Mittwoch, 23. November 2016

.



Was für ein Tag.
Außendienst (Der Kunde gefällt mir, weil er mich versteht)
Dokumentation (Ging heute leicht von der Hand, weil so eindeutig)
Einkaufen (überwiegend Hundefutter für die weiße Lady)
Kaffee und Kucheneinladung bei Marga (habe Marga Notenblätter vergrößert kopiert, weil sie nicht mehr so gut sehen kann, und mit ihrer Freundin am zweiten Advent musizieren möchte)
Ab nach Hause (festgestellt, dass sich in der Küche eine Küchentür nicht mehr schließen lässt. Diese steht jetzt auf, warte noch dass der Freund meiner großen Tochter, die das verbockt hat, die Tür wieder repariert)
Heiße Dusche (Entspannung pur)
Müde. (leichter Kopfschmerz, weil ich Alzheimerpatient heute meine Lesebrille vergaß und mit dem Kunden an meinem Lappi arbeiten musste. Selbst Schuld)

Farbe: Gelb
Stimmung: fließend angekommen
Musik: Chöre-Mark Forter-





Dienstag, 22. November 2016

.




„Le coeur a ses raisons que la raison ne connait pas.“
(Blaise Pascal)

Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
------------------------------------------------------------------------


Mir fiel heute ein Buch in die Hand mit dem Titel „Negative Dialektik“. Fein dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, das wirst du lesen. Doch schon im Vorwort musste ich aus den Fakten der Unverständlichkeit kapitulieren. Aber dann las ich einen Satz, der mich so sehr in den Bann zog, dass ich mich über die schwierigen Sätze hinauswagte. 

[ Der introvertierte Gedankenarchitekt wohnt hinter dem Mond, den die extrovertierten Techniker beschlagnahmen]
Lese ich diesen Satz laut vor, zergeht er bei mir auf der Zunge wie Himbeergele.

Ich wende ihn nicht auf die negative Dialektik an, sondern vielmehr lasse ich meinem ersten Gedanken freien Eintritt. Verrücktheit! 

Die Verrücktheit, bezogen auf diesen Satz würde ich so formulieren:
Der Verrückte, im Anfangsstadium in sich gekehrt, um nicht in der Umwelt aufzufallen, bleibt als introvertiertes Mitglied unserer Gemeinschaft natürlich im Hintergrund, weil er zum einen in erster Linie sich seiner Verrücktheit gar nicht bewusst ist, zum anderen als tendenzieller Verrückter in der Menge der Verrückten untergeht. Natürlich dürfen wir die Techniker nicht vergessen, die sich seiner irgendwann, nämlich spätestens beim Auffallen absonderlicher Auswüchse annehmen. Das würde bedeuten, daß der Verrückte Mittel und Zweck der Auswertungen der Normalen ist. Wirklich? Da stellt sich die Frage, welche Kriterien, welche Einflüsse von Außen führen zur Abnormalität, die sich dann schließlich Verrücktheit nennt? Sind es die Reizüberflutungen unserer Evolution, die Unfähigkeit der Anpassung, Gendefekte, die unbemerkt in unserer Zeit ihre Formen annehmen. Wie dem auch sei, was immer die Auslöser sind, so glaube ich, dass gerade die Verrückten sich des Lebens erfreuen können, weil sie nämlich tun und lassen können, was sie wollen, ohne aufzufallen. Sie können sich in ihrem zu Hause Anstalt freizügig und so richtig verrückt aufführen, denn niemand nimmt es ihnen übel, weil man von ihnen nichts anderes erwartet.
Wem scheint es besser zu gehen? Vermutlich dem Verrücktem, denn der hat mehr vom Leben, er kostet es in vollen Zügen aus, weil ihm die eigene Verrücktheit so normal vorkommt. Und die Techniker schmücken sich mit eben dieser Gewissheit, damit sie ihr Leben entschuldigen können, ohne zu wissen, dass alles in einem Aquarell fließend übergeht.......Da lacht die Introvertiertheit leise in sich hinein, während sie vor der Extrovertiertheit den Hut zieht und sich lächelnd verbeugt.

Montag, 21. November 2016

Erinnern




Es klingelte und ich öffnete die Türe. Es war Joel, sie lächelte, kam einen Schritt auf mich zu und umarmte mich mit ihrer sanften warmen Art, die wahrscheinlich schon tausend Männerherzen zum schmelzen gebracht haben. In der Linken hatte sie einen guten Rotwein aus 1984 und ihre Wimpern waren länger, als ich sie in Erinnerung hatte.

Wir tanzten ins Wohnzimmer und ich machte Musik.

Ihre dunkel braunen Haare wirbelten durch die Luft, als ich ihr das Glas Wein gab und sie strahlte mich an.
Hier wohnst du also. Schön. Danke. Und? Nichts. Bist du glücklich? Klar. Wo sind deine Kids? Auf dem Weihnachtsmarkt. Aha.

Wir stoßen an. Gemeinsam. Einfach so. Ihre Augen strahlen in meine, ihre sind grün, meine grün-braun. Passt. Helle Haut paart sich mit heller Haut. Das Sofa wird zum Tatort. Und alles um uns herum verblasst in den Farben ihres Lidschattens.

Danke.



 

Freitag, 18. November 2016

Freitag



Freitag ist ja immer Therapietag. Also alle acht Wochen. Man sollte meinen, dass die Mädels auf der Onkologiestation das mit dem Stechen hinbekommen. Ist aber leider nicht so. Und so wurde ich verabschiedet, und darf nächste Woche noch mal dort hin. Egal. Die Werte waren zwar unschön, aber das ist mir ja schon länger ziemlich Hupe.

Gestern war ich seit gefühlter Ewigkeit wieder beim Kampfsport. Das war gut. Das war wie ein Sonnenaufgang Beobachten, ohne danach zeitlich zur Arbeit fahren zu müssen. Habe beschlossen, endlich den blauen Gürtel zu rocken.

Püppi traut sich endlich, ihren neuen Freund in unsere lustig bunte dreieinhalb Zimmer Wohnung zu bringen. Ich beobachte mal das Treiben. Wenn das so weiter geht, dann sind wir so sehr kunterbunt, dass ich Probleme kriege bei den nächsten Wahlen. Was bei drei Kindern immerhin zu einem relativ großen %- Verhältnis führt.

Deutsch-Albanisch-Italienisch-Türkisch-Iran-Deutsch

Ich würde ja sagen: Püppi, Prinzessin und King. „Ganz dünnes Eis!“

Freue mich aber eher über Studium, Ausbildung und Abitur.

Fazit:

Gemütszustand: Die gelben Tonnen bekommen mein Blut auch nicht in einer Woche.
Farbe: Braun
Zahl: 36
Spruch des Tages: Vergiss nicht, dass auch ein hundertjähriges Leben nicht mehr als 36.500 Tage zählt.




Sonntag, 13. November 2016

Sonntag



Es ist wieder soweit. Ich ecke an. Bei so ziemlich jedem Menschen in meiner näheren Umgebung. Und ich kann es mir nicht erklären. Und in dem Moment, wenn es klar wird, dann habe ich überhaupt kein Gefühl dafür und kann einfach nur mit dem Kopf schütteln. Denke, sollen sie sich doch über Dinge aufregen, die die Welt nicht braucht. Warum schauen die denn nicht mal nach dem Wesentlichen. Beim Spaziergang mit der weißen Lady fiel mir auf, dass wir fast oder schon Vollmond haben. Während ich also am Feld entlang ging, leuchteten auf dem Feld ein paar Kassetten heller, als der Rest. Das konnte aber unmöglich der Mond sein, der Lichteinfall passte nicht. Aber auch mit einer optischen Täuschung könnte man sich mit der weißen Lady einfach weg beamen lassen. Und zack. Man ist spurlos verschwunden. Wie herrlich wäre das.

So vorweihnachtlich scheinen alle wieder derbe auszuflippen. Ich kann das nicht verstehen.

Ich gehe am liebsten unsere Straße entlang, wenn es eiskalt und trocken ist. Der Asphalt schimmert so schön unter der Straßenlaterne an meinem Fenster. Und die weiße Lady darf mich natürlich immer begleiten.

Ich dachte mir, nachdem mein bester Freund mir eine schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert hat, vor genau einem Jahr, sollte ich das mal ausleben.

Ich glaube ja, dass die USA Wahlen gefaket waren. Ein abgekartetes Spiel. Der Mensch ist manipulierbar. Das wird ein Desaster. Auch in Europa.


Samstag, 5. November 2016

.



Das Wochenende ist heilig. Und ab nächstes Jahr auch der Montag, Donnerstag und Freitag. Ich reduziere auf die Hälfte und pfeife auf das Geld und die Rente, die ich eh nicht erleben werde. Die weiße Dame ist krank. Zwingerhusten trotz Impfe. „Sie braucht viel Ruhe, Wärme und Tabletten.“ Sagt Herr Dr. Tierarzt. Wie bitteschön soll ich einen Flummi ruhig halten? Wir kuscheln auf der Couch und ich gebe ihr ihre Holzwurzel.

Spruch des Tages. Thema Straßenverkehr.

Wer aggressiv hupen kann, hat auch die Zeit zum abbremsen.

(Und so fuhr subito mein Mittelfinger linksseitig der Seitenscheibe hoch) F.d.  


Donnerstag, 3. November 2016

Zwei Tage vor Wochenende



Gute Gespräche führt man am besten beim Billard. Gestern also, nach dem Außendienst, zum fast verloren geglaubten besten Freund gefahren und Kaffee getrunken, geredet, Billard gespielt und eine kurze flüchtige Berührung still und heimlich genossen.

Bei dem Gedanken, dass ich ab 2017 nur noch 20 Sunden arbeiten werde, feiern meine Synapsen Party. Es blitzt in meinen Gehirnwindungen und mein treuer Gehirnwartungsexperte hat eine Menge zu tun, damit ich nicht verrückt werde.

„Zucker, was um Himmels Willen stellst du schon wieder an, hast du sie noch alle?“
„Entschuldige, aber mein Gefühl sagt mir, alles im grünen Bereich.“
„Ja, ja, red du nur, ich verbringe seit 24 Stunden damit, deine Nervenbahnen im Gehirn in Schacht zu halten. Hast du eigentlich nur annähernd eine Ahnung, wie schwer das gerade ist. Und den 0,000002mm Schraubenschlüssel habe ich auch verlegt. Mist.“
„Egal, Hauptsache, du hast alles bis nächste Woche Freitag wieder im Griff. Lieblingsarztbesuch. Kannst du mein Blut nicht pink färben?“

„Zucker, er wird dich einweisen, wenn ich das hier nicht hinbekomme.“
„OK, ich fahre einen Gang runter.“
„Danke“
„Gerne.“

Marga hat ihr Telefon abgestellt. Ok. Ich akzeptiere das, werde sie allerdings morgen am Tage noch mal anrufen. Ich wollte sie Sonntag zum Italiener einladen.

Ich glaube das freut sie und ich hoffe, sie vergisst nicht morgen ihr Telefon wieder einzustellen.

Ansonsten such ich mal die passende Musik. Ich glaub das passt zu Marga.


Dienstag, 1. November 2016

Dienstag

„...Ich wusste nicht, dass du an dieser Stelle auch weinst.“
Wir sitzen an meinem verhunsten Küchentisch, bei Wein und selbstgedrehter Zigarette und sie sieht müde aus. Dicke Ränder umschmeicheln ihre blauen Augen und für einen Augenblick denke ich an ihre zarten Schamlippen, die ich vor vielen Jahren in die unendliche Lust liebkoste. Auf einer ziemlich abgefahrenen Party. Man sollte meinen, dass es mit dem Alter leichter wird. Fehlentscheidung. Es wird härter. Doch, versichere ich ihr, im Gänsefüsschenmarsch, wird es uns gelingen. Ich habe es ausprobiert.

Auch ich bin müde. Müde von den unendlich nicht fruchtenden Erziehungsmethoden der pubertierenden Göre, die ich stündlich foltern und mit Brot und Wasser einsperren könnte. Müde von dieser Ungewissheit im Job, obwohl ich ja längst für mich entschieden habe. Aber ich ermutige mich mit der Zeit, die ja niemand wirklich hat, und denke, es kann nur besser werden.

Anna drücke ich zum Abschied und spüre ihre vollen Brüste an meinen, gebe ihr einen Kuss auf den Mund und versichere ihr, dass wir das durchstehen, weil wir uns doch haben. Die Sauna wartet und alles wird wieder. Ganz sicher. Und all die Ängste fliegen fort, die Kids kriegen ihr vorlautes Gemaule gestopft und wir werden fliegen. Ohne Schmerzen.

Und dann denke ich an diesen sündhaft schönen Schrank, den ich gesehen habe. Ich will ihn.
Er ist so schön wie Sterben.
Und „...Ich wusste nicht, dass du and dieser Stelle auch weinst.“ Aber es tut so gut, weil es so echt ist und ich doch nicht wissen kann, wann ich wieder so sehr weinen kann, wie gerade.
Und wo bleibt eigentlich das Verlieben? Dinge die ihren Platz im Leben fast schon verloren haben.

Kartoffelsalat.