Sonntag, 28. August 2016

Ich dreh mich



Alles braucht seine Zeit. Das hat meine Oma schon immer gesagt. Vor ein paar Tagen besuchte ich sie auf dem Waldfriedhof. Die Tage, an denen mich mein bester Freund dabei begleitete sind vorbei. So wie vieles Andere auch. Und mit der Zeit, jetzt, habe ich diesen Zustand nun endlich verinnerlicht. So, wie das Tragen der Lesebrille, der Termin für ein Hörgerät und die sich einschleichende Vergesslichkeit. Als ich ihr, sitzend und selbstgedreht rauchend, von der beruflichen Misere, den Verlust eines guten Freundes und andere für mich unschöne Dinge berichtete, schien mir für einen Moment, als lachte sie laut los und in Gedanken hörte ich ein: Kind, was beklagst du dich eigentlich. Denke doch an die guten Dinge in deinem Leben. Das ist doch nun wirklich schimmelpilzverdächtiger Kleinkram.

Ja. Da hat sie wohl Recht behalten, die alte Dame. Die Drachentöterin in den Wolken.

Und nun zu den guten Dingen.

Die Tagträume funktionieren wieder.
Ich habe beschlossen, Ende des Jahres zu kündigen.
Bald geht es mit dem Gatten für zwei Wochen in den Süden, meine Lieblingstante besuchen.
Die Kinder sind gesund und verliebt.
Die weiße Lady hat sich so was von gefreut, als sie mich nach ihrem Urlaub wieder sah.
Die Finanzen sind im grünen Bereich.
Ich mag seit Neustem Tomaten mit Mozzarella und Basilikum.

Farbe: Orange
Jetzt: Geht gerade die Sonne über dem Feld unter
Zustand: Lächelnd
Lied: s.u.


Sonntag, 14. August 2016

Ein Schmetterling schlägt seine Flügel, die ganze Erdkugel bebt...



Ich liebe mein altes Parkett im Wohnzimmer. Ich hatte das Wochenende damit verbracht, alles zu reinigen. Großputz. Paolo war da und strich meine Holzfenster. Das war bitter nötig, sie hätten den nächsten Winter nicht überlebt. Im Moment bin ich mit der Großen allein. Sie hat ihr Studium unterbrochen und eine passende Ausbildung begonnen. Alle anderen sind im Süden. Püppi hat den Hund mitgenommen. Ja. Was soll ich sagen. Es ist verdächtig ruhig, aufgeräumt und sauber. Also stehe ich heute in meinem Wohnraum und betrachte das Parkett. Und im gleichen Moment denke ich, hey, willst du morgen früh wirklich wieder in dieses kalte verschissene Büro und darüber nachdenken, ob das jetzt gut ist, oder nicht. Ich will nicht. Ich habe mich  mental so sehr von dieser ganzen Materie entfernt. Bester Freund ist nur noch ein eventuell zukünftiger Buchtitel. Freunde sollte man pflegen. Und beste Freunde sollte man niemals in Frage stellen. Am Freitag war wieder Blutkontrolle. Positiv. Zwei Stunden saß ich da mit den Krebskranken, die an ihrem „Stand“ angeschlossen wurden. Vielleicht habe ich es, weil, wer auch immer, mich zum nachdenken anregt, etwas zu ändern. I don’t know. Zellen zerstören sich, und mir ging es am Freitag so beschissen, dass ich den halben Tag im Büro auf dem Boden geschlafen habe. Und daheim ist alles so aufgeräumt. Und ich hatte noch die Zeit dazu, Mutter im Krankenhaus zu besuchen und mit Vater und großem Bruder zu grillen. Und ja, ich in diesem Fall, würde und werde, mir immer die Zeit nehmen, weil sie mir so unglaublich wichtig sind. Ich kann ja nur abwarten. Angeblich klopft früher oder später die Leukämie an, sagt mein Arzt des Vertrauens. Klopf. Klopf. Ja soll sie. Ich gebe ihr subito einen Faustschlag in die Fresse. Das habe ich dem Arzt meines Vertrauens nicht gesagt. Ich will ja nicht als Schlägertyp rüberkommen. Es ist irgendwie unfair. Ich fühle mich gerade angekommen. Selbst A. hat sich gemeldet. Er mag sich mit mir treffen. Und im September fahre ich mit meinem Gatten allein in den Süden. Dann werden wir es uns richtig gut gehen lassen. Ich werde alles vergessen. Vergesslich bin ich ja sowieso. Ich vermisse die weiße Lady. Treu, liebevoll und wunderschön.  


Sonntag, 7. August 2016

...



Das Gefühl einen Status Quo in zwischenmenschlichen Beziehungen erreicht zu haben, hindert mich leider nicht daran, dass die Anziehungskraft, die ich anscheinend auf psychisch labile Menschen habe, außer Kraft gesetzt wurde. Setzt man sich einmal mit dem Spezies Mensch auseinander, glaubt man es am Ende kaum. Nun muss ich anscheinend nur noch den Code dafür finden, dass ich nicht von Besagten gefunden werde. Das hört sich menschenfeindlich an, ist es auch. Ich mag einfach keine endlosen Diskussionen über Probleme und völlig banalen Dingen, die niemanden interessiert. Und was ich noch weniger mag, sind diese selbstinszenierten „Ich bin stark und ab heute offen für Alles“ Floskeln.  

So wie das Wetter heute, verbunden mit meinem Allgemeinzustand, gewürzt mit lustigen Gesprächen mit engsten Familienmitgliedern, so kann es bleiben. Mehr bedarf es nicht, um es sich gut gehen zu lassen. Lange nicht mehr so gelacht und rumgealbert.

Dann die Tagträume, die niemanden etwas angehen, aber so herrlich präsent sind. Schön.

Situationskapierend wird dann morgen die Arbeit angetreten. Aber auch das ist schlicht weg Augsburger Puppenkiste. Also hab ich mich nicht so und nehme es hin, wie den Dienstag, an dem es wieder regnen soll. Na und? Gestern mit dem Hund eine Stunde durch den Regen gelaufen, was so anregend schön war.

Und ja, ich bin innerlich froh darüber, dass ich weder an Angstzuständen leide, noch mein Dasein über Statussymbole definieren muss, um überhaupt etwas darzustellen.

Es reicht aus, dass ich einfach bin.