Dienstag, 22. November 2016

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„Le coeur a ses raisons que la raison ne connait pas.“
(Blaise Pascal)

Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Mir fiel heute ein Buch in die Hand mit dem Titel „Negative Dialektik“. Fein dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, das wirst du lesen. Doch schon im Vorwort musste ich aus den Fakten der Unverständlichkeit kapitulieren. Aber dann las ich einen Satz, der mich so sehr in den Bann zog, dass ich mich über die schwierigen Sätze hinauswagte. 

[ Der introvertierte Gedankenarchitekt wohnt hinter dem Mond, den die extrovertierten Techniker beschlagnahmen]
Lese ich diesen Satz laut vor, zergeht er bei mir auf der Zunge wie Himbeergele.

Ich wende ihn nicht auf die negative Dialektik an, sondern vielmehr lasse ich meinem ersten Gedanken freien Eintritt. Verrücktheit! 

Die Verrücktheit, bezogen auf diesen Satz würde ich so formulieren:
Der Verrückte, im Anfangsstadium in sich gekehrt, um nicht in der Umwelt aufzufallen, bleibt als introvertiertes Mitglied unserer Gemeinschaft natürlich im Hintergrund, weil er zum einen in erster Linie sich seiner Verrücktheit gar nicht bewusst ist, zum anderen als tendenzieller Verrückter in der Menge der Verrückten untergeht. Natürlich dürfen wir die Techniker nicht vergessen, die sich seiner irgendwann, nämlich spätestens beim Auffallen absonderlicher Auswüchse annehmen. Das würde bedeuten, daß der Verrückte Mittel und Zweck der Auswertungen der Normalen ist. Wirklich? Da stellt sich die Frage, welche Kriterien, welche Einflüsse von Außen führen zur Abnormalität, die sich dann schließlich Verrücktheit nennt? Sind es die Reizüberflutungen unserer Evolution, die Unfähigkeit der Anpassung, Gendefekte, die unbemerkt in unserer Zeit ihre Formen annehmen. Wie dem auch sei, was immer die Auslöser sind, so glaube ich, dass gerade die Verrückten sich des Lebens erfreuen können, weil sie nämlich tun und lassen können, was sie wollen, ohne aufzufallen. Sie können sich in ihrem zu Hause Anstalt freizügig und so richtig verrückt aufführen, denn niemand nimmt es ihnen übel, weil man von ihnen nichts anderes erwartet.
Wem scheint es besser zu gehen? Vermutlich dem Verrücktem, denn der hat mehr vom Leben, er kostet es in vollen Zügen aus, weil ihm die eigene Verrücktheit so normal vorkommt. Und die Techniker schmücken sich mit eben dieser Gewissheit, damit sie ihr Leben entschuldigen können, ohne zu wissen, dass alles in einem Aquarell fließend übergeht.......Da lacht die Introvertiertheit leise in sich hinein, während sie vor der Extrovertiertheit den Hut zieht und sich lächelnd verbeugt.

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