Sonntag, 25. Dezember 2016

Heiligabend



Ein Desaster. Leider. Es funktioniert einfach nicht mit uns. Ich kann das gerade auch gar nicht erklären, nein, ich will es nicht erklären. Es würde eh keiner verstehen.

Die Enttäuschung, die ich all die Jahre gut verpackt habe, hat mich heute mit voller Wucht getroffen. Keinen Schimmer, warum. Die Mauern waren nicht hoch genug.

Und jetzt nach sechs Jahren bin ich rückfällig geworden. Ich war so stolz darauf, dass ich es überwunden habe.
Ja so ist das.

Und morgen dann die gesamte Familie. Das geht auch vorbei. Und dann ein neues Jahr. Wie gehabt. Allerdings mit sehr hohen Mauern und der SPS. Ok. Dann ist das so.


Mittwoch, 21. Dezember 2016

Mittwoch



Gespräche heute von dem Jetzt, bis es uns traurig machte. Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind um sieben Jahre gealtert und die Welt steht nicht still. Dreht sich negativ. Und ich schlürfe meinen Kaffee und lenke das Gespräch ab. „Weißt du noch? Was hatten wir für Spaß. Das erste Foto kann uns keiner mehr nehmen. Die Sonne schien, eine verbotene Kulisse, und du wolltest mir nicht glauben.“ Er lachte. „Stimmt. Du nanntest mir irgendeine französische Sängerin und meintest, du sähst ihr ähnlich.“ Ich drehte uns eine Zigarette. „Und?“ „Du hattest Recht behalten.“ Wir hören fast die Bomben und kommenden Anschläge, aber wir lachen in den klaren Tag hinein. „Shit happens.“ Ich schweige kurz. Als das Foto entstand, war ich noch gesund. Und die Erinnerung an die Zeit fühlt sich auch gesund an. „Du bist die einzige, die geblieben ist. In all dem Übel.“ „Das stimmt. Und nächstes Jahr rocken wir das schon.“ Er setzt sich zu mir und kitzelt mich durch. Wir toben wie Teenager auf dem Sofa. Und ich denke an das erste Foto. Immer noch mein Lieblingsfoto. Mit Rose im Hintergrund.  



Ich grüße dich, Rose.




Montag, 19. Dezember 2016

Montag



Wenn mir da nicht bald der Geduldsfaden reißt. Und wenn, dann mit so einer Wucht, dass ich zeitgleich zu einem Mörder mutiere. Gefühlt wird diese Woche rein arbeitstechnisch ziemlich bescheiden. Realistisch gesehen noch viel schlimmer. Und so wie das aussieht ist noch Schlimmeres nicht mehr abzuwenden. Warum noch mal halte ich nicht viel von Versprechungen der männlichen Gattung? Ach ja. „Gehirnwartungsexperte, sag was.“
„Beruhige dich, Zucker. Du kommst langsam in die Menopause.“ „Ach red doch keinen Quatsch.“ „Zucker, ich werkel gerade an der Schublade 001, du weißt schon, Langzeitgedächtnis „Der Mann“ steht drauf. „Und?“ „Die können nicht anders. Die sind so.“
„Wie kann man so viel Mist erzählen und das auch noch glauben.“ „Lächle, du kannst sie nicht alle töten.“

Da kann ich ja nur hoffen, dass die Worte nur Schall und Rauch sind, ansonsten habe ich nämlich ab nächstes Jahr ein Problem und das nennt sich dann ein Jahr später „Großes Problem resultierend aus Problem Anfang des Jahres“. Ihr Brücken des Ruhrpotts, haltet mir schon mal ein lauschiges Plätzchen frei. Ich glaube ich habe noch irgendwo einen Schlafsack und eine Isomatte. Im Zuge des Klimawandels sollte es in Zukunft machbar sein in den Monaten April bis Oktober unter freiem Himmel nicht zu frieren. „Du meinst Überleben, Zucker.“ „Ja, sei ruhig und schraube weiter.“ „Du solltest das nicht aufschreiben, du weißt doch, dass du dir die Dinge ins Leben schreiben kannst.“ „Ich kann es ja jederzeit ändern. Benötige dann nur ein Internetcafe.“

Es wird also spannend.

Kennen sie die Sprache der Juristen?

! Ein Landgericht hob in einer Urteilsbegründung die Vorteile von Kunststofffenstern gegenüber Holzfenstern hervor:“ Kunststofffenster mögen zahlreiche Vorteile haben, insbesondere in Bezug auf Wartung und Pflege – Holz hingegen hat den Vorteil, nicht aus Kunststoff zu sein.“

Könnte von einem Mann stammen.

Freitag, 16. Dezember 2016

...



Vor zehn Jahren wäre der Bofrost-Mann eine Option gewesen. Heute ist es die Stimme des Unitymedia Mannes, der mir unverzüglich und unentgeltlich eine neue Fernbedienung subito ins Haus geschickt hat. Yes.

Ich bin nur noch wach, weil gleich Knallerfrauen ausgestrahlt wird. Mutter würde sagen:“ Kind, das ist doch kein Humor.“ Ich würde antworten:“ Doch.“

Wussten Sie, dass es in West Virginia einen § gibt, der in diesem Bundesstaat vorgibt, dass Ärzte und Zahnärzte Frauen nur dann betäuben dürfen, wenn eine dritte Person anwesend ist.

Das sollte es auch hier in Deutschland geben. Gute Nacht.

Montag, 12. Dezember 2016

Montag



Da kommt man einen Tag nicht direkt nach der Arbeit nach Hause, weil man zum Geburtstag muss. Und dann das. Die weiße Lady hat die Gunst der Stunde genutzt, weil PP mal wieder nicht die zuckersche Ordnung eingehalten hat:

Ja genau, die Fernbediehnung meines Recievers. Ich bin kurz vor einem Herzinfarkt. Mal abgesehen von dem Tag. Heute also einen neuen Kunden. Trotzdem bleibe ich bei meinen zwanzig Stunden. Aber der neue Kunde beinhaltet Mitarbeiter A. Raupen zu Schmetterlingen. Wenn das der Chef wüsste. Ich schwimme gerade gnadenlos auf einen Sturm zu. Ich will mich verkriechen. Einfach weg sein. Nicht mehr in den Köpfen herumschwirren. Ist das jetzt Leben oder was? Freitag Sauna mit Anna. Psychologen wissen mehr. Oder auch nicht. Am liebsten plötzlich Achtzig. Dann gibt es diese Fragen nicht mehr. Als ich Oma heute nach Hause fuh, war sie so glücklich. Sie ist zum fünften mal Uroma, ich zum zweiten mal Tante. Hatte den kleinen Schreihals auch schon im Arm. Bei Gott, schön, dass ich sie wieder in die Obhut der Mutter geben konnte. 


Das mit der Fernbediehnung finde ich echt mies. Und. Überhaupt.   

Farbe. türkis
Gefühl: völlig verwirrt
Geometrie: Viereck
Verkehrszeichen: Zebrasteifen
Schrift: Schreibschrift
Zahl: 47

Wussten sie schon: Michigan: § In Detroit ist es Männern gsetzlich verboten , ihre Frauen an Sonntagen böse anzuschauen.
Was, nur an Sonntagen?! Herrjeh.

Samstag, 10. Dezember 2016

Freitag

Ich finde Freitag sollte wortgetreu ein freier Tag sein.



„Kannst du mich für Samstag noch einmal tapen?“ Olga schaute mich wehleidig an. „Ne, Süße, deine Haut ist viel zu gerötet. Was hast du vor am Samstag?“
„Ich muss neun Kerle für den Kranführer ausbilden. Hast du eine Ahnung wie anstrengend das ist. Kalte Halle, Helmpflicht, und überhaupt.“
„Sind da wenigstens geile Typen dabei?“
„Hin und wieder laufen da einige Knackärsche rum. Aber das Beste ist, die machen alles was ich will.“
Olga fängt laut an zu lachen. „Deine Baustelle, Zucker, viel Spaß. Wenn du morgen Probleme bekommst, ruf mich an, ich kann dich auch am Wochenende tapen.“
„Danke.“

Samstag:

Schulung – Kaffee - heiße Dusche - Runde mit der weißen Lady - Kaffee- Wochenende!





Mittwoch, 7. Dezember 2016

Mittwoch



So langsam denke ich darüber nach, warum sich unsere Wege auf so wundersame Weise gekreuzt haben Zwischen uns liegen achtundvierzig Jahre. Ich besuche die alte Dame mit der unglaublich jungen Stimme jeden Mittwoch nach der Arbeit. Und jeden Mittwoch erzählt sie mir eine wahre Geschichte aus ihrem so langen Leben. Heute wurde mir das erst bewusst. Ich werde diese Geschichten aufschreiben, für mich, für sie, weil ich jedes Mal die Zeit vergesse. Und zu jeder Geschichte schafft sie es, dass auch ich mich ein wenig öffne. Wir haben uns geschworen, niemandem davon zu erzählen. Sie erzählt und fragt Dinge, die man ihr niemals beantwortet hat. Intime Dinge, die 1940 nicht erwähnt werden durften. Ich erzähle ihr Erlebnisse, vielleicht, weil ich weiß, dass sie einfach zu alt ist, um sie durch die Gegend zu posaunen. Es fällt mir unsagbar leicht, und so entstehen unglaubliche Gespräche, die uns bei Instantkaffee, Tee und aufgetauten Kuchenstückchen beide zum lachen bringen.

„ Ich habe noch nie mit jemandem über so etwas geredet, wie machst du das nur Zucker?“
„Ist doch lustig. Das ist ok.“ (Ich würde ihr am liebsten sagen, dass sie ein ganz besonderer Mensch ist. Bald.)
„Schmeckt dir mein Kuchen?“
„Ja. Der harte Knusperkuchen, letzte Woche, hat mir auch geschmeckt. Also trau dich beim nächsten Mal, mal wieder.“
Sie fängt an zu lachen. „Zucker, das war ironisch.“
„Niemals“
„Du meinst deine SPS ist es?“
„Ja.“
„Ach die stört mich nicht.“
„Mich auch nicht.“

Aus gefühlten zehn Minuten werden zwei Stunden. Ich muss fahren und freue mich auf nächsten Mittwoch.

Zur Erinnerung für mich:
1921 geboren
1. Geschichte: 1943 Ortswechsel aus beruflichen Gründen von Riccione nach Prag.
2. Geschichte: 1945 Flucht aus Prag
3. Geschichte: 1934 Begegnung mit einem Mr. X


Sonntag, 4. Dezember 2016

Sonntag



~ ich muss noch ALLE Geschenke zu Weihnachten besorgen. (Konto fülle dich) 
~ bis zum Frühjahr sechs kg abnehmen. (Schwierig)
~ meine gekürzte Arbeitszeit steht zum Jahresbeginn (wenn das mal gut geht)
~ Meine schriftliche Verwarnung für zu schnelles Fahren ist abgelaufen. (Überweisung schreiben, JETZT)
~ In meiner Wohnung zieht es durch die Holzfenster wie im Jahre 1800. (Silikon?)
~ Mutter findet mich aussätzig, weil ich die Bibel lese. (Vielleicht sollte ich zur Hexerei übergehen)
~ Dies und Das und Dies und Das (Ja ja)
~Schon wieder seit einer Woche unnötigen Stress mit der pubertierenden Püpi (echt jetzt reichts langsam)

Ansonsten war der Tag heute schön. Dafür die letzte Woche ein absolutes Desaster. Was juckt mich das in Flammen stehende Nachbarhaus denn dann? Jaulende Katzen und weinende Kinder. Und ich in einer Silberkugel auf dem Asphalt schaukelnd, mit schwerem Atem und vielen wirren Gedanken. Das darf man, wenn man die Bibel liest und vor der Familie für verrückt erklärt wird. Vielen Dank auch.
Und schön, wenn morgen die Sonne wieder aufgeht und ich das nicht mitbekomme, weil ich im Dunkeln zur Arbeit fahre. Und auch im Dunkeln wieder zurück kehre. Winter du Depressionskleidung, machst keine gute Figur dabei.
Das Bett zerzauselt, kein Kleiderschrank und die Gardinen hängen in Scharnhorst. Was gäbe ich für einen Trip im 1,-Euro Center. Alles und nichts.