Sonntag, 16. Februar 2014

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Anna lacht sich halb kugelnd vom Sofa:“ Weißt du, Kandis, ich bewundere dich, wie du das alles schaffst.“ Tränen fließen vor Lachen aus ihren Augen. Fulltimejob, zwei Haushalte, drei pubertierende Kinder, eine Heimkatze, die hin und wieder neben das Katzenklo kackt, und fügt sie hinzu:“ Gut das deine Große nichts von der armen Giraffe mitbekommen hat, sonst hättest du sie jetzt in deinem Garten und sie würde die Baumkronen abfressen.“

Anna lacht mein Leben so sehr heraus, dass auch ich lachen muss. „Du kennst doch den Chaoshaushalt Kandis, das wird sich nicht mehr ändern, vermute ich.“

„Ich muss jedoch ernsthaft über unsere AltersfrauenWG nachdenken. Ich weiß nicht, ob ich das durchhalte.“

„Dann ist das so, ist auch ok.“

Ich denke ganz still so bei mir, dass ich so oder so eher ein Eremit auf diesem Planeten bin. Ich habe nichts gegen herzlich herzen, aber ich brauche doch meine Ruhe, ganz und gar für mich.

Das Wochenende ging mal wieder schneller vorbei als die Woche, leider. Aber ich habe es immerhin geschafft Herr/Frau über unsere Einzelsockenhorde zu werden und der Montag kann kommen.

Annas Lachen hallt noch in meinen Ohren nach. Und ich schmunzel, auch wenn ich mich frage, warum die Menschen andauernd über mich lachen. Aber egal, ich lache einfach mit.

        

Samstag, 8. Februar 2014

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Chris schrieb mich gegen Vormittag an:“ Hey Süße, wie sieht es aus, wolltest du heute oder nächste Woche bei mir übernachten?“ Als ich ihre Nachricht las, war sie off. Ich schmunzelte, sie hatte vermutlich gerade wieder einen Freier zu bedienen. Ich antwortete ihr kurz, wenn, dann würde ich heute kommen, da ich nächsten Samstag bei meinem Sohn bleiben müsse, da er ambulant operiert wird am Freitag. Nach einer Stunde bekam ich eine Antwort. „Vielleicht doch lieber in zwei Wochen, ich bin einfach zu müde, die Woche war hart.“
Mir war das ebenfalls recht, denn auch bei mir herrscht im Moment Stress pur.
Anderseits wäre dieser Abend eine nette Abwechslung gewesen. Ohne Püppi pubertär, ohne morgens einfach aus dem Bett geklingelt zu werden, weil der Gatte wieder irgend so einen Sch.... hat.

Und dann ist da ja noch das versprochenen Wochenende von dem Kleinen. Wohnungseinweihung. Die Relation zu dem Gefühlten davor ist um mindestens zehn Jahre nach vorne geschoben zu dem Gefühlten danach. Jetzt muss ich nur noch den Mut und die Gelassenheit nähren, damit ich das auch hin bekomme. Aber der Frühling steht ja bald vor der Türe.

Zeit

Du Zeit hast mir eine Menge Stunden genommen, die ich lieber anders verbracht hätte. Doch heute sehe ich dich nicht mehr als meinen Feind, als Dieb. Heute bist du mein Begleiter. Auch wenn es dir nicht passt, ich habe dich besiegt, weil ich mich damit abfinde, dass ich nicht weiß, wie viel Zeit mir noch bleibt. Und deshalb genieße ich jeden Tag als meinen Tag. Und wenn ich meine Zeit damit verbringe, meine Wohnung zu säubern, bei guter Musik, wenn ich im Auto sitze und gelassen zur Arbeit fahre und stundenlang in einem Buchhandel stöbere, wenn  ich ohne auf die Uhr zu schauen lange Telefonate mit lieben Menschen habe, oder einfach in Ruhe einen Kaffee trinke und dabei die Sonne in meinem Gesicht genieße, dann hast du Zeit, verloren. Weil ich das einfach mache. Im Alter wird man gelassen. Ich habe nichts zu verlieren, denn ich lebe.
  

Sonntag, 2. Februar 2014

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„Sind sie zufrieden?“
„Ja, ich denke schon.“
„Was macht denn ihre Zufriedenheit aus?“
„Ich habe einen Kirschbaum vor meiner Veranda. Wenn er im Frühling blüht, dann wärmen die Farben mein Gemüt.“

Um 6:00 Uhr in der Früh ist die Nacht zu Ende. Manchmal herrscht eine ruhige Atmosphäre, manchmal fliegen die Fetzen. Nämlich dann, wenn die Große der Kleinen in letzter zeitiger Minute die Schuhe klaut oder die Kleine der Großen eine Jeans aus dem Schrank zieht, und sämtliche andere Kleidungsstücke fliegen auf den Boden. Ich gebe zu, ich bin jedes mal erfreut, wenn die beiden Großen mit dem Auto auf dem Schulweg sind und Püppi zeitig an der Bushaltestelle steht. Dass sie ihre Hausaufgaben im Bus erledigt, ist ok.
Missi das Flusentier hat sich eingewöhnt. Wir wechseln uns ab, ihren hin und wieder misslungenen Toilettengang zu entsorgen und ich habe ein Raumspray besorgt.

Ich bin nun im fünften Jahr meiner Arbeit. Und ich vermag nicht aufzurechnen, was in den fünf Jahren an Kohle allein für meine Kinder draufgegangen ist. Und heute wurde mir wieder bewusst, dass ich das Geld nicht benötige. Wofür? Ich habe längst alles was ich brauche, und Gesundheit kann man sich nicht kaufen.

„Kann ich dein Auto haben? Ich muss wieder in den Süden.“
„Ja.“
„Danke.“
„Keine Ursache.“

„Was würde sie noch zufriedener machen?“
„Ich will eine Schokolade die mich dünner macht.“

„Das will ich auch.“