner Unordnung gefunden und Stunden gelesen, und noch einmal durchlebt. Ein wahrhaft lebendiges Leben. Geträumt, gelacht, geweint und gestaunt. Die Federn die man lässt werden zu Weisheiten. Was bleibt. Eine aufgeräumte Einstellung in einer ungeordneten Wohnung. Schön ist es anzusehen. Ich freue mich auf den Wanderurlaub. Introvertiert sein, mit viel Ruhe lässt das Jucken in den Gehörgängen einschlafen. So wie diese Woche.
Heiterkeit trotz grauem verregneten Montag. Popkorn springt aus der Pfanne in die Küche und wir fangen sie mit unsern Mündern ein. So wie die bunten Bausteine im Tetris. Und was kommt dann? Ein Erdbeben, oder ein Attentat. Schokolade schmeckt auch geschmolzen gut, und ändert nichts an der Tatsache, dass die Flecken nicht mehr rausgehen.

Zu Zweit auf dem Sofa sitzend, fast schon wie ein altes Ehepaar. „Weißt du eigentlich, dass ich dich liebe?“ Meine Buchstaben schwimmen aus dem Mund in das Wohnzimmer und tanzen in der Atmosphäre, wie Staub im Sonnenlicht. „Nein, das wusste ich nicht, aber es berührt mich, wie du es sagst, dass du es sagst. Und jetzt erzähl endlich, wer ist es?“

Ich fange an die Geschichte zu erzählen, bewusst, dass ich sie nicht mehr ins Leben schreiben muss, weil sie längst da ist, während er mir zärtlich den Rücken streichelt.

Heute das erste Mal wieder im T-shirt gearbeitet, ohne Angst, man könnte etwas sehen.

Und trotz aller Gelegenheiten, Küsse und Berührungen, Begegnungen und buntem Tetris Spiel, ist es gut so wie es ist.


Weiße Westen gibt es nicht. Das wäre auch zu fad. 


Dienstag, 19. September 2017

Dienstag



Ich glaube ich wäre tot unglücklich, wenn man die Zahlen nicht erfunden hätte:

540 Minuten tief und fest geschlafen.
60 Minuten zu spät zur Sitzung gekommen.
2 kg abgenommen.
2L Wasser und Tee getrunken
62 Stunden, dann geht es los.
33 Tage bis ich endlich umarmen kann.
100 km kann ich noch mit dem Auto fahren, bevor ich wieder tanken muss.

Irgendwie ein seltsamer Tag heute. Aber ich denke nicht weiter drüber nach. Habe einfach zu viel Vorfreude auf das, was noch kommt. Außerdem habe ich für mich entschlossen, dass ich die Welt nicht retten kann. Also bleibt noch eine Menge Zeit für mich übrig.

Dienstag

Irgendwie heute so gar nicht im Arbeitsmodus.
Und dann noch fünf Stunden.


Samstag, 16. September 2017

Samstag



Vor vier Wochen fuhr ich mit ihr zum Möhnesee. Es war ein sonniger Tag und sie lud mich ganz schick zum Essen ein. Zwei Wochen später besuchte ich sie nach der Arbeit, und sie erzählte mir, wie jedes Mal wenn wir bei Kaffee, Tee und Kuchen auf ihrem Balkon saßen, Anekdoten aus 100 Jahren. Jede Geschichte ihres Lebens, habe ich mit einer Faszination aufgenommen und mir bildlich vorgestellt. Wir lachten, diskutierten, sie wies mich in die Schranken, wenn ich zu vorlaut wurde, und ich lachte über sie, wenn sie es mir gleich tat, weil sie gerade das Gefühl des Ungehaltenen hatte.

Heute nahm ich sie mit, mit zum Einkaufen, mit in das Restaurant, zum Friedhof meiner Oma, in meinen Mittagsschlaf. Im Auto ließ ich Jonas Kaufmann für sie ganz laut spielen, und ich sah sie lächeln, und wusste, dass es ihr gut geht.

Seit gestern Abend um halb zehn weiß ich, dass sie gestorben ist. Ein schneller Tod, den wir uns sicher im Alter alle wünschen. Ich saß auf meiner Bettkante, lächelte und dachte, nun hat sie ihren letzten Willen bekommen.

Nächste Woche wäre sie an den Bodensee gefahren. Nun hat sie eine andere Reise angetreten. Sie lebt in mir mit ihren 100 Geschichten, einer Jonas Kaufmann CD und zwei Büchern weiter.

P.S. Machs gut, meine Liebe. Und solltest du die Drachentöterin treffen, dann streitet euch bloß nicht. Ihr seid aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Donnerstag, 14. September 2017

Donnerstag



Seit langem ein normaler Tag. Nette Gäste, heute Morgen mit dem Gatten einen Kaffee getrunken. Freude darüber, dass Püppi wieder anfängt, Fußball zu spielen. Sie ist begnadete Fußballspielerin. Die Große wird weiter studieren. Der Große fliegt in den Süden. Und ich habe gerade just in diesem Moment innere Ruhe. Mehr verlange ich nicht.

An meinem „Anders denken“ kann ich nicht viel schrauben. Das wird immer so bleiben.
Aber Tage, an denen ich mich gefangen habe, das sind gute Tage. 

Und dann war da noch:

"Hey, ich verstehe kein Wort von eurem Türkisch."
"Zucker, türkisch ist leichte Sprache, wirklich."
"Echt?"
"Ja, ist nicht wie deutsche Sprache, kompliziert. Türkische Sprache ist Sätze, lesen wie schreiben. Nicht wie deutsch. In deutsch Worte durcheinander und Buchstaben nicht so lesen, wie türkisch. Buchstaben durcheinandergewürfelt und ganz kompliziert, nicht lesen können."

"Süße, du meinst die Grammatik."
"Ja, Grammatik, ganz ganz schwer."   

"Zigarette?"
"Ja, danke Zucker."
"Wann fliegen du mit mir nach Istanbul?"
"Wann du willst. Egal."
"Gut, wir machen schöne Zeit. Ich zeigen dir Istanbul."

Ok, denke ich. Und dann fällt mir etwas ein:

Alle Schnecken haben Häuser.
Alle Häuser haben Schornsteine.
Schlußfolgerung: Deshalb haben alle Schnecken Schornsteine.
a) stimmt
b) stimmt nicht 







Mittwoch, 13. September 2017

Mittwoch



Und auch heute kompetent abgeräumt. Geschafft. Chef zufrieden, Arbeitsmarathon beendet fürs erste. Und niemand hat mitbekommen, dass ich gedanklich durch die Hölle gegangen bin.

Mein Gehirnwartungsexperte darf schon jetzt in Urlaub gehen, ich gehe Ende nächster Woche. Die Berge rufen. Es wird einfach nur still und sorgenfrei, keine Ängste, Laufen durch diese unglaublich große Welt. Ich fühle mich immer so klein, wie ein Minimi, aber trotzdem in der Natur geborgen. Und nur für mich SEIN.

Bemerke seit ein paar Tagen, dass die Schmerzen fort sind. Jetzt habe ich so viel ausprobiert, dass ich den wahren „Held“ der Schmerztherapie nicht ausfindig machen kann. Aber ich tendiere zu einer Kombination, aus Vampirarzt und Tropfen.

Gestern Abend dann kurz das Gespräch mit dem Nachbarn gesucht. Eigentlich wollte ich mich erklären, aber er meinte nur:“ Zucker, es ist nichts passiert, wofür du dich rechtfertigen musst. Versprich nur, dass du zu mir kommst, bevor du dir weh tust.“
Für einen Moment überlege ich, was ich noch anhatte, in der Nacht.

Gerade gefühlte 40 mit echter Entspannung.

Dienstag, 12. September 2017

Dienstag



Vier Stunden Sitzung. Zwischendurch eine Zigarettenpause und aufatmen. Ich hatte Freitag und auch gestern im Homeoffice anscheinend zwei gute Tage. Die Bastelei an der Tabelle hatte sich gelohnt. Ich ging zwar heute Morgen in der Männerrunde davon aus, während ich den Kladderradatsch vorstellte, dass die Hälfte nicht wusste, wovon ich rede, aber mein Gehirnwartungsexperte beruhigte mich immer wieder zwischendurch mit sanften Flüstern, und so hielt ich das aus.

„Zucker, gute Arbeit, echt.“ Der Chef lächelte mich an, und ich dachte, hey, mind. 80%. Es ihm Recht zu machen, ist fast schon unmöglich. „Man könnte meinen, du hast sonst keine Hobbys“, lachte er und klopfte mir auf die Schulter.

Ich hatte wieder die Bilder der letzten Woche im Kopf. Wenn du wüsstest, dachte ich, verabschiedete mich ins Büro und verließ das Gelände.

Morgen dann Teil II. 

Wussten sie, dass es in Colorado einen § gibt, der besagt, dass es in Denver untersagt ist, an Sonntagen schwarz lackierte Autos zu fahren.

(Und das, wo mich schwarze Autos so anmachen)

Sonntag, 10. September 2017

Sonntag



Es würde ihr gut tun, wenn sich trotz aller Widrigkeiten, wieder etwas Normalität in ihrem Leben ankündigen würde. Sehr durcheinander das alles. Und sehr suspekt und so unkontrollierbar, plötzlich. Sie versteht es im Moment selbst nicht. Völlig emotionslos, auf Krawall gebürstet, fremd knutschend und vögelnd, aber alles nur so halb.

So wie sie Früchte alleine isst, halb. Niemals macht sie etwas zu 100%. Maximal kommt sie auf 60%. Nur bei der schönsten Sache der Welt, schafft sie nicht mal annähernd 30%. Ihr wäre es auch eigentlich lieber gewesen, dass es gar nicht so weit gekommen wäre. Aber wer das „Rosi-Projekt“ kennt, der weiß, was es heißt, ein Projekt gnadenlos autistisch durchzuziehen, um am Ende zu kapieren, dass es immer anders kommt, als man vermutet, berechnet, erhofft. Sie hat sich freiwillig dazu entschlossen, die Versuchsperson für dieses homöopathische Mittelchen zu sein.

Und so muss sie mit Verwunderung feststellen, dass der Nachbar mit dem französischem Akzent, verdammt verführerisch küssen kann. So stand das aber nicht in der Gebrauchsanweisung. Vier Probanden, davon am Schluss zwei mit einer Überdosierung. Herzlichen Glückwunsch.

Der Kopfschmerz lässt mich aus einem tiefen, traumlosen Schlaf erwachen. Der Gatte steht schon wieder in der Tür meines Schlafzimmers Ich hasse das und will um exakt 10:30 Uhr wissen, wie das Kaninchen gemundet hat, warum ich erst nach 1:00 Uhr im Bett war und ich möchte ihn doch bitte frei parken. Woher weiß der so was?

Ich sortiere meine Knochen und fahre gefühlt völlig stoned meinen Wagen weg. Ich spüre Muskelkater in den Oberschenkeln, danach fällt mir alles wieder ein. Ich stürze zurück in meine Wohnung und hoffe, dass mein Nachbar noch schläft und sich nicht erinnern kann. Aber wenn ich das kann, dann kann der das auch.

Ich notiere in unser Projektbuch: Überdosierung hat angeschlagen. Haken dran.
Sehr gespannt, wie das Zeug mit Schmerzen umgeht.
Edit: Im absolut nüchternden Zustand, abgefüllt mit Tee, fällt mir ein Satz der drei "Rosi-Projekt" Versuchskaninchen ein, nachdem ich  meinen zukünftigen Auszug erwähnte:" Zucker, wenn du ausziehst, dann geht das Herz dieses Wohnhauses."

Der Schlüssel der neuen Wohnung weilt derweil schweigend in meiner Tasche.

Ich an mich: Du weißt nie was dich erwartet, trotzdem gehst du weiter und dann sagst du dir, dass du Überraschungen hasst.

 

https://www.youtube.com/watch?v=APjXmmuxx2E 


 

Mittwoch, 6. September 2017

Mittwoch



Leise Musik im Hintergrund.
Der Regen prasselt auf die Scheiben.


Faszinierend wie das Erstellen einer Excel Tabelle mit unterschiedlich eingebauten Formeln beruhigt.



Dienstag, 5. September 2017

Dienstag



Vor mir liegt die „bodo“ Das Strassenmagazin, verkauft von Obdachlosen. Ich kaufe sie heute für 2,50€, um meinem selbst so schlechtem Gewissen zu entgehen. Meiner Scham mir gegenüber, weil ich den ganzen Tag im Kopf hatte, dass ich gestern Abend rückfällig geworden bin. Ich hatte keine Chance. Es kam so unverhofft, ich kann mich nur vage daran erinnern, aber am Morgen spürte ich die Nachwehen. Bis gestern hatte ich mich immer gut im Griff. Absolut überlegt und kontrolliert. Im Sommer absolutes no go. Das Gehirn rattert. Leider zu spät. Stellen, die man immer verdecken kann. Ich hatte es so gut im Griff. Bis gestern. Jetzt habe ich ein Problem. Es darf auf keinen Fall warm bleiben. T-shirt geht nicht. Ich muss die Massage absagen. Dieses mal geht es gar nicht, weil, und bei dem Ergebnis fange ich an, minutenlang zu überlegen, warum das passieren konnte, weil, es den ganzen Arm betrifft. Es trifft mich, weil ich es, eine sehr lange Zeit im Griff hatte. Es trifft mich aber noch mehr, dass ich es nicht steuern kann. Wieder einmal versagt meine Kontrolle.

Für einen Moment überlege ich, ob ich mir endlich professionelle Hilfe suche. Dann wieder verwerfe ich es, weil ich weiß, was da vor sich geht. Ich kenne die Ursachen, ich kenne meine Defizite, aber ich fühle mich wie in einem Labyrinth und irre umher, finde nicht den richtigen Weg.Und ich zweifele daran, dass irgendein Psychologe, der vermutlich in seinem eigenen Familiendreck steckt, mit wirklich helfen kann.

Heute Nachmittag fahre ich zu meinem besten Freund. Wir lachen, trinken einen Kaffee zusammen und er berührt mich an meinem Rücken. Ein schönes Gefühl ist das. Und ich würde am liebsten dabei einschlafen. Die Müdigkeit, diese Erschöpfung, weil die Emotionen und die Angst sich am Abend zuvor paarten, ist so gnadenlos, das kann man sich nicht vorstellen.

Ich bin am Ende froh, dass ich fahre. Ich schäme mich, wenn er es ertasten würde, wenn er es sehen würde, wenn er sagen würde:“ Scheiße, Zucker, ich dachte das wäre vorbei.“

Ich fahre nach Hause und hoffe, dass es die Tage für Langarm reicht.

Und eigentlich bin ich ganz anders, aber ich habe so selten die Gelegenheit dazu. Und irgend jemand scheint meine Schuhe zu tragen und glücklicher zu sein.

Montag, 4. September 2017

Montag



Sonntag schaue ich mir die nächste Wohnung an.
Auf meinen Vorschlag, Püppi könnte ja dann eine WG in der jetzigen Wohnung aufmachen, kam subito die Antwort:“ Ne, dann zieh ich wieder rüber und wir vermieten die Wohnung.“
„Gut.“ Wäre das geklärt.

Irgendwas läuft schief. Statt dass der Sohn heute Abend hilft, bekommt er vermutlich meinen Aushilfslohn, damit er sich in D’dorf ein Designerhemd kaufen kann. Dafür darf ich heute Abend rennen, und rennen und rennen. Und als ich höre, wie der Gatte einem Kunden erzählt, dass sich sein Sohn zu einem Gigolo entwickelt, lasse ich das volle Tablett mit den Gläsern einfach auf den Boden fallen, schaue ihn an und erkläre ganz ruhig, dass er sich nicht dazu entwickelt hat, sondern sein Vater ihn dazu erzogen hat. Der Kunde schaut mich an und meint ich hätte zu leise gesprochen, ich schaue ihn an und erkläre ihm, dass die Menschen nicht zuhören, wenn man zu laut ist, und wenn er es nicht verstanden hätte, wäre das auch scheiß egal.

Püppi hat natürlich die Bildzeitung informiert. Auf jeden Fall kommt die Prinzessin vorhin noch rüber und fragt ganz unschuldig, wie es denn gewesen wäre. „Es war wie immer tote Hose“, antworte ich, und sie schaut mich an und meint:“ Ich wollte dir Gute Nacht sagen, Mama, lass dich mal umarmen.“ „Auf Keinsten, ich muss erstmal duschen und meine Knochen sortieren. Und schreib deinem Bruder mit dem Reiskorngehirn, er soll sein Auto nicht wieder vor die Mülltonnen stellen, sonst werden die nämlich nicht entsorgt.“

Als die drei vor zwanzig Jahren noch so klein, süß und unschuldig waren, habe ich vor vielen Dingen Angst gehabt, was ihre Entwicklung angeht, aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass sie dermaßen egoistisch, respektlos und unselbständig werden. Oder einfach nur so gnadenlos abgebrüht.

Und um diesem Text einen Unterstrich zu geben.

Ich bin eigentlich sehr traurig darüber. Und jetzt genehmige ich mir ein paar Tränen.

(Habe noch ein paar kleine finzanielle Minibaustellen, dann sollte es mit meiner Miniinsel klappen)


Freitag, 1. September 2017

Freitag

Professionelle Kommunikation im Büro

Azubine: "Wie lange kommst du mit deiner Rente über die Brücke?"
Ich:" Schätzchen, wenn ich über die Brücke gehe, brauche ich keine Rente mehr."

Tränen gelacht.