Dienstag, 28. Juni 2016

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Ich muss leider weiter Kündigungen schreiben.
Das schlimmste ist, am Ende allein mit Ihm übrig zu bleiben. Das werde selbst ich nicht durchstehen.




Wir sind jetzt noch Fünfe von Neunzehn Mitarbeitern.


Sonntag, 26. Juni 2016

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Ich saß auf der Veranda und genoss die Stille, die sich von der Dunkelheit im Arm halten ließ. Die Wolkenstränge, die vom Mond bestrahlt wurden, sahen aus wie ein Knochenszintigramm. Wie die Bilder, die ich mir angesehen hatte, nachdem ich aus dem Krankenhaus kam und die CD in das Laptop warf. Ich hatte das Wochenende genauso wie die Untersuchungen über Bord geworfen. Mein Herz sagte ja, mein Verstand nein. Am Freitag bekam ich gleich vier Einladungen. Ich nahm Einladung Nummer fünf an. Mein Bruder. Alles andere ignorierte ich. Wir schauten also heute das Fußballspiel und bestellten ungesundes Essen. Wir haben ja im Grunde eh nichts zu verlieren.

Anna rief gestern Abend an und war richtig angepisst. Ich hatte sie vergessen. Ich zog es vor mit meiner Ältesten, die endlich wieder in Deutschland ist, ins Kino zu gehen. Anna hatte mir vor einer Woche noch erzählt, wie sie endlich wieder zu sich gekommen ist. Jetzt wo sie allein ist. Und ich dachte, das muss sie mindestens noch eine Weile ausleben. Aber anscheinend ist ihr Selbstfindungstrip nur von kurzer Dauer. Psychologen halt. Ich verstehe das nicht. Als ich gestern Morgen erwachte, hatte ich einen völligen Blackout. Ich konnte mich an nicht viel erinnern, und es machte mir richtig Angst. Aber ich fing mich, nach dem ersten Kaffee und der ersten Zigarette und dachte, wenn das so ist, dann ist das so.

Die Blutwerte sind immer noch nicht im grünen Bereich. Und die Männer im weißen Kittel sind ratlos. Alzheimer wäre natürlich das Übelste, was mir passieren könnte. Als ich vor einer Woche mein Auto wie bekloppt suchen musste auf einem Edeka Parkplatz, der mir nun wirklich seit 22 Jahren vertraut ist. Das war nicht schön.

Ich bin bestimmt einfach nur überarbeitet. Punkt.

Was geht:
Farbe: grün
Lieblingstag: Freitag- gefühltes 30 Jahre Date
Musik: Robbie Williams- Me and my Monkey
Kontostand: gut  
Gefühl: schwebend
Arbeit: Kein Bock



Sonntag, 12. Juni 2016

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Und am Ende einer Ära fallen wir alle wieder in unsere Grundzüge der Charaktereigenschaften zurück. Und ich bin da überhaupt nicht böse drum.

Grüne Sterne:

Sie schaute auf die Uhr. Immer und immer wieder. In zehn Minuten musste sie losfahren, um pünktlich an der vereinbarten Stelle anzukommen. Ohne zu wissen, was sie erwarten würde. Viel kannte sie nicht von ihm. Nur ein wenig. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. 22:00 Uhr. Das war nicht ihre Zeit. Normalerweise lag sie längst im Tiefschlaf in ihrem Bett. Sie fuhr los. Je näher sie sich dem Treffpunkt näherte, desto aufgeregter wurde sie. Hört das denn niemals auf, dachte sie und stellte die Musik lauter. Fünf Minuten musste sie nur warten, da sah sie den dunklen Wagen vorfahren. Er lächelte ihr zu, während er den Wagen parkte, stieg aus, kam zu ihr und begrüßte sie mit einer innigen Umarmung. „Alles klar bei dir?“ Sie nickte, ja ja. „Willst du bei mir mitfahren, oder?“
„Ich fahre hinter dir her.“ „Ok.“

Sie folgte ihm und dieses Gefühl versetzte sie in die Vergangenheit. Sie mochte den Augenkontakt über den Rückspiegel, mit lauter Musik, die Beschleunigung auf der langen Landstraße, das Abbremsen vor einer roten Ampel, ohne einen Funken von Ahnung, wohin es gehen würde. Es dämmerte bereits. Nach zwanzig Minuten hielten sie an einem See.

„Komm, ich zeig dir was.“

Sie liefen einmal um den See, dann standen sie vor einem Segelboot.

Mittlerweile war es dunkel. Sie genoss seine Gegenwart, seine Umarmung, seine weichen Lippen auf ihren. Sie tranken ein Bier, das Boot wog sich leicht im Wasser. Sie lachten, sie flirteten, sie liebten sich. Für diesen einen Augenblick in der Nacht des Halbmondes unter einem grünen Sternenhimmel.
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Break

„Manch einer arbeitet so eifrig für seinen Lebensabend, dass er ihn gar nicht mehr erlebt.“
Der Krankenschein hat gut getan, und mir wird wieder bewusst, ich bin eigentlich ganz anders, ich habe nur so selten die Gelegenheit dazu.

Sonntag, 5. Juni 2016

Sonntag



Ein bisschen schwankend, schwebend in der Luft, das Alles. Heute dann einfach mal den freien Arbeitsmarkt kurz abgecheckt und bei all dem Trubel doch eine gewisse Lässigkeit gewonnen. Solange sich die Erde dreht, solange geht es auch irgendwie weiter. Im Hinterkopf hat sich der kleine oder große Lottogewinn eingenistet, der ja eigentlich einfach mal fällig sein könnte. Ein freundlicher Blick auf das Mohnbewachsene Feld, und ein wirklich schönes Gespräch mit dem Nachbarn über mir. Gelernt, wie sich Mensch auf neue Gegebenheiten einzustellen versucht, dabei scheitert, um schließlich doch die neue vorübergehende Struktur für sich anzunehmen. Jeder auf seine Weise. Sehr interessant. Ein Gedanke, der mir sagt, dass man niemals von einem Menschen abhängig sein sollte. Weder mental noch finanziell. Und das Wort „Freundschaft“ bekommt eine ganz andere Sichtweise. Und ich glaube „Phönix aus der Asche“ hat damit nichts zu tun.

Ich werde sehen, wohin die Reise „Leben“ geht.