Dienstag, 17. Mai 2016

A.



Anna sah es mir sofort an. „Zucker, was ist passiert, erzähl.“ Ich rollte mit den Augen und holte mindestens drei Mal tief Luft, bis ich überhaupt in der Lage war, mit einem auch nur Ansatzweisen klaren Gedanken, zu erzählen. „Nichts Besonderes.“ Sie lachte laut. „Ich glaube dir kein Wort.“ „Weißt du, wir Menschen sind so hoffnungslos überfordert, wenn Dinge passieren, die wir so gar nicht erwarten.“ Ich saß ihr gegenüber und wusste nicht, ob ich darüber nachdenken sollte, oder den Kopf schütteln sollte. Ich hatte einfach keine Erklärung, und das Herz schlug bei dem Gedanken bis zum Hals, der Bauch fuhr Achterbahn, der Verstand schüttelte ungläubig den Kopf. „Zucker, das Leben ist bunt. Drehst du mir noch eine Zigarette?“ „Klar.“

Während der Arbeit denke ich darüber nach, wie lange es her ist. Dieses Gefühl in der Blutbahn, zu leben, ein Lächeln, wenn man an jemanden denkt, ein Kribbeln im Bauch, dieses Gefühl begehrt zu sein, mit all dem, was man ist. Zehn Jahre. Was für eine lange Zeit. Es wird Zeit, denke ich. Ja.

Ich gehöre in den Frühling, weil ich Lust auf küssen habe.

1 Kommentar:

  1. Wunderbar gesagt. Aber leider klappt das nicht immer.
    Ich wünsche es dir von Herzen.
    Liebe Abendgrüße schickt dir
    Irmi

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