Freitag, 30. Juni 2017

Freitag




Ein schwarzer Freitag. Um 7:00 morgens ist die Welt noch in Ordnung. Ich besorge mir beim örtlichen Bäcker einen Kaffee to go und fahre mit lauter Musik ins 20 km entfernte Onkologiezentrum. Mein Gehirnwartungsexperte schläft noch. Ich habe ihm frei gegeben. Ich hätte es nicht tun sollen. Es folgen vier Versuche überhaupt eine Vene zu treffen, danach bekomme ich Kochsalzlösung. Ich frage dreimal nach, ob das auch wirklich Kochsalzlösung ist, nach dem gelesenen Skandal mit dem Arzt, der Medikamente gestreckt hat, bin ich mir nicht mehr sicher. Und wer garantiert mir, dass die mir nicht etwas verreichen, was mich noch kränker macht, damit sie mir danach noch teuere Infusionen verabreichen können. Die Werte lassen zu wünschen übrig. Ich muss also eine Stunde in dieser nach Tod riechenden Gegenwart liegen. Einzig der Fensterputzer auf den Scheiben über mir, lässt mich lächeln. Er lächelt zurück, bestimmt aus Mitleid. Und ich denke, schade, dass das nicht der Typ aus der Colawerbung ist.  

Auf dem Weg ins Büro (obwohl mir der Arzt nun schon zigmal gesagt hat, ich dürfte nach der Therapie kein Auto fahren) folge ich einem schwarzen Passat. Er ist schnell unterwegs. Und ich denke, wenn der geblitzt wird, dann werde ich nicht geblitzt. So schnell sind die nicht.
Wir gönnen uns ein Straßenrennen, die Scheiben abgedunkelt, man kennt sich nicht. Wir rasen beide in einen Blitzer. Die können doch hintereinander blitzen. Egal.

An einer Ampel bleiben wir stehen. Er muss rechts, ich muss links abbiegen. Ich stehe etwas vor ihm an der Ampel. Als sie grün wird, warte ich noch. Ich will den Fahrer sehen. Und während er langsam an mir vorbeifährt, schaut er rüber zu mir. Ich drücke ihm ein Auge zu, er lächelt. Dann trennen sich unsere Wege.

Büro.

Ich bin müde. Und um 600ml Blut erleichtert. Und mein BASO% erhöht sich leider verdächtig. Morgen wecke ich meinen Gehirnwartungsexperten.

Wussten sie, dass es einen § gibt, der in Oklahoma im Abschnitt 363 der Stadtverordnung von Harthahome City es für illegal erklärt wird, eine hypnotisierte Person in einem Schaufenster abzustellen.
Sachen gibt’s.


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