Montag, 16. Dezember 2013

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Bevor man schlafen geht, plant man noch den nächsten Tag durch. Die Gedanken drehen sich um scheinbar wichtige Dinge, die im Leben nicht weg zu denken sind. 6:00 Uhr aufstehen, Kinder wecken, zur Arbeit fahren, die Zeit so einteilen, dass noch die Tasse Kaffee und die Tageszeitung passt, Informationen um 7:00 Uhr. Jeden Morgen nehme ich mir vor, am Straßenrand zu halten, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Jeden Morgen wird jedoch mein kleiner Puncto von schnelleren Autos, was ja auch kein Zauber ist, gejagt, und ich verpasse den Sonnenaufgang mit meiner Kamera. Auf der Arbeit schnell noch ein Kaffee aufgesetzt und dann funktioniert man für die Kunden. Unfallanzeigen schreiben, nachdem man mit dem Verunfallten telefoniert hat, Maschinen werden beurteilt und ein Gang durch den Betrieb mit Smalltalk und netten Typen zwingt unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht. In Gedanken bin ich nach einem gern gewollten Quicki im Tagtraum schon bei meiner Einkaufsliste für zwei Haushalte, immer den Kontostand im Kleinhirn . Und in all dem anscheinend wichtigem Scheiß kreisen die Gedanken um die Familie. Ist das jetzt so in Ordnung mit meinem Vater nach der OP. Eine zweite Notoperation passt ja nicht mehr in sein Lebenszeitlimit. Und während ich vom Einkaufen komme, den Mantel noch trage, greife ich zum Telefon um nach dem Rechten zu hören. Und weil die Oma nun ins Krankenhaus gekommen ist, wundert es mich, als mein Sohn, mit dem ich mich gestern übelst gestritten habe, bei mir anklopft, sich zu mir auf das Sofa setzt und der Bengel nimmt mich in den Arm und entschuldigt sich für sein Gehabe, dass ja ganz normal ist in seinem Alter. Und wir tauschen Informationen, fast so wie die Tageszeitung, nur viel inniger und ich bin froh dass ich diese drei außergewöhnlichen Kinder habe. Bevor man schlafen geht, plant man noch den nächsten Tag, ohne zu wissen, dass er abläuft, wie das Schicksal es will. Und dem können wir uns nur fügen.              

Kommentare:

  1. Und genau deswegen muss man für sich selber entschleunigen, die Momente auf dem Sofa genießen und den nächsten Tag mit mehr Achtsamkeit für sich und seine Lieben beginnen. Ich weiß es ist leichter gesagt als getan, aber im Nachhinein ein "wäre, hätte, wollten noch" ist für einen selber viel schlimmer, als die 5 Minuten zu spät kommen aber mit dem Gefühl "jetzt hab ich den Sonnenaufgang fotografiert und kann ihn am Abend mit meinen Halbstarken oder der besten Freundin teilen" - umärmel Du kannst das gönn es Dir, das gibt Kraft die Du brauchst :-*

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    1. schön dass du buchstäblich einfach da bist..;-)

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