Sonntag, 24. April 2016

Sicher...



.... hat alles irgendwie einen Sinn. Und es ist gut, dass man nicht immer weiß, wohin die Reise geht. Als ich vor acht Jahren meinen Mann räumlich verließ, zu dem Zeitpunkt gab es nur noch die gemeinsame Wohnung, die uns verband, hatte ich im Sinn, einen Weg zu finden, um harmonischer miteinander zu leben. Die Wohnung gegenüber auf gleicher Ebene bot sich dafür an, und nach einem gemeinsamen Gespräch willigte er ein, und ich zog rüber. Heute können wir wieder einander ertragen, gemeinsam Kaffee trinken, über die Kinder sprechen, und Familienurlaub machen. Der Freiraum galt also nicht neuen Partnern, sondern Privatsphäre. Die Kinder haben weder Mutter noch Vater verloren, oder mussten sich an neue Partner gewöhnen. Es ist nicht leicht, eine Ehe durchzustehen, wenn man nicht besondere Wege geht. Für die Außenwelt sind wir seit Jahren angeblich geschieden, und haben es eben einfach nicht gerockt. Aber was weiß denn schon die Außenwelt.
Im Dezember werde ich zum zweiten Mal Tante. Und ich gebe zu, ich weiß nicht, ob ich eine Tante hergebe, wie man sich eine Tante vorstellt. Mein Neffe bekommt ein Stiefgeschwisterchen. Und mal abgesehen davon, dass er eh schon sehr introvertiert ist, gerade voll mutiert zum Pupertier, ist es das erste Mal, dass ich mir ein wenig Sorgen um ihn mache. Meine Ex-Schwägerin kann ihn nicht loslassen. Und der Kurze hatte noch gedacht, dass das wieder wird mit seinen Eltern. Jetzt ist sein Traum geplatzt. Was jedoch nicht heißt, dass ich die neue Frau nicht mag. Ganz im Gegenteil, sie ist so ganz anders als die Ex. Vor zwei Jahren hätte ich fast meinen Bruder verloren. Kurz vor dem Selbstmord, ausgelöst durch eine schwere Depression, fanden meine Eltern ihn in seiner Wohnung. Die neue Frau hat er schließlich in der Kur kennengelernt. Macht irgendwie Sinn. Die Ehe mit der Ex war ja schon seit vier Jahren im Aus.
Vor sieben Jahren stieg ich wieder voll ins Arbeitsleben ein. Das gelang mir durch einen alten Jugendfreund. Die finanzielle Abhängigkeit von meinem Mann wollte ich nicht mehr. Dabei vergaß ich jedoch, dass ich die finanzielle Abhängigkeit dadurch nur verlagert habe. Das bekomme ich jetzt zu spüren. Macht Sinn. Also muss ich mich irgendwie gedanklich sortieren.
Der Preis zahlt sich nicht nur auf dem Konto aus, sondern auch in meiner physischen und psychischen Verfassung. Ich muss wieder lernen, zu entspannen, Gelassenheit und inneres Gleichgewicht zu finden. Die Grübeleien müssen schönen Gedanken weichen. Auch das macht irgendwie Sinn. Das schöne am Leben ist vielleicht, dass der Mensch in der Lage ist, niemals ausgelernt zu haben.

Heute Morgen rief mich meine Oma an. Ich war mal wieder in meinem Gedankenkarussell gefangen und von einem Lächeln ganz weit weg. Nach dem Telefonat ging es mir, ich weiß nicht wieso, wieder richtig gut. Es muss ihre Freude darüber gewesen sein, dass sie zum fünften Mal Uroma wird. Das hat mich einfach angesteckt. 


Kommentare:

  1. Dein Post hat mich sehr bewegt. In einem meiner letzten Postings habe ich darüber geschrieben, dass man Entspannen muss, ja sich auch gewissen Tagträumen hingeben sollte.
    Ich habe längere Zeit hier verweilt. Ich komme wieder, glaube mir. Als Verfolgerin habe ich mich schon einmal eingetragen.
    Einen angenehmen Dienstag wünscht Dir
    Irmi

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  2. hallo irmi, vielen dank auch für deinen link, so konnte ich auch ein bisschen stöbern...

    lieben gruß von frau würfelzucker

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