Sonntag, 14. August 2016

Ein Schmetterling schlägt seine Flügel, die ganze Erdkugel bebt...



Ich liebe mein altes Parkett im Wohnzimmer. Ich hatte das Wochenende damit verbracht, alles zu reinigen. Großputz. Paolo war da und strich meine Holzfenster. Das war bitter nötig, sie hätten den nächsten Winter nicht überlebt. Im Moment bin ich mit der Großen allein. Sie hat ihr Studium unterbrochen und eine passende Ausbildung begonnen. Alle anderen sind im Süden. Püppi hat den Hund mitgenommen. Ja. Was soll ich sagen. Es ist verdächtig ruhig, aufgeräumt und sauber. Also stehe ich heute in meinem Wohnraum und betrachte das Parkett. Und im gleichen Moment denke ich, hey, willst du morgen früh wirklich wieder in dieses kalte verschissene Büro und darüber nachdenken, ob das jetzt gut ist, oder nicht. Ich will nicht. Ich habe mich  mental so sehr von dieser ganzen Materie entfernt. Bester Freund ist nur noch ein eventuell zukünftiger Buchtitel. Freunde sollte man pflegen. Und beste Freunde sollte man niemals in Frage stellen. Am Freitag war wieder Blutkontrolle. Positiv. Zwei Stunden saß ich da mit den Krebskranken, die an ihrem „Stand“ angeschlossen wurden. Vielleicht habe ich es, weil, wer auch immer, mich zum nachdenken anregt, etwas zu ändern. I don’t know. Zellen zerstören sich, und mir ging es am Freitag so beschissen, dass ich den halben Tag im Büro auf dem Boden geschlafen habe. Und daheim ist alles so aufgeräumt. Und ich hatte noch die Zeit dazu, Mutter im Krankenhaus zu besuchen und mit Vater und großem Bruder zu grillen. Und ja, ich in diesem Fall, würde und werde, mir immer die Zeit nehmen, weil sie mir so unglaublich wichtig sind. Ich kann ja nur abwarten. Angeblich klopft früher oder später die Leukämie an, sagt mein Arzt des Vertrauens. Klopf. Klopf. Ja soll sie. Ich gebe ihr subito einen Faustschlag in die Fresse. Das habe ich dem Arzt meines Vertrauens nicht gesagt. Ich will ja nicht als Schlägertyp rüberkommen. Es ist irgendwie unfair. Ich fühle mich gerade angekommen. Selbst A. hat sich gemeldet. Er mag sich mit mir treffen. Und im September fahre ich mit meinem Gatten allein in den Süden. Dann werden wir es uns richtig gut gehen lassen. Ich werde alles vergessen. Vergesslich bin ich ja sowieso. Ich vermisse die weiße Lady. Treu, liebevoll und wunderschön.  


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