Sonntag, 30. Oktober 2016

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Seltsame Zeiten brechen an. Während ich Jonas Kaufmann im Hintergrund höre, denke ich immer wieder an den Menschen, den ich das letzte Mal in Form einer Fledermaus dachte, in meiner Nähe zu haben. Es war ein Herbstmorgen. Ich war früher wach, als gewohnt, saß im Halbdunkel auf meiner Veranda und genoss den kühlen Herbstmorgen, als plötzlich eine Fledermaus wild hektisch immer wieder einen Flug durch die Veranda wagte. Es war seltsam, denn in dieser Gegend gibt es keine Fledermäuse. Wir waren uns niemals persönlich begegnet, jedoch hatten wir uns zwei Mal im Internet, und beim dritten Mal aufgrund einer elektronischen E-mail wieder gefunden und kontaktiert. Jedenfalls dachte ich unwillkürlich an ihn, als ich die Fledermaus sah. Mir fiel ein, dass er sich nicht mehr gemeldet hatte, seit ich meine neue Handynummer an alle meine Bekannten schickte. Das war bereits im April.

Jetzt war es Herbst. Die letzten Tage waren unruhig. Die gedeuteten Träume ließen Todesfälle erahnen, aber man will das ja nicht wirklich wahrhaben, schüttelt den Kopf, und damit alles ab. Schließlich kam die alte Dame ins Krankenhaus, Diagnose Lungenkrebs. In diesem Alter sollte sich der Krebs nun wirklich schämen und Abstand halten. Im kalten Büro, ich nenne es nun meine persönliche Gruft, hing ich am Nachmittag den Gedanken nach. Ab 16:00 Uhr arbeite ich nicht mehr, sondern stelle die heizende Klimaanlage aus, spüle meine einsame Kaffeetasse und an diesem Tag las ich Blogs. Und dann stieß ich auf einen Eintrag, der mir den Schauer kalt über den Rücken laufen ließ. Es war ein Nachruf. Klar, es hätte für jeden ein Nachruf sein können, aber der Vorname. Der Vorname ist so selten, dass ich mir wünschte, er wäre tausendfach vergeben. Ich schrieb gestern noch mal eine Whats up an die mir bekannte Nummer. Leider ohne Erfolg.

Heute war ich bei meiner ältesten Freundin zum Kaffee und Kuchen eingeladen. Sie zählt 98 Jahre, und ich lerne immer wieder neue Dinge von ihr, wenn wir beisammen sind. Marga schaffte es, mich von den üblen Gedanken ab zu bringen und wir genossen den Nachmittag.

Und als sie mich fragte, ob ich mich mit Internet auskenne, um ihre automatischen Rollläden der Zeitumstellung anzupassen, schmunzelte ich, ließ mir die Gebrauchsanweisung von ihr geben und erklärte ihr, dass das mit Internet nichts zu tun hätte.

Ich schreibe ihm gleich eine E-mail, in der Hoffnung, dass es nicht so ist, wie es ausschaut.

Und das ist für euch:

-----------------------------------------Machen.
                        Ich sage immer:
MACHEN, MACHEN, MACHEN.

Bereuen kann man immer noch!--------------


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