Mittwoch, 16. August 2017

Mittwoch



Ausgeschlafen. Kaffee bei dem kleinen großen Bruder. So gelacht. Heute Abend endlich Zeit für den Franzosen. Kids sind am arbeiten. Wir machen uns einen Abend, beginnend mit hässlichen Fotos. Wir sind Hulk und Cat und danach skypen wir. Rotwein trifft auf Weißwein und Probleme, die nicht da sind, werden einfach aus dem Gespräch geworfen. Und alle Farben des Schönseins werden einfach an die Leinwand gehängt und der Humor trifft noch einmal mit einer gelben Farbbombe. Ich lache so laut, dass der Nachbar mit dem französischen Akzent das nicht hören kann, weil er gerade irgendetwas mit einer Schleifmaschine bearbeitet und ich irgendwie froh darüber bin.

Ergänzen zwischen zwei Menschen ist wie eine Handgranate, der man den Draht entzieht und sie in Pappmachee einwickelt. Punkt. 


Dienstag, 15. August 2017

Dienstag



Von meinen bis jetzt 120 Stunden Urlaub habe ich:

-          70 Stunden geschlafen
-          4kg abgenommen
-          6 Stunden gesprochen
-          5 Stunden Nahrungsaufnahme
-          10 Stunden für das Wohlbefinden in der Wohnung gesorgt
-          2 Stunden Kino
-          6 Stunden shopping
-          15 Stunden gelesen (Blogs, Bücher und eine Betriebsanleitung)
-          0 Stunden gelangweilt
-          6 Stunden Sport



Urlaub ist doch was feines.

Montag, 14. August 2017

Montag



In zwei Jahren haben wir Silberhochzeit. Unsere erste Tochter wurde in der Nacht der Silberhochzeit meiner Eltern gezeugt. Daran erinnere ich mich noch. Er wird in zwei Jahren in sein Land gehen, sagt er, und ich werde ihn nicht zurückhalten. Wir sind zwei Papiermännchen, wie unsere Ehe auf dem Papier. In all den Jahren sind wir nur zusammengeblieben, wegen der Kinder. Das kann man als traurig ansehen, oder eben als Verantwortung. Ich empfinde es als traurig. In all den Jahren gesucht und nicht gefunden. Wir waren uns untreu, wir gruben unsere Untreue tief in eingemachtes Obstglas und nach Außen konnte die Fassade nicht bröckeln, weil wir immer wieder die kleinen Risse mit Gips versiegelten und kerzengerade durch das Leben gingen.

Jeder auf seine Art. Ich bin froh, dass er diese Silberhochzeit nicht feiern möchte, denn das wäre ein Verrat unserer Hochzeit, die wir auch nicht gefeiert haben und die Gewohnheit macht doch dann auch keinen Unterschied mehr. Als Papiermännchen muss man schon Acht geben, dass man nicht unter die Räder kommt. In diesem Fall hätte ich zu viel Angst davor, in eine Regentonne zu fallen und völlig durchnässt, nackt, in mich zusammen zu klappen.

Es wird langsam Zeit, dass ich mir eine andere Kleidung zulege. Etwas Robusteres. Papier habe ich zu lange getragen und daran herumgezupft und mich nicht wohl gefühlt.

Und ich bereue nicht die Dinge die geschehen sind. Ich würde es bereuen, wenn ich nicht weiter nach vorne blicke und nicht aufgebe.

Samstag, 12. August 2017

Samstag



Vor zwei Tagen hatte ich ihm eine Ansage gemacht. Das kommt sehr selten vor, aber wenn dann knallt es. Heute kam er, zu einer recht für ihn unangemessen Zeit, nach Hause. Zu mir. Und wir redeten. „So funktioniert das nicht.“ „Wieso?“ „Die Kinder arbeiten für dich und du beschimpfst sie, und schmeißt sie raus. Sie bekommen kein Geld, weil du alles unter deine Fittiche nimmst. Vergiss es.“ „So muss das sein.“ „Nein. Es geht nicht nur um Schimpfen und rauswerfen. Du musst sie auch mal loben. Ihnen das Geld geben, das sie sich durch die Arbeit verdienen.  Sie müssen lernen, mit ihrem verdienten Geld selbst klar zu kommen. Gib ihnen diese Chance. Ansonsten kommen die nicht mehr wieder.“

Kurz danach spricht er mit Püppi. Sie ist die schlauste. Ich halte mich aus dem Gespräch raus.

„Hey Mama, ich habe einen Deal mit Papa.“
„Ok.“
„Was hast du mit ihm besprochen.“
„Nicht der Rede Wert.“  

Es hat funktioniert. Sanftes Agieren zwischen Menschleben.

Ein guter Tag.  


Donnerstag, 10. August 2017

Jetzt



Bilanz der letzten 28 Stunden:

Gestern Abend kam Anna nach der Arbeit noch vorbei. Ich nahm mir vor das Essen vorzubereiten. Geplant war:
Ein Ofenkäse
Ciabatta mit Oliven
Zwei verschiedene Dips
Ein Gurkensalat mit Avocado und Zwiebeln

Alles lief nach Plan, bis ich den Käse nach zehn Minuten aus dem Ofen holte, ihn mit einem scharfen Messer anschneiden musste. Das gelang mir noch. Ofen wieder geöffnet, Käseschachtel in die Hand, und dann machte es platsch und der Käse fiel mir ungefragt, natürlich mit der typischen Marmeladenbrotseite auf den Boden, zerlief graziös und paarte sich mit den Hundehaaren auf meinen sich fies lachenden Fliesen. Just in dem Moment klingelte Anna.

Statt Käse gab es dann Gemüsebällchen aus der Pfanne. Wir wurden jedenfalls satt.

Heute Morgen brühte ich mir einen frischen Kaffee. Ich musste mich nur mit einer minimalistischen Bewegung nach links drehen, und mich auf einen Stuhl setzen. Der Kaffee schwappte über und tropfte auf die Fliesen.

Heute Abend waren es drei Gläser Wasser. So langsam beunruhigt es mich. Nachdem ich meine acht Monate alte Nichte heute Nachmittag auf dem Arm hatte und mit ihr spielte, konnte ich mir später nicht einmal eine Zigarette drehen.

„Einen Kaffee bitte.“
„To go?“
„Nein to stolper und kipp on the t-shirt please! Und with extra Schaum.”

Donnerstag

U-nglaublich
r-ruhig
l-ang
a-ngenehm
u-rplötzlich
b-edingungslos



Mittwoch, 9. August 2017

Mittwoch

In Anbetracht dessen, dass ich heute allein im Büro bin, gönne ich mir jetzt erstmal eine Pause.

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. ~ Mahatma Gandi

Dienstag, 8. August 2017

Dienstag



Ich bin so nah dran und doch so weit davon entfernt. Der Franzose ist jetzt für August in einen Wohnwagen umgezogen, weil seine möblierte Wohnung für Touristen vermietet ist. Jedes mal wenn er mir Bilder schickt, wünsche ich mich an den Atlantik. Das sind die Erinnerungen, und die einfachen Dinge des Lebens, wie ich sie gerne hätte.

Heute Morgen wurde ich um sechs von meinem Wecker geweckt. Danach schlief ich noch einmal ein. Um zwanzig nach sechs fing ich an zu träumen. Das war wirklich ein geiler Traum und ich hatte für einen Moment, als der Wecker schlussendlich um viertel vor sieben noch einmal klingelte, das Gefühl, er hätte hinter mir gelegen. Hatte er. Ich in meinem Bett, er in seinem Wohnwagen, und beide hatten wir denselben Gedanken. Sex.

Gedanken. Das Wetter war heute gedanklich grau. Punkt.

Was sonst noch so passierte:

SMS vom Nachbarn mit dem französischen Akzent: Habe heut im Angebot, Leber, Kartoffelstampf und geschmorte Zwiebeln. Also ich kann dazu definitiv nicht nein sagen.

Ich esse bei ihm, bei mir gibt es Kaffee und Veranda.

Läuft. 


Ich muss das Lied einfach nochmal bringen, weil es meine Zukunft ist.

Wussten sie dass es einen § in Massachusetts gibt, der besagt, dass es verboten ist ins Bett zu gehen, wenn man zuvor kein Vollbad genommen hat.

Ups, ich muss die Nacht durchmachen.

Montag, 7. August 2017

Montag



Der Kirschbaum vor meinem Küchenfenster ist ein echter Mammutbaum geworden. Sehr schön. Ab Mittwoch habe ich endlich ein bisschen Urlaub.

Ich freue mich. Den Vampirtermin habe ich verlegt. Ich habe keine Lust. Vielleicht gehe ich gar nicht mehr zu dieser Therapie. Irgendwie fehlt mir der Sinn.

Vielmehr Sorgen mache ich mir um den Bruder. Wer schon mal jemanden angetroffen hat, in einer solchen Situation, wenn die Ärzte sagen, diese Nacht hätte der Mensch nicht überlebt, der möchte das nicht noch mal. Mir macht Das Angst. Ich habe noch diese fassungslose Stimme und diese Hilflosigkeit meines Vaters im Kopf, als sie ihn in seiner Wohnung fanden, weil wir alle keine Nachricht mehr von ihm bekamen. Und ich fuhr sofort los, als ich ankam, nahm mich ein 1.86m großer gestandener Mann weinend in den Arm und ich hatte das Gefühl, er verzweifelt im Hier und Jetzt. Und diese Angst in den Augen meiner Eltern. Dieses Gefühl der Ohnmacht.

Dann denke ich manchmal, dass es vielleicht doch etwas Heilung bringt, wenn man seine Haut ritzt, oder einfach nur ohne Ende arbeitet. Wenn man arbeitet, hat man keine Zeit über negative Dinge nachzudenken, weil man die ganze Zeit beschäftigt ist. Auch wenn ich es manchmal verfluche, nach der Arbeit bin ich zwar erschöpft, aber meine Gedanken sind im Reinen.

Und Dutzen und Sietzen ist völlig überbewertet und bedarf keiner Diskussion. Das entscheidet man einfach selbst.

Als ich heut auf dem Weg zur Arbeit an einer Tankstelle hielt, weil ich Tabak brauchte, sagte die Verkäuferin zu mir, „Hey, ich wünsche dir noch einen schönen Tag,“ Und ich erwiderte im gleichen Text.

Probleme sehen anders aus.

Wussten sie, dass es in Utah einen § gibt, der besagt, dass wenn ein Krankenwagen im Einsatz ist, darf im hinteren Bereich des Fahrzeugs unter keinen Umständen Sex statt finden. 

Sonntag, 6. August 2017

Sonntag



Projekt „Auszug“ muss ich leider noch einmal neu planen. Leider wollte sich die Vermieterin nicht darauf einlassen, dass ich mich nicht sofort ummelde. Da ich jedoch an meiner Steuerklasse hänge, kann ich mir eine Ummeldung nicht leisten. So ist das. Dafür haben sich alle Familienmitglieder, seit sie von meinem Vorhaben wissen, die Gürtel enger geschnallt und im Moment jedenfalls herrscht Frieden on earth. Gut.

Monsieur francaise meint es anscheinend wirklich ernst. Hoffentlich kriege ich das Kino hin. Ich habe noch zwei Monate um den Hüftspeck wegzuatmen. Abwarten.

Am liebsten wäre mir im Moment eine einsame Insel. Die ganze Woche durchgearbeitet. Heute dann vom kleinen Bruder eine Nachricht bekommen. „Hey große Schwester, wenn wir nächstes Jahr in den Urlaub fahren, sorgst du dafür, dass es lustig wird?“ „Klar, ich habe da schon eine Idee.“ „Super, auf dich ist Verlass.“

Nächste Woche dann erstmal Geschwistertreffen ohne nervigen Anhang. Depri ist schon wieder beim Großen eingeschlagen wie ein Meteorit. Wie ich das hasse. 
 



Sonntag

So schade eigentlich, dass ich niemanden finde, der mit mir mithalten kann.


Freitag, 4. August 2017

Freitag



Das Herz sagt,“Der Franzose ist ein sechser im Lotto.“ Der Verstand fängt an, laut zu lachen und sagt: „Du wirst es wieder versauen.“

Ich habe es heute geschafft den ganzen Tag nicht zu kommunizieren. Das ist ein absolutes Gefühl der Gleichheit. Ich liebe das. Ich höre nur zu, und rede nicht. Der Koch zieht an meinem Ohr und lacht. „Was ist mit dir, Zucker.“ Ich denke nur, don`t touch me. Danach essen wir. Er weiß nichts von der SPS. Er kann sich nicht erklären, warum ich nichts dagegen habe, dass er sich mit Freunden trifft und es mich völlig locker lässt. Das ist einfach so.

Und dann denke ich, klar ich werde das in den Sand setzen, weil er nicht verstehen kann, wie ich ticke. Ich liebe es, wenn man mir meine kleine Insel gibt, in der ich alleine verweile, es macht mir nichts aus, wenn der Partner auf Tour ist. Ich kenne keine Eifersucht. Für mich sind die Menschen frei und sollten sich auch so fühlen.

Wussten sie, dass es einen § in Maryland gibt, der besagt,dass es im gesamten Bundesstaat verboten ist, Disteln anzupflanzen.

Ich hätte da gerade eine andere Idee.....

Donnerstag, 3. August 2017

Donnerstag



Den ganzen Tag geschlafen. Das war gut. Am Nachmittag mit dem Nachbarn mit dem französischen Akzent auf meiner Veranda überlegt, wie man meine Schmerztherapie so umfunktionieren kann, dass ich es als Öl einfach unter der Zunge zergehen lasse. Sehr gut. Heute Abend rufe ich meine fast hundert jährige Freundin an und muss mich entschuldigen, weil schon wieder mindestens vier Wochen ins Land gegangen sind. Sie fährt im September in den Urlaub, erzählt sie mir. Doch sie hat noch niemanden, der sie hinfährt. „Wann fährst du“, frage ich. Sie nennt mir das Wochenende und ich muss feststellen, dass ich an diesem Wochenende auch in Urlaub gehe. „Eine Woche früher kann ich dich nach Konstanz fahren, kein Problem.“ „Ok, ich regel das und sage dir Bescheid, und ich werde dich dafür gut bezahlen“ "Vergiss es, es wird mir eine Freude sein." Wenn das klappt, freue ich mich. Das wird eine abenteuerliche Fahrt. An den Bodenseee.

Ansonsten alles Essig

Mittwoch, 2. August 2017

Mittwoch



Der Kundenbesuch verläuft wie immer gut. Das Wetter hingegen schlägt mir gewaltig auf das Gehirn. Auf dem Weg zurück entscheide ich mich für Enigma, schön laut, und während ich die Autobahn beschmutze mit zu hoher Geschwindigkeit, genieße ich die Wolken.

Verdrängen. Ich denke die ganze Zeit an Verdrängen. Vielleicht hat sich die Rippe wieder eingerenkt, aber dafür spielt der Schmerz in meinen Synapsen. Ich überlege wie ich meine Identität auslöschen kann, lege mich in meinen Koffer, wie ein Embryo, ganz klein und denke, vielleicht reicht es ja, das Kofferschild einfach zu ändern. Ich nehme den kleinen Zettel aus der Folie und schreibe einfach einen anderen Namen drauf. Einfach so. Lege mich wieder hinein und versuche einzuschlafen. Aber der Koffer ist zu klein. Einfach zu klein und ich bekomme Platzangst. So viele Dinge, die einem Angst machen, denke ich und halte eine Taschenlampe auf mein neues Leben.

Am Ende rettet mich eine Dolormin extra. Es scheint unfruchtbar, das alles, jetzt in diesem einen Moment. Und nächste Woche dann wieder Vampiertag. Die Zeit rast. Und ich habe das Gefühl, dass mein Gehirnwartungsexperte nicht mit kommt. Aber rausschmeißen will ich ihn auch nicht, er kennt mich einfach zu gut. 

Habe dem Gatten gesagt, dass ich morgen nicht arbeiten kann. Ich würde gerne, aber leider machen die Knochen nicht mit.