Montag, 31. Juli 2017

Montag



Der Gatte:
Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren darüber, ob es sich hier um ein Ablenkungsmanöver handelt, oder aber um gezielte Manipulation. In jedem Fall finde ich das sehr erschreckend.

Anna:
Ich nahm die Entspannung des gestrigen Tages mit in den Montag. Bis auf das nächtliche Unwohlsein, da Anna im Autofahren so gut ist, wie ich im Stricken. Und so übergab ich mich die Nacht zweimal und spuckte halb verdaute Süßkartoffeln, weil ich vergessen hatte, für die halbe Stunde Autofahrt eine Reisetablette zu nehmen. Das ganze wurde jedoch durch den sehr guten Kinofilm wieder wett gemacht.

Das Wetter:
Heute Morgen genoss ich trotz allem eine Tasse Kaffee auf meiner Veranda in der Sonne.

Die Musik:
Ich hörte das ganze Wochenende die Bollock Brothers, was heute in der Mittagspause dazu führte, dass ich nach Jahrzehnten einen alten Bekannten aus der damaligen Szene wieder traf. Er redet immer noch so viel wie damals, was dazu führte, dass ich innerhalb einer Stunde von seiner Trennung erfuhr, danach von seiner neuen kurzweiligen Beziehung, inclusive Einzelheiten, was die Sexpraktiken angingen. Wussten sie, dass Frischhaltefolie keine Striemen in der Haut macht, beim Fixieren? Ich wusste das bis heute nicht. Und schließlich verriet er mir, dass meine erste große Liebe Fische züchtet. Wie spannend dachte ich und rollte gedanklich die Augen.

Der Haushalt:
Mitten im Wohnzimmer liegt der Staubsauger. Ich breche mir fast die Knochen.

Das Wohlbefinden:
Der Gehirnwartungsexperte schraubt und schraubt und schraubt. Anscheinend immer noch am Lustzentrum. Unglaublich.

Spruch des Tages:
Genieße jeden Augenblick, aber pass auf dass du nicht an der nächsten Raststätte ausgeseztzt wirst.

Sonntag, 30. Juli 2017

Sonntag



Selbst aufgebrühter Kaffee – Spaziergang mit der weißen Dame – Sitzend auf der Veranda mit geschlossenen Augen – eine heiße Dusche – geplanter Kinoabend mit Anna.

Gemütszustand: gelassen
Farbe: gelb
Zahl: 8

Wussten sie, dass es einen § in South Dakota gibt, der besagt, dass nur wenn Pferde Schuhe tragen, dürfen sie das Gasthaus "Fountain Inn" betreten.


Freitag, 28. Juli 2017

Freitag



„Was hast du gemacht?“ Ich spüre Olgas Blick auf meinem Rücken, während ich mit meinem Gesicht leicht gequetscht auf der Massageliege krampfe. „Autsch, keine Ahnung, warum?“ „Du hast dir eine Rippe leicht ausgerenkt.“ Ich atme tief aus und bin froh, dass die Schmerzen keine Herzattacke sind. „Ich habe gestern von neun bis einundzwanzig Uhr gearbeitet, bin um zweiundzwanzig Uhr 70 km durch Nacht und Nebel zum Flughafen gefahren, um Püppi abzuholen und war um halb drei im Bett.“ „Zucker, das ist nicht gut.“ „Ich weiß.“

Jetzt bin ich für ein paar Tage stolze Besitzerin eines bunt gemixten Tapes.

Eigentlich sollte der Tag ganz anders aussehen. Ich hatte gefühlte dreißig zum Abschied eingeplant, wäre nicht falsch auf die Autobahn aufgefahren, und hätte mich angenehmen Dingen widmen können. Doch in einem Familienbetrieb kann das schon mal daneben gehen. Und wenn man jetzt ganz euphorisch meint,  dass die Autobahn zu nächtlichen Zeiten frei ist, falsch gedacht. Ich fuhr mindestens 40 km im stockenden Verkehr, weil irgendwelche Schwerlasttransporte die gesamte Fahrbahn einnehmen.

Und so wird aus gefühlte dreißig ganz schnell gefühlte sechzig und man will das nicht, aber man hat auch nicht das Rezept etwas dagegen zu tun. Und eigentlich würde man sich genau jetzt darüber dermaßen aufregen, und wie ein HB Männchen ausflippen, bis man feststellen muss, dass man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist, weil man einfach zu müde ist.

Und dann meldet sich der Verfolgungswahn, und man denkt, die wollen mich fertig machen, und der Gatte erzählt, dass er alles geregelt hat, im Falle dass ihm etwas passiert, und ich glaube ihm kein Wort, weil mich die Schizophrenie eines besseren belehrt und ich mir absolut sicher bin, dass das alles nach Plan ausgeführt wird und ich keine Chance habe.

Es fühlt sich an, als wenn man in einem Riesenrad sitzt, für einen Moment die Fahrt genießt, und dann, ganz oben angelangt, verkeilt sich eine nicht gut eingeschraubte Schraube, das Rad bleibt stehen, der Motor läuft verdächtig heiß, fängt an zu qualmen, fängt Feuer. Und man sitzt da oben, gefangen in dieser kleinen Gondel, und man weiß, dass man niemals rausklettern wird, weil man doch diese schlimme Höhenangst hat und förmlich spürt, wie sich die Schweißperlen auf der Stirn bilden, bei dem Gedanken, runterzuklettern. Die Flammen steigen höher, bis sie schließlich mit ein Auslöser für die Schweißperlen auf der Stirn sind.

Man hört die panischen Schreie der anderen Menschen, schaut hinunter und sieht, wie sich die Familie langsam mit Zuckerwatte vom Rummel entfernt. Und dann wird mir bewusst, dass sie  niemals wirklich da waren. Und weil so ein Riesenrad so verdammt beschissen hoch ist, kann die Feuerwehr ihre Leiter auch nur zu einem Drittel hochfahren. Und alle in diesem Drittel werden gerettet, und ich werde zu hoch sein. Einfach zu hoch.

Und dann habe ich nur noch einen Gedanken: Auf dem Ast fühlte sich das Ungleichgewicht beinahe an wie Fliegen.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Mittwoch



Ein schnelllebiger Tag geht zu Ende. Endlich mal wieder Fotos gemacht und einfach entspannt. Ohne einen Gedanken an Morgen.

Farbe: grün
Musik: Johannes Oerding
Form: Vorfahrtschild
Lust auf: Wallnüsse

Spruch: Es gibt Augenblicke im Leben, die dazu geschaffen scheinen, einen die Beherrschung verlieren zu lassen.  

Dienstag, 25. Juli 2017

Dienstag



Es regnete heute den ganzen Tag. Ich war viel zu schlecht angezogen für dieses Nass. Ich musste heute Morgen tanken, sonst hätte ich meinen Wagen keine fünf km mehr vor bewegt.
Ich fuhr zum Chef. Wochenmeeting. Statt Billard spielen, gehen wir die Vorkommnisse der letzten Tage durch. Ein echt schlimmer Unfall. Zeitdaten werden besprochen, danach liegen wir wie achtzig jährige auf dem Sofa und bemerken, dass wir alt werden. Im Büro wartet meine kleine Azubine auf mich. Der Tag vergeht wie im Fluge, ich möchte nur noch nach Hause. Die Tagträume haben mich aufgewühlt. Ich hasse warten. Geduld ist nicht wirklich meine Stärke. Das ist Grausamkeit gemein verpackt in Stunden . Manchmal denke ich, warum kann man nicht wie man will. Später dann, erfahre ich, dass das Wetter am Atlantik auch nicht gut ist. Wir hocken also beide im Regentief, irgendwann im Juli 2017 und müssen das einfach leben.

Ich habe Lust. Lust auf Leben.


Montag, 24. Juli 2017

Montag



Das Leben bestand heute aus 60% Wissen, 10% Arbeit, 20% Gedankengeplärr der Familienmitglieder und 10% Visionen.

Damit komme ich auf genau 100% in denen unter anderem enthalten sind:
Nahrungsaufnahme
Wohlfühlaspekte
Lächeln
Bewegung
Mit Erdbeeren rumsauen
Eine Umarmung
Ganzkörpermassage (von Frau zu Frau)
Auto fahren
Gespräche
Heiße Dusche
Schreiben
Gewitter erwarten

Mensch sein hat irgendwie etwas Sonderbares.

Sonntag, 23. Juli 2017

Na endlich

Edit:
Zu viel Serotonin! "Ich schick dich unverzüglich auf eine Weiterbildung. Verdammt."
"Ok, Zucker. Geh schlafen."
"Toll."
 
Krankenkassengeschichte per online erledigt.
Strom überwiesen.
Geduscht.
Oberflächig aufgeräumt.
Und dann dieses Lied gefunden. Und. Den Franzosen geweckt. Die CD weilt in meinem Auto.




Sonntag



Antriebslosigkeit gepaart mit innerer Unruhe ist eine beunruhigende Konstellation. Ich müsste dringend das Schreiben für die Familienkrankenversicherung fertig stellen, Strom überweisen, duschen, aufräumen. Ich MUSS und SOLLTE es wirklich tun. Stattdessen laufe ich wie eine Raubkatze im Käfig durch 68m², esse nur, weil der Magen leer ist, trotz fehlenden Appetits. Ich mag diese Tage nicht, an denen mich das Kornfeld vor dem Haus auslacht und in meinem Gehirn irgendetwas falsch läuft. Wenn man nicht reden möchte, hilft es auch nicht, wenn der kleine Bruder nachfragt, wie es einem geht. Oder die Einladung zum Kaffee, die man versucht freundlich abzuwinken,  das Telefonat, was am Abend ansteht, indem der Inhalt der besten Freundin darin besteht, wie das gemeinsame Wochenende mit dem neuen Typen angelaufen ist. Man spürt, wie die Sinnesorgane anfangen in eine Art Lähmungszustand zu fallen, und plötzlich ist man in einer milchigen Blase gefangen und will nur noch fort. Ausbrechen, Erbrechen, Einbrechen.

„Hey, was hast du angerichtet?“
„Zucker, werde nicht sauer, ich habe aus versehen deinen Progesteronspeicher beschädigt. Bin gerade dabei ihn zu flicken.“
„Super du Experte, das erklärt einiges. Wie flickst du ihn denn und vor allen Dingen, wie viel von dem Hormonzeugs ist in meiner Blutbahn gelandet?“  
„Ich habe die Blutgerinnung angekurbelt und das Leck schließt sich gerade. 2/3 müssten on Tour sein.“
„Wenn ich mich heute noch von der Brücke stürze, stürzt du mit, mein Lieber, das ist dir klar.“
„Ich zapfe deinen Serotoninspeicher an. Gleich geht es dir besser. Versprochen.“


Farbe. Grau
Zahl: 0
Form: Kreis


Spruch des Tages:
Wenn eine Frau auf dem Anzugkragen ihres Mannes ein verdächtiges Frauenhaar findet, so beweist das zunächst nichts anderes, als die mangelhafte Festigkeit fremder Haarwurzeln.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Donnerstag




Die Sehnsucht nach dem tiefblauen Meer wächst von Tag zu Tag. Ich überlege für einen Augenblick, wann ich begonnen habe, diese Geschichte in mein Leben zu schreiben. Es ist genau 16 Jahre her. Später dann entstand das Bild.

Ich suche den Text, diesen einen kleinen Ausschnitt, der alles wirklich werden lässt. Ich lese ihn drei mal durch, um auch ganz sicher zu gehen, dass sich keine fatalen Fehler eingeschlichen haben.


Er hatte eine gewagte Variante gewählt, spekulativ, mit der Absicht den höchst möglichen Gewinn zu erzielen, aber mit der Absicherung, jeder Zeit aussteigen zukönnen. Und sie befand sich auf der Passivseite und genoss diese Verteilung, wusste sie doch, dass es auf beiden Seiten am Ende zu einer gleichmäßig aufgehenden Bilanz führte. Eine Bilanz, die nur aussagekräftig war, wenn man sie verstand. Und in der gegebenen Situation konnte sie sowieso keinen klaren Gedanken fassen. Er schien ihre Körpersprache zu verstehen und seine linke Hand führte an ihren Hals und umfasste Diesen mit leichtem Druck. Seine Rechte noch immer in ihrem Schritt. Ihre anfängliche Skepsis war dem blinden Vertrauen gewichen, geführt von dem unbändigem Willen, einem Kunstwerk den letzten Schliff zu verpassen. Auch wenn es sich hier eher um russisches Roulette als um eine vorhersehbare Entwicklung eines Wertpapieres handelte. Ihr fielen die drei Kunstwerke wieder ein und während er sie nimmt, schwört sie sich, dass sie sie fertig stellen wird. 

"Irrationalite`  concrete` " Dali Salvador 


"Gerhirnwartungsexperte, woran schraubst du gerade?"

"Zucker, an deinem Lustzentrum."
"Gönn' mir doch bitte mal eine Pause."
"Echt jetzt?"
"Ok, lass uns werfen. Kopf oder Zahl."
"Kopf"
"Weiterschrauben."
"Wird gemacht."