Sonntag, 23. Juli 2017

Sonntag



Antriebslosigkeit gepaart mit innerer Unruhe ist eine beunruhigende Konstellation. Ich müsste dringend das Schreiben für die Familienkrankenversicherung fertig stellen, Strom überweisen, duschen, aufräumen. Ich MUSS und SOLLTE es wirklich tun. Stattdessen laufe ich wie eine Raubkatze im Käfig durch 68m², esse nur, weil der Magen leer ist, trotz fehlenden Appetits. Ich mag diese Tage nicht, an denen mich das Kornfeld vor dem Haus auslacht und in meinem Gehirn irgendetwas falsch läuft. Wenn man nicht reden möchte, hilft es auch nicht, wenn der kleine Bruder nachfragt, wie es einem geht. Oder die Einladung zum Kaffee, die man versucht freundlich abzuwinken,  das Telefonat, was am Abend ansteht, indem der Inhalt der besten Freundin darin besteht, wie das gemeinsame Wochenende mit dem neuen Typen angelaufen ist. Man spürt, wie die Sinnesorgane anfangen in eine Art Lähmungszustand zu fallen, und plötzlich ist man in einer milchigen Blase gefangen und will nur noch fort. Ausbrechen, Erbrechen, Einbrechen.

„Hey, was hast du angerichtet?“
„Zucker, werde nicht sauer, ich habe aus versehen deinen Progesteronspeicher beschädigt. Bin gerade dabei ihn zu flicken.“
„Super du Experte, das erklärt einiges. Wie flickst du ihn denn und vor allen Dingen, wie viel von dem Hormonzeugs ist in meiner Blutbahn gelandet?“  
„Ich habe die Blutgerinnung angekurbelt und das Leck schließt sich gerade. 2/3 müssten on Tour sein.“
„Wenn ich mich heute noch von der Brücke stürze, stürzt du mit, mein Lieber, das ist dir klar.“
„Ich zapfe deinen Serotoninspeicher an. Gleich geht es dir besser. Versprochen.“


Farbe. Grau
Zahl: 0
Form: Kreis


Spruch des Tages:
Wenn eine Frau auf dem Anzugkragen ihres Mannes ein verdächtiges Frauenhaar findet, so beweist das zunächst nichts anderes, als die mangelhafte Festigkeit fremder Haarwurzeln.

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